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Lokalsport
Rio fest im Blick

Olympia 2016: Serie "Rio fest im Blick"
Alexandra Höffgen. FOTO: privat
Neuss. In 302 Tagen beginnen die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro. In unserer Serie "Rio fest im Blick" werfen wir bis dahin einen Blick auf die Hoffnungen, Chancen und Vorbereitungen der Olympia-Kandidaten aus dem Rhein-Kreis Neuss. Den Anfang macht Ruderin Alexandra Höffgen. Von Volker Koch

Der Frust sitzt tief bei den deutschen Ruderern. Nicht bei allen, denn in neun Bootsklassen gelang dem Deutschen Ruderverband die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele, die vom 5. bis 21. August 2016 in Rio de Janeiro ausgetragen werden. Die anderen nutzten die trainingsfreie Zeit nach den verkorksten Weltmeisterschaften im französischen Aiguebelette, um erst einmal abzuschalten.

Das tat auch Alexandra Höffgen. Zehn Tage verbrachte sie in Sacramento bei einer "Basketball-Freundin", seit Montag ist der Dortmund-Ems-Kanal wieder das "Zuhause" der 21 Jahre alten Maschinenbau-Studentin. Zeit, die sie brauchte, "um Abstand zu gewinnen vom Rudern und der ganzen Saison." Die ist für die Kleinenbroicherin im Trikot des Neusser Rudervereins "gar nicht so verlaufen, wie wir uns das vorgestellt haben." Der "sehr enttäuschende" zehnte Platz bei der WM hatte Konsequenzen für den deutschen Frauenachter: Bundestrainer Thomas Affeldt musste seinen Hut nehmen. "Aktuell gibt es weder einen Nachfolger noch einen Plan, wie das Projekt nachträgliche Olympiaqualifikation angegangen werden soll", sagt Alexandra Höffgen.

Fest steht der Termin: Die Regatta auf dem Luzerner Rotsee vom 27. bis 29. Mai 2016 gilt als kontinentale Olympia-Ausscheidung. Fest steht der Modus: Nur die beiden schnellsten Boote jeder Kategorie qualifizieren sich für Rio. Für den Frauenachter bedeutet das: Er muss die Niederlande oder Rumänien hinter sich lassen, die beide bei der WM schneller waren als die DRV-Crew. Fest steht auch, dass Alexandra Höffgen dann wieder an Bord sein will. "Erst mal trainiere ich, um wieder fit zu werden. Und dann werde ich alles dafür tun, um mich wieder für den Achter zu qualifizieren," sagt die 21-Jährige - in der Hoffnung, dass dieser auf dem Rotsee die Fahrkarte nach Rio löst.

"Diese Aufgabe an einen anderen Trainer zu übertragen, bringt neuen Wind in unseren Alltag und tut uns sicherlich gut", sagt Höffgen, wohlwissend, dass es zur Zeit noch keine konkreten Trainings- und Ablaufpläne für dieses Unterfangen gibt. Allerdings weiß sie, dass sie in diesem Jahr keine Regatten mehr fahren wird - auch die Deutschen Meisterschaften (Großboot und Sprint) am Wochenende in Wiesbaden sind auf Geheiß von Chefbundestrainer Marcus Schwarzrock für sie und die anderen, die sich noch für Rio qualifizieren wollen, tabu.

"Die nächste Zeit wird hart und stressig, da sich jeder qualifizieren will", fürchtet Alexandra Höffgen. Für sie gilt das gleich doppelt, denn neben dem "full-time job" Rudern versucht sie schließlich auch, ihr Maschinenbau-Studium ohne Verzug durch zu ziehen. Was nicht immer einfach ist: "Verpasste Vorlesungen und Übungen kompensieren ich schwer, da Nacharbeit deutlich zeitintensiver ist", schildert die 21-Jährige ein Problem, dass auch anderen Spitzensportlern nicht fremd ist. Dennoch liegt sie im Plan, hat im Sommer ihre Klausuren "mit viel Disziplin durchziehen und bestehen können, wenn auch nicht immer mit der gewünschten Note."

Im jetzt startenden Semester sieht sie weitere Probleme auf sich zukommen, "da ich noch mehr Training und Trainingslager auf dem Programm habe." Schließlich möchte sie sich "für Rio qualifizieren und trotzdem in meinem beruflichen Werdegang voran kommen" - ein ehrgeiziges Ziel.

Quelle: NGZ
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