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Lokalsport
Nicht Bundesliga-tauglich: die Neusser Asche

Neuss. Der TC Blau-Weiss Neuss kann von Glück sagen, dass ihn zu Grün-Weiss Mannheim und dessen Teamchef Gerald Marzenell ein freundschaftliches Verhältnis verbindet. Andere Gegner hätten gestern wohl stärker lamentiert und versucht, aus dem kläglichen Zustand der Neusser Tennisplätze Kapital zu schlagen.

Marzenell, auch Sprecher der Tennis-Bundesliga, beließ es bei einem dezenten, gleichwohl deutlichen Hinweis: "Bis zum nächsten Heimspiel muss hier etwas geschehen. Sonst kann es sein, dass der Oberschiedsrichter die Partie absagt oder auf eine andere Anlage verlegt." Der gestrige, Jo Beckers, sah davon noch ab, notierte nur lapidar unter dem Spielbericht: "Beide Matchplätze sehr weich. Die anderen Plätze auch."

Das dürfte als gewisses Understatement durchgehen. "Hut ab vor Jiri Vesely, dass er nicht mehr reklamiert hat", sagte Tom Schönenberg mit Blick auf seinen Kontrahenten, dessen lange Bälle mehr als einmal in der Neusser Asche regelrecht steckenblieben. Auch Björn Phau schimpfte immer wieder: "Auf diesem Platz kann man nicht spielen." Blau-Weiss macht die Stadt für den miserablen Zustand verantwortlich: "Wir haben rechtzeitig darauf hingewiesen", sagt Vorsitzender Abraam Savvidis. Ein eigens aus Hamburg angereister Experte habe festgestellt, dass die Plätze über Jahre falsch behandelt worden seien.

Dass städtischerseits außer dem stellvertretenden Bürgermeister Thomas Nickel und dem gleichfalls Tennis-affinen Ratsherrn Karl-Heinz Baum gestern niemand zum ersten Bundesliga-Heimspiel an der Jahnstraße erschienen war, mag als eine Art Schuldeingeständnis gewertet werden - falls es nicht einfach das mangelnde Interesse widerspiegelt, dass Politik und Verwaltung in Neuss dem Sport entgegen bringen.

Nicht viel größer war freilich das Interesse der Zuschauer. 600 waren es laut offiziellem Spielbericht, was die Neusser zum Schlusslicht des gestrigen zweiten Bundesliga-Spieltages macht, den insgesamt 5500 Besucher (bei vier Partien) sahen. So viele drängelten sich einst alleine an der Jahnstraße, als Michael Stich direkt nach seinem Wimbledonsieg mit Iphitos München zur Bundesliga-Partie dort auflief. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Tennis-Bundesliga (nicht nur in Neuss) jemals wieder ein Publikumsrenner wird, dürfte ungefähr so groß sein wie die, dass ein Deutscher mal wieder in Wimbledon gewinnt.

(-vk)
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