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Neusserin schwimmt von Asien nach Europa

Lokalsport: Neusserin schwimmt von Asien nach Europa
"Ich bin ein Kontinentalschwimmer!" Die Neusser Triathletin Susanne Rega nach ihrem Start beim Bosporus-Schwimmwettkampf in Istanbul. FOTO: Privat
Neuss. TG-Triathletin Susanne Rega (45) durchquert beim Cross-Continental Swimming Race in Istanbul den Bosporus. Gut 2000 Athleten am Start. Von Dirk Sitterle

Den Bosporus aus eigener Kraft durchqueren. Eine verwegene Idee. Susanne Rega, Triathletin der TG Neuss, hat es trotzdem getan, und zwar beim Cross-Continental Swimming Race in Istanbul. Der vom Olympischen Komitee der Türkei organisierte Schwimm-Wettkampf findet seit 1989 am südwestlichen Ende des 30 Kilometer langen Bosporus - eine Meerenge zwischen Europa und Asien -, der das Schwarze Meer mit dem Marmarameer verbindet, statt.

Los geht es auf der asiatischen Seite im idyllischen Kanlica, Ziel ist das rund 6,5 Kilometer entfernte Kurucesme in Europa. Im Vorfeld hatte Susanne Rega erfahren, dass man sich auf der nicht mit Bojen abgesteckten Strecke möglichst mittig halten und etwa 500 Meter vor dem Ziel im 60-Grad-Winkel abbiegen sollte, um nicht am Ziel vorbei in der "Collecting Zone" unterhalb der Bosporus-Brücke zu landen. "Dort wird man zwar netterweise vor der Wasserpolizei aufgegabelt, ist aber damit auch disqualifiziert."

Am Wettkampftag begaben sich Schwimmer aus 40 Nationen und Tausende Zuschauer zum Zielbereich. Die Anspannung bei der 45 Jahre alten Neusserin stieg: "Umziehen, hektische Aufwärmübungen, Taschenabgabe nachdem man sich mehrfachst versichert hat, wirklich alles Notwendige vorher rausgenommen zu haben, Schlangen vor den mobilen Toiletten ..." Alleine die gut halbstündige Bootstour zum Start war schon ein Erlebnis.

Und dann stürzen sich 2000 Schwimmer - etwa 500 Frauen und 1500 Männer - in den Bosporus. Rega: "Die ersten Minuten herrschte noch großes Gedrubbel, danach verteilte sich das Feld schnell und man hatte zwischenzeitlich das Gefühl, fast alleine zu schwimmen." Das Wasser schmeckte leicht salzig, "macht aber einen erstaunlich sauberen Eindruck." Etwas suspekt waren ihr die vielen Quallen, erleichtert nahm sie darum zur Kenntnis, "dass die sich netterweise alle in sicherem Abstand unter einem aufhielten." Da sie die Wassertemperatur als sehr angenehm empfand, beglückwünschte sich die Triathletin der Turngemeinde im Stillen dazu, ohne Neoprenanzug gestartet zu sein. "Obwohl ich ziemlich in der Mitte schwamm, konnte ich die so häufig beschriebene kalte Strömung nicht wirklich finden. Zudem war es ziemlich wellig."

Weil nach etwas mehr als der Hälfte der Distanz bereits 50 Minuten rum waren, entschied sie sich zu einem "Spurwechsel" - indes ohne spürbaren Erfolg. Also verzichtete sie nach einigem hin und her auf zeitraubende Orientierungs-Stopps und blieb einfach, wo sie war. Eine gute Entscheidung. Als in der Ferne die zwei großen Zielballone auftauchten, rückte das Feld wieder dichter zusammen und es kam zu einigen Kollisionen - darin verwickelt auch Susanne Rega. Schließlich war es geschafft: "Nach einigen letzten Züge an der Zuschauertribüne vorbei, erreichte ich eine der neun Ausstiegsleitern. Damit bin ich jetzt ganz offiziell ein Certified Cross-Continental Swimmer." Ihre Endzeit von 1:35,04 Stunde befriedigte sie zunächst freilich nicht, hatte sie zuvor doch grob 1:10 bis 1:20 Stunde angepeilt. "Das Ganze relativierte sich aber schnell, denn alle Zeiten waren in diesem Jahr rund 20 Minuten langsamer als im Vergleich zum Vorjahr.

Am Ende belegte sie bei den Frauen den 142. Platz und Rang zehn in ihrer Altersklasse. Mit nach Neuss brachte sie die Erinnerung an ein "Schwimmevent mit toller Atmosphäre an einzigartiger Location."

Quelle: NGZ
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