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Jan-Antony Vogel
"Neuss-Galopp braucht zukunftsfähiges Konzept"

Jan-Antony Vogel: "Neuss-Galopp braucht zukunftsfähiges Konzept"
Jan Antony Vogel (l.) und Peter Ritters: Auf der Suche nach dem Konzept für die Neusser Rennbahn. FOTO: KLAUS-JÖRG TUCHEL
Neuss. Neuss Heute ab 16.55 Uhr steht der dritte Winter-Renntag auf der Neusser Galopprennbahn an. Acht Rennen stehen auf der Karte, darunter als siebtes ein arabischen Vollblütern vorbehaltenes Rennen. Vor dem Renntag sprach die NGZ mit Jan-Antony Vogel, dem Präsidenten des Neusser Reiter- und Rennvereins, zugleich Chefmanager des deutschen Galopprennsports. Von Klaus Göntzsche

Welche Gründe gibt es für die geringen Umsätze an den beiden ersten Neusser Renntagen und auch in Dortmund?

Vogel Die Umsätze bei beiden Winterrennveranstaltern der PMU- Renntage waren nicht zufriedenstellend. Mit derartigen Umsätzen, insbesondere im Bereich des Außenumsatzes, lassen sich solche Renntage nur sehr schwer durchzuführen. Ganz im Gegenteil dazu stehen die Umsätze in Frankreich auf diese Veranstaltungen. Die Gründe liegen sicherlich zum Teil daran, dass die Termine in den Abendstunden in der Woche vom Besucher nur eingeschränkt wahrgenommen werden. Insbesondere die Anfangszeiten müssen in Abstimmung mit France Galop optimiert werden. Das erklärt aber nicht den schwachen Außenumsatz, der im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen ist. Einer der Hauptursachen für diese Entwicklung dürfte darin zu sehen sein, dass an diesen Tagen Quoten für den deutschen Totalisator und Quoten für den französischen Tote angeboten werden. Dieses Angebot an den Wetter wirkt sich nachteilig für den schwächeren deutschen Totalisator aus. Wir müssen an diesen PMU-Renntagen wieder dazu kommen, dass nur ein deutscher Wettpool für die Totalisatorwette angeboten wird. Die Außenwette ist aber auch in erheblichem Umfang von der Wettvermittlung der Buchmacher im stationären und online Bereich abhängig. Auch hier stellen wir zum Teil deutliche Rückgänge fest.

Wie sind Ihre Prognosen für das kommende Jahr?

Vogel Hier erwarten wir für 2016 eine positive Entwicklung, nachdem nunmehr alle Wettanbieter nur aufgrund einer deutschen Genehmigung ihre Tätigkeit ausüben dürfen und damit der Gesamtmarkt einer einheitlichen Regulierung unterliegt. Weiterhin steht natürlich die Pferdewette in direktem Wettbewerb zur Sportwette, deren gesetzlich vorgesehene Regulierung noch in weiter Ferne liegt. Natürlich wirkt sich auch das begrenzte Angebot an stationären Buchmachergeschäften nicht positiv auf die Umsatzentwicklung aus. Hier erfolgt seit Jahren eine deutliche Verlagerung in Richtung der Online-Wettanbieter. Diese Entwicklung war aber auch im letzten Jahr vorhanden und kann daher für die derzeitige Entwicklung nicht verantwortlich sein.

Was bedeutet das für die Winter-Renntage?

Vogel Der deutsche Galopprennsport hält die Durchführung von Winterrennen für notwendig und unverzichtbar. Sie werden daher auch in 2016 stattfinden, wobei die Terminfindung im Zusammenhang mit France Galop erfolgt. Dass die Nachfrage nach dem Produkt im Wettmarkt vorhanden ist, zeigen die Wettumsätze in Frankreich, die zu einem nicht unerheblichen Teil auch von deutschen Kunden stammen.

Wo kommen die Vorwettumsätze konkret her?

Vogel Der deutsche Vorwettumsatz kommt am Beispiel von Neuss zu 24 Prozent aus dem stationären Buchmacherbereich und zu 76 Prozent aus dem Online.Bereich. Hier wird deutlich, welche Bedeutung die Online-Wettanbieter für den Pferdewettumsatz haben.

