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Lokalsport
Neusser HV denkt über Spielgemeinschaft nach

Lokalsport: Neusser HV denkt über Spielgemeinschaft nach
Geht es nach den Visionen der NHV-Macher, sollen die Neusser Handballer (hier Brian Gipperich, l.) gegen den VfL Gummersbach (hier Mark Bult und Simon Ernst, v.r.) irgendwann nicht nur Test-, sondern Punktspiele bestreiten. FOTO: A. Tinter
Neuss. Handball-Drittligist führt Gespräche mit ART Düsseldorf und Vertretern der Landeshauptstadt. Samstag-Derby noch nicht ausverkauft. Von Volker Koch

Am Samstagabend ist Derbyzeit in der Hammfeldhalle. "70, 80 Karten sind noch zu haben", sagt Geschäftsführer René Witte mit Blick auf das Drittliga-Spitzenspiel zwischen dem noch ungeschlagenen Tabellenzweiten Neusser HV und Zweitliga-Absteiger TSV Bayer Dormagen (4.), das um 19.30 Uhr von den Unparteiischen Heiko Marx und Falko Pühler angepfiffen wird.

Mit einem weiteren Sieg wären die Gastgeber dem Aufstieg in die Zweite Handball-Bundesliga einen erheblichen, wenn auch noch nicht entscheidenden Schritt näher gekommen. Und der ist das angestrebte Ziel, daraus macht Thomas Koblenzer als geschäftsführender Gesellschafter der nhv1 Handball-Spielbetriebs-&Marketing GmbH inzwischen kein Hehl - anders als zu Saisonbeginn, als nur ein Platz unter den besten Sechs der Tabelle als offizielles Saisonziel ausgegeben wurde.

Koblenzer weiß aber auch: "Das wird ein Kraftakt, besonders für einen kleinen Verein wie uns" - der Neusser HV hat gerade mal etwas mehr als 300 Mitglieder. Hinzu kommt die Problematik der (fehlenden) Sportstätte: "Wir spielen im Hammfeld ja in der 3. Liga schon mit einer Ausnahmegenehmigung", sagt Witte. Ob die dem Rhein-Kreis gehörende Halle im Falle eines Aufstiegs den strengen Richtlinien der Handball-Bundesliga (HBL) genügen würde, wagen die beiden NHV-Geschäftsführer zu bezweifeln - wie im Übrigen "jede andere Neusser Turnhalle auch", sagt Witte. Ob das Unternehmen "Zweite Liga" mit maximal 800 Zuschauern - so viele werden am Samstag erwartet - überhaupt wirtschaftlich darstellbar wäre, ist dabei noch nicht einmal berücksichtigt.

Frischer Wind in Planungen und Überlegungen der NHV-Verantwortlichen kommt jetzt ausgerechnet von der anderen Rheinseite. Den ART Düsseldorf, Trägerverein des vor fünf Jahren insolvent gegangenen Zweit- (und ehemaligen Erstligisten) HSG Düsseldorf, "plagen strukturelle Schwierigkeiten", sagt Koblenzer: "Um dennoch auch in Zukunft eine gute wie nachhaltige Jugendarbeit aufrecht zu erhalten, hatten die Düsseldorfer zuletzt bei mehreren Vereinen aus der Region bezüglich einer Zusammenarbeit angefragt - auch den NHV."

Koblenzer steht dieser "Zusammenarbeit", die letztlich in eine Spielgemeinschaft münden würde, offen gegenüber. "Wir verschaffen uns derzeit einen Überblick und führen Gespräche. Wenn es Möglichkeiten für beide Vereine gibt, von einer Kooperation zu profitieren, muss man das sicher in Betracht ziehen." Sportlich wäre eine solche Spielgemeinschaft aus Neusser Sicht höchstens im Jugendbereich interessant - die Herren des ART (mit den Ex-Dormagenern Marian Basic und Bastien Arnaud) spielen in der Nordrheinliga eine Klasse tiefer als der NHV. Doch Koblenzer sieht natürlich die wirtschaftlichen und sponsoring-technischen Vorteile eines solchen Brückenschlags in die Landeshauptstadt, zumal die mittelfristige Etablierung von Hand- und Basketball im Spitzenbereich vom dortigen Rathaus wohl recht offensiv betrieben wird.

Was mit der Zielsetzung von Volker Staufert korrespondiert. Der ehemalige Kreissportbund-Vorsitzende hat sich spätestens seit seiner Wahl zum NHV-Vorsitzenden im August diesen Jahres auf die Fahnen geschrieben, "den Leistungshandball im Rheinland langfristig und auf einem stabilen Fundament zu etablieren und weiter zu entwickeln." Damit, meint das frühere Vorstandsmitglied der RheinEnergie Köln, sei "ein Verein alleine überfordert". Gleichwohl steht für ihn mit Blick auf eine Spielgemeinschaft mit Düsseldorf fest: "Die Entscheidung darüber liegt letztlich bei den beiden Vereinen und ihren Mitgliedern." Und die, das ist in der Handballszene hinlänglich bekannt, verbindet seit Jahren eine herzliche Abneigung.

Quelle: NGZ
 
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