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Neusser HV marschiert an die Tabellenspitze

Lokalsport: Neusser HV marschiert an die Tabellenspitze
Nein, Meister sind sie noch nicht, doch mit dem Sieg über Dormagen taten die Neusser Handballer einen weiteren Schritt auf dem Weg dorthin. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. TSV Bayer Dormagen hält im Kreis-Derby der 3. Handball-Liga West nur eine Viertelstunde mit und kommt dann böse unter die Räder. Von Volker Koch

Nach 13 Minuten schien sich eine Überraschung anzubahnen im Kreis-Derby der 3. Handball-Liga West: 4:2 führte der TSV Bayer Dormagen in der mit 810 Zuschauern ausverkauften Hammfeldhalle und war bis dahin im intensiv geführten Vergleich zweier hypernervöser Mannschaften die bessere gewesen.

47 Handballminuten später schlichen die Gäste mit betretenen Mienen in die Kabine - sie waren am Abwehrbollwerk des Neusser HV zerschellt wie ein Ruderboot in den sturmumtosten Klippen des Atlantischen Ozeans. Nicht, dass sich die Dormagener nicht gewehrt hätten gegen diesen Untergang, der mit dem 28:16-Sieg (Halbzeit 15:8) der Hausherren die neuen Kräfteverhältnisse im heimischen Handball eindeutiger zementierte als vorher von beiden Seiten gemutmaßt.

Doch sie waren mental und physisch überfordert gegen eine Neusser Mannschaft, die spielerisch nicht einmal alle Register ziehen musste, um den 14. Sieg im 14. Spiel einzufahren. Der sie nach der 28:29-Niederlage von Eintracht Hagen am Vorabend in Longerich alleine an die Tabellenspitze der 3. Liga West brachte. "Und da wollen wir auch überwintern", sagt Ceven Klatt mit Blick auf das Gipfeltreffen am Samstag (19.30 Uhr) in der Hagener Enervie-Arena durchaus selbstbewusst.

Selbstbewusstsein, das sich der Debütant auf der Neusser Trainerbank erarbeitet und verdient hat. Wer eine abgezockte Truppe individuell starker Spieler so bei Laune hält, wer auf alle taktischen Finten der Gegner (auch der Dormagener) die passende Antwort besitzt, der hat vieles richtig gemacht in dem knapp einen Jahr, in dem der 33-Jährige die alleinige Verantwortung trägt beim NHV. Klatt nutzt die ganze Bandbreite eines für Drittliga-Verhältnisse exzellent besetzten Kaders, zu dem seit Samstagabend entgegen den am Vortag von den Neusser Verantwortlichen geäußerten Dementi auch Marijan Basic gehört. Der 31-Jährige vom ART Düsseldorf soll kurzfristig die Probleme lösen, die durch eine Erkrankung von Daniel Pankofer auf der Regieposition entstehen könnten.

Freilich: Als Basic nach 16 Minuten auf der Bank Platz nahm, kamen die Neusser erstmals ins Rollen, zogen von 5:5 auf 10:6 (21.) davon und hatten die Partie damit bereits vorentschieden. "Ich wusste, wenn wir erst einmal unsere Nervosität ablegen, werden wir uns absetzen", sagte Klatt angesichts einer Anfangsphase, in der das erste Tor erst nach 435 Spielsekunden (!) fiel und es nach zwölf Minuten 2:2 stand. Die Dormagener legten diese Fahrigkeit, diese Unkonzentriertheit überhaupt nicht ab: "Selbst in der Phase, als wir geführt haben, haben wir viel zu viele Abpraller liegen gelassen und freie Tormöglichkeiten nicht genutzt", übte Spielertrainer Alexander Koke Selbstkritik, "und dann hast du gegen so eine Mannschaft wie Neuss keine Chance."

Der vielleicht entscheidende Unterschied: Klatt kann wenig überzeugende oder von der gegnerischen Abwehr neutralisierte Spieler (wie am Samstag Basic, Handschke, Weis) zur Denkpause auf die Bank holen und durch annähernd gleichwertige oder sogar bessere (am Samstag Bahn, Reuland, Gipperich) ersetzen. Koke kann das nicht. Wenn bei ihm selbst oder bei Max Bettin wenig zusammenpasst (wie am Samstag), bleibt ihm nur der Rückgriff auf die A-Jugendlichen - die sind zwar hochbegabt, aber allein körperlich noch nicht so weit, um sich gegen Hünen wie Heider Thomas oder Bennet Johnen durchzusetzen. Und wenn es ihnen doch einmal gelang, war da Mikkel Moldrup, der das Duell zwischen den Pfosten mit 14:13 Paraden knapp, aber spektakulär gegenüber Sven Bartmann für sich entschied.

So verflachte das vermeintliche Spitzenspiel, das bei einem 15:8-Pausenstand zugunsten des NHV schon so gut wie entschieden war, zusehens. Dormagen konnte nicht, Neuss tat verständlicherweise nicht mehr als nötig. Hätten nicht Wechselfehler der Gäste, überforderte Zeitnehmer und ebensolche Schiedsrichter für ein bisschen Unterhaltung gesorgt, man hätte den zweiten Durchgang getrost am Bierstand verbringen können - sieben Tore (5:2) in der ersten Viertelstunde nach Wiederbeginn sagen alles über das Niveau.

Den Neussern kann's herzlich egal sein. Sie sind dem Zweitliga-Aufstieg verdientermaßen einen Schritt näher gekommen, können am Samstag in Hagen den nächsten, vielleicht schon vorentscheidenden, tun. Den Dormagenern hingegen droht am Freitag (20 Uhr) im Heimspiel gegen Longerich die nächste empfindliche Lehrstunde.

Quelle: NGZ
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