Sind die Kosten für Personal und Technik vor Ort nicht höher als die Erträge aus den Wetten? Was kostet der Totobetrieb an einem Dienstag in Neuss?

Vogel Die Kosten des Totobetriebes spielen bei den Winterrennveranstaltern nicht die entscheidende Rolle. Die Aufwendungen begrenzen sich auf die Kosten des Totopersonals. Die Technikkosten werden für alle Rennveranstalter von German Tote getragen. Es ist aber zutreffend, dass, wenn sich die Veranstaltungen nur aus den Totalisator-Wettumsätzen refinanzieren müssten, die Rennveranstaltungen so nicht durchführbar wären.

Wie bewerten Sie die aktuelle Situation des Neusser Reiter- und Rennvereins?

Vogel Wenn Sie den letzten Renntag in Neuss ansprechen, so stimme ich Ihnen zu, dass trotz der Terminierung mehr getan werden muss, um auch diese Veranstaltung insbesondere für den Besucher attraktiver zu machen. Hier sind die Verantwortlichen des Vereins gefordert. Leider lassen derzeit die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen keine großen Sprünge zu. Wir sind aber in Neuss gefordert, auch mit kleinen Schritten der Entwicklung entgegen zu wirken.

Gibt es schon Signale, wie es mit dem neuen Bürgermeister Reiner Breuer in Neuss weitergeht?

Vogel Die Positionierung der Stadt Neuss zur Rennbahn hat sich nicht verändert. Es gibt bestehende Verträge, die die derzeitigen Rahmenbedingungen vorgeben. Der Neusser Reiter- und Rennverein hat den Wegfall der Landesmittel aus Spiel 77, die jährlich einen Betrag von mindestens 120.000 Euro ausmachten, nicht kompensieren können. Nachdem auch die erwarteten Einnahmen aus der Rückerstattung der Buchmachersteuer auf inländische Rennveranstaltungen im Wesentlichen ausbleiben, müssen wir uns für die Zukunft neu aufstellen. Dies betrifft sowohl den Renn- als auch den Trainingsbetrieb. Hier werden wir gemeinsam mit unserem Vertragspartner Neuss-Marketing und der Stadt Neuss ein zukunftsfähiges Konzept erarbeiten, dass den Fortbestand der Neusser Rennbahn sichert. Wir sind sicher, dass wir ein tragfähiges Konzept für die Zukunft vorlegen können. Wenn Sie konkret den neuen Bürgermeister ansprechen, so darf ich zunächst feststellen, dass dieser bereits in der Vergangenheit sich als Landtagsabgeordneter sehr für die Interessen des Neusser Reiter- und Rennvereins und darüber hinaus auch für alle NRW-Rennvereine eingesetzt hat, um die Übergangsregelung nach Wegfall der Mittel aus Spiel 77 im Landtag durchzusetzen. Mit Herrn Breuer haben wir einen Bürgermeister, der der Neusser Rennbahn positiv gegenüber steht. Es ist aber die Aufgabe des Vereins, seine Zukunft zu gestalten. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch weiterhin auf seine Unterstützung rechnen können.

NGZ: Wie steht es um den Trainingsstandort Neuss?

Vogel Konkret ist festzustellen, dass sich nach meiner Meinung die geplante und bereits in der Umsetzung befindliche Bebauung dauerhaft mit einem ordnungsgemäßen Trainingsbetrieb nicht vereinbaren lassen wird. Natürlich lebt ein Rennbahnstandort auch davon, dass ganzjährig Galopprennpferde auf der Anlage trainiert werden. Der Fokus eines Rennvereins liegt aber in der Durchführung von Rennveranstaltungen. Hier müssen wir einen Kompromiss finden. Der Vorstand hat sich mit diesem Problem sehr ausführlich beschäftigt und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass eine dauerhafte Fortführung des Trainingsbetriebes sich mit der Bebauung wohl nicht vereinbaren lässt. Wir werden hier aber in den nächsten Monaten Erfahrungen sammeln und dann final entscheiden. Unser Fokus liegt aber ganz deutlich auf der Durchführung von Rennveranstaltungen auf der Sand und Grasbahn unter Flutlicht.

Quelle: NGZ
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