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Sportgeschichten (106)
Neusser schrieben Motorsport-Geschichte

Sportgeschichten (106): Neusser schrieben Motorsport-Geschichte
FOTO: Rolf Hoppe
Neuss. Nicht nur im Automobil-Slalom waren die Fahrer des Neusser MSC einst Spitzenklasse. Jetzt trafen sich die Motorsport-Veteranen wieder. Von Rolf Hoppe

Neuss "Da riss Kilian die Arme hoch" - Manfred Kilian Deutscher Slalommeister (NGZ 15. Oktober 1969), "Hans-Peter Schmitz ein großes Talent" (NGZ 19. März 1970), "Schmitz und Kilian mit Gesamtsieg am Berg" (NGZ 19. Oktober 1971), "Neusser Team brach alle Rekorde" (NGZ 5. April 1971) - die Motorsportler des Neusser Motor Sport Clubs (NMSC) lieferten lange Jahre regelmäßig sportliche Schlagzeilen.

Mit Namen wie Jakob Helten, Wolfgang Schmachtenberg, Manfred Kilian, Benedikt und Dieter Philippsen im Slalom; mit Horst Hoier, Heinz Gilges, Walter Piel, Klaus Scholz am Berg und auf dem Nürburgring sowie bei der Rallye Monte Carlo. Und mit Frank Biela als Werksfahrer einen mehrfachen LeMans-Sieger auf Audi LMP1. Die Fahrzeuge damals: VW Golf, Porsche, NSU Prinz, Glas 1304, Autobianchi. Die erfolgreichsten, Walter Piel und Horst Hoier, wurden sogar mit dem höchsten Sportabzeichen des ADAC - Gold mit Brillanten - ausgezeichnet.

Um 1978 profilierte sich dann nach den Erfolgen und Meisterehren vergangener Jahre eine junge Garde der Neusser Slalomfahrer in zunehmendem Maße. Was folgte, waren Seriensieger wie Friedel Schmitz, Hans-Peter Schmitz (der fliegende Gärtner), Til-Eckhard Funke, Karl-Heinz Klein, Olaf Schley, Helmut Pflieger. Gerd Luckas, Julius Berger und Toni Troschka; unterwegs auf VW Golf GTI, Opel Kadett GTE, Simca 1000 und Ford Escort das Maß aller Dinge. Mit reihenweise Klassen- und Mannschaftssiegen bis hin zur Meisterschaft sowie erfolgreichster Club im ADAC Nordrhein. Die Mannschaft: 19 aktive Fahrer.

Das ist Geschichte; heute gehen lediglich noch Fabian und Florian Schmitz auf einem Golf GTI mit etwa 200 Pferdestärken sporadisch an den Start. Doch der Kontakt unter den Slalomsportlern ist nie so ganz abgebrochen, war aber recht locker. Bis jetzt der Neusser Karl-Heinz Klein auf die Idee kam, nach etwa 40 Jahren die alten Konkurrenten und zum Teil auch Freude in das Deutsche Haus nach Kaarst zum zwanglosen Treffen einzuladen. Was für ein Hallo, als sich mittlerweile drei Generationen wiedersahen. Oft wurde gerätselt, wer denn nun im einzelnen noch wer war. Einer, den jeder kannte, war Manfred Kilian. Der Neusser war nicht nur ein Fachmann, der in seiner Werkstatt Autos schneller machen konnte, sondern auch als Fahrer erfolgreich. 1969 wurde er auf einem NSU TTS Deutscher Meister im Slalomsport. Und in den Jahren danach mit immerhin 50 Jahren Rennsporterfahrung als Fahrer, Tuner und Teamchef gleichermaßen bekannt. In Horst Hoier und Günter Amon hatten unter den 40 Gästen auch zwei erfolgreiche Rallye- und Rundstreckenfahrer den Weg nach Kaarst gefunden. Natürlich standen "Benzingespräche" im Vordergrund, wurden Ergebnislisten aus 40 Jahren Rennsport diskutiert, Fotos herumgereicht und frühe Amateurfilme angeschaut.

Jetzt sollen, so Organisator Karl-Heinz Klein, nicht wieder so viele Jahre bis zum Wiedersehen vergehen. Und es soll noch mehr folgen. Klein: "Lasst uns ein Auto kaufen, mit dem wir zum Spaß um die Pylonen zaubern werden." Damit knüpft die Slalom-Truppe an die Tradition an, im Wettbewerb gegeneinander zu fahren, danach aber gemeinsam Spaß zu haben. Aus Termingründen konnte der langjährige Vorsitzende des Neusser Motor Sport Clubs, Heinz Gilges, an diesem Abend nicht vorbeikommen. Er erinnert sich aber gern an Geschichte und Geschichten des NMSC: "Begonnen hat die Vereinsgeschichte mit Motorbootrennen im Floßhafen, Mitglieder nahmen sporadisch an Motorrad- und Rundstreckenrennen teil. Und dann hatten wir mit dem Verkehrsgarten am TÜV ein ideales Gelände, doch mal eine Slalomveranstaltung aufzuziehen. Ich möchte sagen, dass wir den Slalomsport in Deutschland damit quasi auf den Weg gebracht haben." Stolz ist der langjährige Sportleiter des ADAC Nordrhein, damit viele bekannte Fahrer von der Rundstrecke zum Slalom nach Neuss gelockt zu haben - sogar ein Formel 1-Renner soll zur Show am Start gewesen sein.

Quelle: NGZ
 
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