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Lokalsport
Miteinander schlägt Siege und Medaillen

Neuss. Viertes Inklusionsturnier des Tennisclubs Grün-Weiß Neuss führt auf der Ludwig-Wolker-Anlage 40 Sportler mit und ohne geistige Behinderung zusammen. Im nächsten Jahr finden hier die NRW-Landesspiele von Special Olympics statt. Von Stephan Glasmacher

Dass nach einer Sportveranstaltung alle Athleten zufrieden und mit strahlenden Gesichtern nach Hause gehen, dürfte nicht allzu häufig vorkommen. Beim 4. Inklusionsturnier des Tennisclubs Grün-Weiß Neuss war genau das der Fall, gerade weil auf der Wolkeranlage weniger Siege und Medaillen als das Miteinander der 40 Sportler mit und ohne geistige Behinderung im Vordergrund standen.

Daher wurden die Unified-Doppel, die ein Spieler mit und ein Teilnehmer ohne Handicap bildeten, nach je 30-minütigen Spielrunden neu ausgelost. Auf diese Weise wurden zunächst knapp 40 Spiele ausgetragen, in denen die Sportler immer neue Doppelpartner kennenlernten. Nicht nur für Athlet Thomas Wendt waren dabei die Ergebnisse nebensächlich: "Wichtig ist die Begegnung zwischen den Teilnehmern und dass man miteinander ins Gespräch kommt." Der Tennisspieler aus Münster, der bei den Weltspielen von Special Olympics in Los Angeles im vergangenen Sommer Gold gewonnen hatte, war zum ersten und wohl nicht zum letzten Mal beim Neusser Inklusionsturnier. "Es macht mir hier sehr viel Spaß", stellte er bereits nach den ersten Spielrunden erfreut fest, "im nächsten Jahr will ich auf jeden Fall wieder dabei sein."

Die weiteste Anreise hatte allerdings nicht der Münsteraner, sondern Andreas Grüne. Der Unified-Partner aus Hannover hatte die Tennisspieler von Grün-Weiß Neuss erst im Juni bei den nationalen Meisterschaften von Special Olympics in seiner Heimatstadt kennengelernt, als er einer von drei freiwilligen Helfern gewesen war, die die Grün-Weiß-Athleten während der Woche begleitet hatten. "Eigentlich wären wir alle drei nach Neuss gekommen, wenn es terminlich geklappt hätte", versicherte Grüne, "für uns ist das selbstverständlich." Selbstverständlich war für ihn auch der Umgang mit den Athleten, die sich schon darauf gefreut hatten, ihn wiederzusehen. "Ich gehöre zur Truppe dazu", sagte der Hannoveraner, für den Erinnerungsfotos mit seinen jeweiligen Doppelpartnern nicht fehlen durften. "Es ist schön, dass hier alle Beteiligten Inklusion als etwas Normales empfinden", so Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, der am Morgen vorbeischaute und von "gewachsenen Freundschaften" sprach: "Die Freude am Sport überwiegt, nicht der Ehrgeiz." Er hoffe, dass aus einem Unified-Doppel irgendwann einmal ein "Unified-Life" werde.

Organisator Helmut Kloubertz zeigte sich erfreut über den Verlauf des Turniers. "Alles hat sehr gut geklappt", zog der Inklusionsbeauftragte von Grün-Weiß Neuss ein positives Fazit, "alle Athleten waren sehr zufrieden. Die Unified-Partner, die diesmal zum ersten Mal dabei waren, wollen im nächsten Jahr wiederkommen."

Erstmalig beim Inklusionsturnier waren in diesem Jahr nicht nur die neuen Unified-Partner, sondern auch Vertreter von Special Olympics NRW: Die Sportorganisation für Menschen mit geistiger Behinderung trägt ihre NRW-Landesspiele nächstes Jahr vom 10. bis 12. Juli in Neuss aus. Die Tenniswettbewerbe werden dann auf den Plätzen von Grün-Weiß Neuss stattfinden. "Hier sind die Rahmenbedingungen ideal", sagte Marc Becker, der als Projektleiter der Landesspiele für einen reibungslosen Ablauf verantwortlich ist, "die Plätze hier sind super, die Tribüne auch." Außerdem liege die Wolkeranlage, das Herzstück der Spiele, sehr zentral, so Becker weiter: "Acht von 14 Angeboten sind direkt in der Nähe, darunter das wettbewerbsfreie Angebot und das Gesundheitsprogramm Healthy Athletes."

In seiner kurzen Begrüßungsrede zeigte sich der langjährige GW-Vorsitzende Helmut Kloubertz höchst erfreut darüber, dass sein Verein, die Tennisplätze zur Verfügung stellen darf. "Als Grün-Weißer bin ich stolz darauf, Ausrichter der Tennisspiele zu sein", sagte er.

Unified-Partner Andreas Grüne hat jetzt schon angekündigt, im nächsten Juli als freiwilliger Helfer wieder nach Neuss kommen zu wollen, wenn dann knapp 1000 Athleten drei Tage lang nicht nur im Tennis um Gold, Silber und Bronze kämpfen.

Quelle: NGZ
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