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Mit Willen und Glück zum dritten Saisonsieg

Lokalsport: Mit Willen und Glück zum dritten Saisonsieg
Peter Strosack war gestern beim 28:25-Sieg des TSV Bayer Dormagen über die Handballfreunde Springe im Dormagener Angriff "der einzige, der dahin ging, wo es wehtut", wie Trainer Jörg Bohrmann den "gelernten" Rechtsaußen lobte, der längst zur festen Größe im rechten Rückraum geworden ist. FOTO: H. Zaunbrecher
Dormagen. Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen setzt sich in schwachem Spiel gestern Abend mit 28:25 gegen Aufsteiger HF Springe durch. Von Volker Koch

Vier Mal in Folge gab es Lob, aber keine Punkte für den TSV Bayer Dormagen. Gestern Abend brachte der Handball-Zweitligist seinen eigenen Trainer so auf die Palme, dass Jörg Bohrmann hinterher mit Blick auf seine "Kabinenansprache" bekannte: "Ich bin noch nie in meinem Leben so laut geworden wie heute." Trotzdem, vielleicht auch deshalb, fuhren seine Schützlinge mit dem 28:25 (Halbzeit 12:14) gegen Aufsteiger HF Springe den dritten Sieg dieser Spielzeit ein.

Einen vielleicht wegweisenden, wie Jobst Wierich befand: "Jetzt haben die Jungs gesehen, wie es geht", meinte der Sprecher des Wirtschaftsbeirates, der selbst als Rechtsaußen den ersten Zweitliga-Aufstieg in der Dormagener Vereinsgeschichte gefeiert hatte, "man muss nicht immer gut spielen, um zu gewinnen, aber man muss sich immer bis zum Schluss durchbeißen."

Von einem guten Spiel konnte wahrlich keine Rede sein gestern Abend vor der dünnen, am Ende aber begeisterten Kulisse von 1027 Zuschauern. Im Gegenteil, Bayer bot gegen den bislang schwächsten Gegner seine bislang mit Abstand schwächste Saisonleistung, lag folgerichtig und nicht unverdient deshalb auch mehr als eine Dreiviertelstunde im Hintertreffen. "45 Minuten war das grottenschlecht", ereiferte sich Bohrmann. Die Deckung zeigte bedenkliche Lücken, die Maximilian Schüttemeyer (4) und Marius Kastening (3) aus dem Rückraum sowie die Außen Maximilian Kolditz (4/2) und Hendrik Pollex (3) immer wieder zu den so genannten "einfachen" Toren nutzten - auch, weil der am Freitag in Saarlouis noch so stark auftrumpfende Sven Bartmann zwischen den Pfosten nicht eine Hand an den Ball bekam.

Und der Angriff erwies sich als laues Lüftchen, vor allem die Außen erlaubten sich gegen Bartmanns Kollegen Mustafa Wendland viel zu viele Fehlwürfe. Die Folge: Nach 19 Minuten führten die Gäste nicht einmal unverdient mit 10:5. "Die Jungs haben gezeigt, dass sie heute hier unbedingt etwas mitnehmen wollten", lobte Sven Lakenmacher, der Ex-Nationalspieler auf der Bank der Handballfreunde, die kämpferische Einstellung seiner Schützlinge. Das alles summierte sich zur lautesten Kabinenansprache in der Trainerlaufbahn von Jörg Bohrmann. "Ich habe den Jungs ihre Fehler aufgezeigt und dann habe ich nur noch gesagt: Das müsst Ihr jetzt alleine lösen. Taktische Anweisungen habe ich keine mehr gegeben", gab der 46-Jährige hinterher zu.

Ein psychologischer Trick, der zunächst zu fruchten schien, denn Peter Strosack und Sebastian Damm wafren bis zur 33. Minuten den ersten Gleichstand der Partei (14:14) heraus. Doch trotz bester Möglichkeiten schafften es die Hausherren nie, in Führung zu gehen, im Gegenteil: Springe zog zwischenzeitlich wieder bis auf zwei Tore (20:18, 44.; 21:19,47.) weg. Dass die Partie dann doch noch kippte, war vier Spielern zu verdanken - drei Dormagenern und einem der Gäste. Sven Bartmann, zwischenzeitlich auf die Bank beordert, der zwischen der 35. und 53. Minute fünf Bälle hielt. Peter Strosack, der im Angriff "als einziger dahin ging, wo es wehtut", wie sein Trainer den Linkshänder lobte, der zumindest im Angriff Jo Gerrit Genz inzwischen die Position im rechten Rückraum mehr als nur streitig macht. Dennis Marquardt, der trotz starker Schulterschmerzen der Abwehr die lang vermisste Stabilität verlieh.

Und Marius Kastening. Der quirlige Mittelmann der Gäste, der der Dormagener Defensive mit seiner unorthodoxen Spielweise viele Rätsel aufgab ("dabei hatten wir uns genau darauf eingestellt", schimpfte Bohrmann), leistete sich nach 53 Minuten ein ebenso überflüssiges wie hässliches Foul an dem ihm enteilten Robin Doetsch, das zu Recht die dritte Zeitstrafe und damit die Rote Karte nach sich zog. Ihres Regisseurs beraubt, "haben wir uns in der Schlussphase zu viele Fehler erlaubt, die Dormagen dann mit Gegenstößen bestraft hat", erkannte Lakenmacher, "und wenn du erst mal mit drei Toren hinten liegst, wird es schwer, das aufzuholen."

Zumindest dann, wenn die bevorzugte Spielweise mehr darauf aus ist, dank ellenlanger Spielzüge Handball eher zu verhindern. So traf Peter Strosack sechs Minuten vor Schluss zur ersten Führung überhaupt (24:23), die bauten Robin Doetsch und Alex Kübler (2) binnen 180 Sekunden auf 27:23 aus - der Rest ging im Jubel der 1027 Fans unter.

Quelle: NGZ
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