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Lokalsport
Neusser HV marschiert unaufhaltsam

Neuss. Leichlingen geht ein Mal in Führung - und dann im NHV-Angriffswirbel unter. Von Volker Koch

Dieser Neusser HV, das hatten Experten schon vor Saisonbeginn geweissagt, kann sich eigentlich nur selber schlagen. Doch nicht einmal das ist bislang eingetreten - und so marschieren die Neusser schier unaufhaltsam und im Gleichschritt mit Zweitliga-Absteiger VfL Eintracht Hagen durch die Dritte Handball-Liga West: Das 35:30 (Halbzeit 18:15) über Vorjahremeister Leichlinger TV bedeutete den zwölften Sieg im zwölften Spiel und beschert den Neussern nun fünf Punkte Vorsprung auf die vom Longericher SC angeführte Meute der (schwächelnden) Verfolger.

Doch unverwundbar ist der Tabellenzweite nicht, das machte die zweite Halbzeit des Spitzenspiels vor gerade mal 450 Zuschauern deutlich. Hätte Leichlingen vor lauter Hadern über die in den Augen seines Trainers Frank Lorenzet "indiskutable" Schiedsrichterleistung in der Schlussphase nicht Kopf und Disziplin verloren, hätten die Gäste nicht am Ende unübersehbare konditionelle Schwächen gezeigt, die Partie hätte auch andersherum ausgehen können.

So gingen die Blütenstädter zwar ein Mal in Führung (24:23, 46.), doch danach im Neusser Angriffswirbel regelrecht unter. Und das, weil der NHV in dieser Saison drei Grundtugenden in die Waagschale werfen kann, die im Handball nicht ganz unwichtig sind und die ihm in der vergangenen Spielzeit über weite Strecken noch abgingen: Disziplin, Tempo und Kondition.

Als es eng wurde, als die "Pirates" binnen sechs Minuten von 15:20 auf 20:20 (37.) herankamen, weil sie den wohl besten Spieler dieser Drittliga-Staffel, Daniel Pankofer, in Manndeckung nahmen, bewahrten die Hausherren Ruhe. Trainer Ceven Klatt reagierte richtig und rechtzeitig und ließ Felix Handschke, ohnehin verkappter Mittelmann auf Linksaußen, geschickt die sich auftuenden Räume in der Leichlinger Defensive nutzen. Mit der zunächst erfolgversprechenden Taktik schaufelten sich die Gäste schließlich ihr eigenes Grab: "Dass sie so früh auf eine 5:1-Deckung umgestellt haben, hat uns in die Karten gespielt, denn eine solche Deckung kostet Kraft", analysierte NHV-Geschäftsführer Thomas Koblenzer.

Kraft, die den Blütenstädtern am Ende fehlte, auch, weil die Neusser gnadenlos auf die Tempokarte setzten. "Das haben wir bewusst gemacht, weil wir wussten, dass Leichlingen dann hinten 'raus Probleme bekommt", sagte Klatt. 35 Tore warfen seine Schützlinge, 24 Mal scheiterten sie am glänzend aufgelegten Ante Vukas zwischen den Leichlinger Pfosten - diese Zahlen sagen alles über die Abwehrleistung der Gäste, aber auch über die Angriffswucht, mit der die Neusser zu Werke gingen an diesem Abend. Und wer so auftritt, der "verdient" sich dann auch meistens einen leichten Bonus bei den Unparteiischen, die, da lag Lorenzet nicht so ganz falsch, im Zweifel sicher eher für die Hausherren entschieden als umgekehrt. Doch auch das gehört im Handball inzwischen einfach dazu.

Das alles, und Ceven Klatt weiß das genau, funktioniert "nur, weil wir so einen großen Kader haben", sagt der Trainer. Der gibt ihm Wechsel-Alternativen an die Hand, von denen die meisten Drittliga-Kollegen nur träumen können: Während Leichlingen den rechten Rückraum mit einem Rechtshänder bestückte, konnte Klatt munter zwischen Niklas Weis und Brian Gipperich hin und her wechseln. Die bisherige "Leihgabe" vom Bergischen HC hat sich nunmehr ganz für den NHV entschieden und einen Zwei-Jahresvertrag unterschrieben.

Welche Möglichkeiten die Neusser (im Gegensatz zu vielen Konkurrenten) haben, zeigt der Blitztransfer von Torhüter-Altmeister Hilmar Gudmundsson, der den an der Wade verletzten Vladimir Bozic am Freitag ersetzte und in den nächsten Spielen vertreten soll. In solcherart bestückten Kadern besteht leicht die Gefahr des Neides und der Unzufriedenheit ob ungleich verteilter Spielanteile - doch die scheint Klatt bislang durch kluges Taktieren vermieden zu haben. Was die Frage aufwirft, wer diesen NHV tatsächlich noch schlagen soll in dieser Saison.

Quelle: NGZ
 
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