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Rio Fest Im Blick
Nur für Annika Sprink erfüllt sich der Traum von Olympia

Rio Fest Im Blick: Nur für Annika Sprink erfüllt sich der Traum von Olympia
Fährt mit den deutschen Hockey-Damen nach Rio: Annika Sprink (20). FOTO: Stadt Düsseldorf
Neuss. Die 20-Jährige nimmt wie 1984 ihre Mutter am olympischen Hockey-Turnier teil - Luisa Steindor und Alexandra Höffgen schieben Frust.

Wohl selten zuvor dürften für zwei ehrgeizige Leistungssportlerinnen aus Neuss Freud und Leid so nah beieinandergelegen haben wie am Dienstag, als Hockey-Bundestrainer Jamilon Mülders im Rahmen des Vorbereitungslehrgangs in Köln seinen Kader für die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro bekanntgab. Denn ein auf die Leinwand projiziertes Bild zeigte eben nur die Porträts der 18 Auserwählten (16 Aktive plus zwei für den Notfall P-Akkreditierte).

Und während Annika Sprink (20) ihr Konterfei mit bis zum Hals schlagenden Herzen entdeckte, suchte ihre ebenfalls beim Bundesligisten Düsseldorfer HC spielende Teamkollegin Luisa "Lulu" Steindor vergeblich. Obwohl die 27-Jährige, die vor zwei Jahren nach dem Rückzug des HTC SW Neuss aus Liga eins zum DHC gewechselt war, seit 2012 stets zum festen Stamm der DHB-Auswahl gehört und noch am Wochenende den Ecken-Lehrgang des vorläufigen Olympia-Kaders in Mannheim besuchte hatte, rutschte sie ebenso raus wie Europameisterin Nina Hasselmann (29) vom Erstliga-Spitzenreiter Münchner SC. Dabei hatte Mülders nach dem EM-Aus im Halbfinale gegen die Niederlande im Vorjahr noch das herausragende Engagement der Hallen-Vize-Weltmeisterin von 2015 gelobt: "Sie befindet sich im Praktischen Jahr ihres Medizinstudiums, schiebt Nacht- und Wochenenddienste, um an den Lehrgängen teilnehmen zu können." Kein Wunder, dass die Neusserin, die erst vor Kurzem ihr 100. Länderspiel absolviert hatte, die Domstadt vollkommen aufgelöst verließ, um an der Ostsee Entspannung zu finden.

Tränen flossen am Dienstag auch bei Annika Sprink. Die Senkrechtstarterin im Kader mit den mit Abstand wenigsten Länderspieleinsätzen (12) rief sofort nach der Nominierung zu Hause an, wo ihre Mutter Elke Sprink schon nervös auf Nachricht wartete. "Danach haben wir beide geweint, natürlich auch, weil wir mit Lulu mitfühlen." Für die 60-Jährige schließt sich mit dem Rio-Ticket für ihre Tochter ein Kreis: 1984 hatte die Hockey-Weltmeisterin von 1981 Silber bei den Olympischen Spielen in Los Angeles geholt. Ihr erster Weg führte sie darum noch am Dienstag ins Reisebüro, um die Flüge nach Brasilien zu buchen. Den Trip an die Copacabana unternimmt sie in Begleitung einer weiteren ihrer insgesamt vier Töchter: Sarah Sprink, Anfang der kommenden Woche zurück aus den USA, wo sie an der University of Maryland, ausgestattet mit einem Hockey-Stipendium, in vier Jahren ihren Bachelor machte, unterstützt ihre drei Jahre jüngere Schwester. In Yvonne Frank (als P-Akkreditierte darf sie zwar mit ins Olympische Dorf, aber nur bei einer Verletzung von Torfrau Kristina Reynolds spielen), Lisa Altenburg (vor ihrer Heirat mit Herren-Bundestrainer Valentin Altenburg Hahn) und der ehemaligen "NGZ-Sportlerin des Monats" Janne Müller-Wieland (alle UHC Hamburg) stehen drei Spielerinnen im aktuellen Olympia-Kader, die 2009 mit dem HTC SW Neuss im Halbfinale der Hallen-DM standen.

Gemeinsam mit dem deutschen Team kommen sie am 13. und 14. Juli zu einem Lehrgang an die Jahnstraße nach Neuss. Ursprünglich war an diesem Termin auch ein Länderspiel gegen die Niederlande geplant, doch das hat der Vize-Europameister inzwischen abgesagt.

DIRK SITTERLE

Quelle: NGZ
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