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Lokalsport
Olaf Mast räumt seinen Stuhl

Die Ära Olaf Mast beim TV Korschenbroich ist beendet: Der Trainer bat noch am Samstagabend nach der 25:28-Schlappe (14:14) das Management des TV Korschenbroich zu einem Gespräch. Am Sonntagmorgen einigten sich dann die Bundesliga-Geschäftsführer Peter Irmen und Jupp Grimm sowie Aufsichtsratschef "Hajo" Hauser mit dem Coach "in beiderseitigem Einvernehmen" auf eine Vertragsauflösung. Von Tobias Käufer

"Olaf hat sich uns gegenüber sehr fair verhalten", erklärte Irmen auf NGZ-Anfrage und Grimm ergänzte: "Er ist auf uns zugekommen." Soll heißen: Mast übernimmt die Verantwortung, verzichtet auf eine Abfindung und macht auf eine respektable Weise den Weg frei für einen Neuanfang, findet auch "Hajo" Hauser: "Wir haben diese Entscheidung gemeinsam getroffen." Der Trainer selbst war am Sonntag für eine Stellungnahme nicht mehr zu erreichen, verbrachte stattdessen den nun freien Tag gemeinsam mit seiner Familie.

Während für Hauser und Grimm gleich die Suche nach einem Nachfolger begann, grenzte sich Irmen von den bisherigen Äußerungen des Trainers ab: "Wir sind weiterhin der absolut festen Überzeugung, dass die Mannschaft die nötige Qualität besitzt, um in dieser Liga bestehen zu können." Damit widersprach die Bundesliga-Führung öffentlich dem Trainer, der noch vor einigen Wochen vehement nach Verstärkungen gerufen hatte und der von ihm zusammengestellten Mannschaft die Liga-Tauglichkeit absprach.

Der Rückzug war der letzte Dienst, den Mast dem Verein erweisen konnte. Am 4. November 2004 begann der ehemalige Bundesliga-Profi seinen Trainerjob beim TVK. Zunächst noch als Spielertrainer, später nur noch als Coach. Er rettete den Klub vor dem Abstieg, formte anschließend ein Regionalliga-Spitzenteam und schaffte das Unmögliche: Den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Doch danach verließ Mast das bis dato so glückliche Händchen: Mit der Verpflichtung der beiden Routiniers Henning Wiechers und Jörn Ilper, die eigentlich die Truppe im Abstiegskampf hätten führen sollen, griff Mast kräftig daneben.

Das Heimspiel gegen den TV Bittenfeld war ein Spiegelbild der bisherigen Saison: Nicht einziges Mal konnte eine komplette erste Sieben überzeugen. Diesmal waren es die überragenden Simon und David Breuer, die mit ihren 20 Toren den Gastgeber fast im Alleingang im Spiel hielten. Doch der zuletzt so konstant starke Mathias Deppisch auf Rechtsaußen lieferte eine für ihn untypische Nullnummer ab. Dennis Marquardt musste auf halblinks 60 Minuten durchspielen, obwohl jede Faser seines Körpers signalisierte, dass er eine Pause brauchte.

Nach einer über weite Strecken guten ersten Halbzeit verspielte der TVK gegen Bittenfeld eine Drei-Tore-Führung. Zur Pause hieß es vor 600 Zuschauern nur 14:14. Gleich nach dem Seitenwechsel erlaubten sich die Gastgeber ihre obligatorische Schwächephase, ließen Bittenfeld auf 20:15 davonziehen. Als Mast in dieser Phase zur Auszeit bat, blickte er bereits in leere, ausdruckslose Gesichter.

Und trotzdem kämpfte sich der TVK dank der beiden Breuers wieder auf 24:24 heran, doch in der Schlussphase schwanden Marquardt und den Breuer-Brüdern nach deren Energieleistung die Kräfte, auch weil sie zuvor keine Pause bekamen. Die Folge: Konzentrationsschwächen, die Bittenfeld zu den entscheidenden Toren nutzte. "Ich weiß nicht, warum wir es nicht packen", sagte Mast anschließend hilf- und ratlos.

Jetzt sucht der TVK einen neuen Chefcoach: Eine schwierige Aufgabe für Grimm & Co, den angesichts von 2:24 Punkten gibt es nicht viele sportliche Argumente, die einen Trainer ins vor wenigen Monaten noch so euphorische Handballdorf locken, auch wenn nach wie vor "nur" vier Punkte zu einem Relegationsplatz fehlen. Jetzt wird über die Mast-Nachfolge Mast kräftig spekuliert: Top-Kandidat ist der Ex-Aachener Regionalliga-Coach Khalid Khan, der zurzeit in der Nachwuchsarbeit beim Ligavrivalen Bayer Dormagen engagiert ist. Ebenso in der Verlosung: Ex-Bundesliga-Coach Nils Lehmann (zuletzt Düsseldorf).

Quelle: NGZ
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