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Sportgeschichten (89)
Mit sieben Meilen zur Erfolgsgeschichte

Sportgeschichten (89): Mit sieben Meilen zur Erfolgsgeschichte
Laufen im Fackelschein (hier eine Szene aus 2003) - diese Atmosphäre lockt seit 1977 Tausende an die Startlinie des Zonser Nachtlaufs (unten Mitte). Den gewann Bernd Rangen (r.) als Erster - und niemand so oft wie Petra Maak (l.). FOTO: Archiv NGZ
Neuss. Der Zonser Nachtlauf erlebt heute Abend seine 40. Auflage - zur Geburtstagsfeier haben sich wieder mehr als 1500 Läufer angesagt. Von Volker Koch

Zons Als Joachim Fischer und Wolfgang Pries im Sommer des Jahres 1977 den ersten "Nachtlauf" der SG Zons vorbereiteten, hatten sie ein gutes Gespür. Heute liegen "Eventläufe" voll im Trend, damals besaßen die Zonser so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal: Im Schein von Pechfackeln, Kerzen und Autoscheinwerfern zu laufen, noch dazu über die "krumme" Distanz von sieben englischen Meilen (gleich 11,263 Kilometer) - einen solchen Lauf zu veranstalten erforderte schon ein bisschen Wagemut.

Es war die Zeit, als Laufen noch keine Massenbewegung war und der Begriff "Jogging" noch keinen Einzug in den deutschen Sprachgebrauch gehalten hatte. Läufer waren vornehmlich auf der Bahn oder im Wald unterwegs, Straßenläufe führten zumeist über Wirtschaftswege durch einsame Felder und Fluren.

FOTO: Woitschützke Andreas

1978 wurde in Darmstadt mit dem "Cup da Franco" einer der ersten Stadtläufe überhaupt auf deutschem Boden aus der Taufe gehoben. Und als am 16. Juni 1983 der Neusser Sommernachtslauf seine Premiere feierte, da hatten die Zonser bereits sechs "Nachtläufe" erfolgreich abgewickelt. Aus dem Experiment - 367 Männer und 64 Frauen starteten bei der Erstauflage - ist eine Erfolgsgeschichte geworden: Wenn heute um 20 Uhr zum 40. Mal der Startschuss ertönt, werden erneut mehr als 1500 Läuferinnen und Läufer im Heidestadion erwartet. 1540 Voranmeldungen sind bereits eingegangen, davon 1026 für den "Klassiker" über sieben Meilen, der 1997 um einen "Jedermannlauf" über 3,1 Meilen (5 km) erweitert wurde (Start um 19 Uhr). Und da Nachmeldungen bis eine halbe Stunde vor dem Start möglich sind, könnten es durchaus noch ein paar Teilnehmer mehr werden.

Mehr als 53.000 Läuferinnen und Läufer waren seit der Premiere 1977 beim Nachtlauf am Start, hat SG-Pressewartin Brigitte Görner ausgerechnet. Darunter durchaus prominente Namen, auch wenn die Zonser nie mit Fahrgeldern oder Antrittsprämien lockten. Der Nachtlauf ist stets ein "Volkslauf" im besten Sinne des Wortes gewesen - er lebt von der Stimmung, nicht von der Jagd nach Rekorden oder Prämien. Angesichts der besonderen Atmosphäre wurde den Organisatoren in all den Jahren auch manche Panne verziehen, die anderswo zu wütenden Protesten geführt hätte. Der berühmt-berüchtigte "duale Start" an zwei verschiedenen Punkten, die langen Schlangen vor dem Zielstrich, all das gehört nicht zuletzt dank der Zeiterfassung per Startnummern-Chip der Vergangenheit an. Ebenso, dass die komplette Spitzengruppe (der Autor dieser Zeilen mittendrin) etliche Meter zu viel laufen musste, weil sie auf den falschen Abzweig geschickt wurde - heute sind das lustige Anekdoten, wie sie an jedem runden Geburtstag gerne erzählt werden.

FOTO: Woitschützke Andreas

Mit den Jahren ist der Zonser Nachtlauf professioneller geworden, ohne von seinem speziellen Charme einzubüßen. Zu dem gehört auch, dass die erzielten Zeiten keine große Rolle spielen - bei 11,263 Metern verwundert das kaum. Als erster "Nachtläufer" erreichte 1977 Bernd Rangen, damals im Trikot der DJK Gnadental, nach 38:21 Minuten das Ziel, schnellste Frau war Ellen Teunen (TFG Nippes) in 49:38 Minuten. Im Vorjahr reichten Carl-Philip Heising (TSV Bayer Dormagen) und Heide Schwartz (Bunert-Team) 40:19 beziehungsweise 43:59 Minuten zum Sieg.

Vergleichbar sind die Zeiten kaum, auch, weil die Strecke mehrfach geändert wurde. Schnellster war der Düsseldorfer Salvatore Di Dio, der im Jahr 2000 nach 36:11 Minuten das Ziel erreichte. Leo Monz (TV Rheinbach, 36:45 min.) war bereits 1979 als Erster unter 37 Minuten geblieben - in jenem Jahr, als sich bei den Frauen eine gewisse Petra Sander in 44:05 Minuten erstmals in die Siegerliste eintrug. Als Petra Maak ist die damals 25-Jährige immer noch unterwegs - so oft wie sie hat niemand den Zonser Nachtlauf gewonnen.

1978, bei der zweiten Auflage, lief Willi Jungbluth (37:48) hinter dem Niederländer Wim Gielen (37:10) und dem Essener Thomas Asmuth (37:11) als Dritter über die Ziellinie. Heute Abend wird der Mittelstreckentrainer des TSV Bayer Dormagen dort auf seinen Schützling Tanja Spill warten - die DM-Dritte und Deutsche U23-Meisterin über 800 Meter ist der prominenteste der 1026 Namen in der Meldeliste.

Quelle: NGZ
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