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Serie Rio Fest Im Blick
Nina Hemmer fühlt sich fit wie nie zuvor

Serie Rio Fest Im Blick: Nina Hemmer fühlt sich fit wie nie zuvor
Blickt optimistisch Richtung Rio: In der Trainingshalle des Bundesleistungsstützpunkts Dormagen ist Nina Hemmer öfter anzutreffen als zuhause. FOTO: AC Ückerath
Neuss. Die Ringerin des AC Ückerath möchte bei den Olympischen Spielen ihre bestmögliche Leistung abrufen - das Ergebnis ist vollkommen offen. Von Christos Pasvantis

Dormagen Wenn Nina Hemmer am 12. August gemeinsam mit dem aus vier Frauen und drei Männern bestehenden Ringerkader des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nach Rio de Janeiro aufbricht, hat die 23-jährige bereits eine halbe Weltreise hinter sich. Denn im Zuge der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele feilte die für den AC Ückerath startende gebürtige Rommerskirchenerin bereits zwei Wochen in Kanada und eine in Spanien an ihrer Form, aktuell weilt sie zehn Tage in Finnland, um sich dort den letzten Schliff zu holen.

Alles für ihr großes Ziel: "Ich sehe das aus zwei Aspekten. Einerseits ist es für mich das erste Mal bei Olympia, damit geht sozusagen ein Traum in Erfüllung. Andererseits ist es für einen Hochleistungssportler der falsche Anspruch, da ohne Ziele hinzufahren. Ich möchte meine bestmögliche Leistung zeigen und das erreichen, wofür ich trainiert habe."

Was das genau ist, lässt Hemmer offen. In der vermutlich 19 Teilnehmerinnen starken Ringerkonkurrenz bis 53 Kilogramm ist vom Erstrunden-Aus bis zur Goldmedaille alles denkbar, wie sie weiß: "Ich lasse alles auf mich zukommen. Es ist ein harter K.O.-Modus, da kann gerade im Ringen alles passieren. Wenn es am Ende reicht, wäre das noch überwältigender, aber ich bin jung und lasse mich einfach überraschen." Nachdem ein gerissenes Kreuzband sie vor zwei Jahren ausgebremst hatte, fühlt sich Hemmer aktuell so fit wie noch nie in ihrem Leben: "Ich bin wesentlich fitter als letztes Jahr. Bei mir war die Kondition eigentlich immer ein Problem. Das habe ich mittlerweile alles im Griff."

Eine wichtige Rolle spielt dabei auch Trainer Christoph Ewald vom Landesstützpunkt: "Seit er da ist, bin ich in viel bessere Form gekommen. Christoph bringt uns regelmäßig an unsere Grenzen." Da kam die kleine zweitägige Pause, die das Trainerteam ihr am vergangenen Wochenende gönnte, wie gerufen: "Einfach mal einen Tag lang entspannen, das kannte ich schon gar nicht mehr." Die Sahne auf ihrem Eiskaffee überließ sie beim Gesprächstermin dennoch dem ACÜ-Vorsitzenden Detlev Zenk: "Ich muss ja schauen, dass ich bis Rio meine 53 Kilo halte."

In Finnland soll es aber nun wieder ans Eingemachte gehen, in einer ganz kleinen Trainingsgruppe arbeitet Hemmer mit ihren Olympiakolleginnen Aline Focken (69 kg), Luisa Niemesch (58 kg) und Maria Selmaier (75 kg) und dem Trainerteam um Bundestrainer Patrick Loes nun an ihrer Technik. "Wir sind dort an einem See in einem kleinen Ort, wo wir unsere Ruhe haben und ungestört alles einstudieren können", sagt sie. Das sei zuvor in Guelph (Kanada) und Madrid nicht möglich gewesen, weilte bei den dortigen Vorbereitungsturnieren doch auch die Olympia-Konkurrenz. "Allein aus meiner Gewichtsklasse waren in Madrid acht Gegnerinnen da, denen will man seine Spezialtechniken natürlich nicht zeigen", meint Hemmer. Schließlich werde von den Trainern jedes kleinste Detail genau analysiert. Zu viel Bedeutung will sie der Vorbereitung auf die Gegnerin allerdings nicht zukommen lassen: "Ich bin eher jemand, der sich auf seine Stärken konzentriert. Ich will den Gegner nicht größer machen, als er ist, und meinen Stil durchbringen."

Vorbereitet werden die Ringerinnen im Übrigen auch auf die Eindrücke, die im olympischen Dorf zwangsläufig auf sie einprasseln werden. "Unser Sportpsychologe hat uns gesagt, dass wir definitiv erstaunt sein werden von dem ganzen Rummel, den Medien und Sportlern, die sich dort tummeln. Man sollte das auf jeden Fall alles mitnehmen, sich aber so drei Tage vor dem Wettkampf zurückziehen und in Ruhe vorbereiten", sagt Hemmer, die nach dem Turnier ja immerhin noch fünf Tage Zeit bis zum Rückflug hat.

Umstände wie die angespannte politische Lage oder das grassierende Zika-Virus will sie ausblenden: "Darüber mache ich mir ehrlich gesagt keinen Kopf. Wir Sportler können nichts daran ändern." Richtig aufgeregt sei sie noch nicht: "Ich kann es noch gar nicht richtig einschätzen. Ich glaube, dieses spezielle Gefühl kommt erst in dem Moment, in dem man im Stadion steht, die ganzen Sportler und Weltstars wie Usain Bolt sieht, die man nur aus dem Fernsehen kennt." Nur eines weiß sie genau: "Das werden zwei Wochen, die ich in meinem ganzen Leben nicht mehr vergessen werde."

Quelle: NGZ
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