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Lokalsport
Olympia ist auch am Geburtstag ein Thema

Neuss. Hockey-Medaillengewinnerin Elke Sprink feiert heute im Klubheim des HTC SW Neuss ihren "60". Von Dirk Sitterle

Heute feiert Elke Sprink im Klubheim des HTC Schwarz-Weiß Neuss ihren Geburtstag. "Eingeladen sind 60 Personen, ich werde ja auch 60", sagt sie. Und damit würde es die Hockey-Weltmeisterin von 1981 auch gerne belassen. "Man hat es erreicht, das ist schön ... und gut ist." Über sich selbst redet Elke Sprink nicht ganz so gerne - und das ist noch stark untertrieben. Um sie vor gut zwei Wochen als Gesprächspartnerin für die Abschlussveranstaltung der "NGZ-Sportlerwahl des Jahres 2015" zu gewinnen, musste Sportredakteur Volker Koch schon alle Register der Überzeugungskunst ziehen. Letztlich stimmte die seit heute 60-Jährige nur zu, "weil es dem Hockey nützt."

Dabei hat sie wahrlich genug zu erzählen. Etwa von den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles, die sie mit der DHB-Auswahl auf Platz zwei beendete. Fast mehr als ihre Silbermedaille bewegte sie freilich der Einmarsch der Nationen zu Beginn des gigantischen Sportfestivals. "Darum rate ich jedem, der die Chance hat, bei der Eröffnungsfeier auch wirklich mitzugehen." Um in Kalifornien dabeizusein, hatte die zwischen 1979 und 1984 insgesamt 61 Mal für Deutschland aktive Nationalspielerin sogar ihren Job aufgegeben. "Weil uns 1980 wegen des Boykotts die Spiele geklaut worden waren, sollte es 1984 unbedingt klappen. Aber ein Jahr vor Olympia wollte mich mein Chef nicht mehr freistellen. Daraufhin habe ich meine Kündigung geschrieben." Konsequenter geht es nicht. Nur die Feierstunde mit Bundespräsident Richard von Weizsäcker mit Übergabe des Silbernen Lorbeerblatts für die Medaillengewinner von Los Angeles verpasste sie. "Genau an diesem Tag trat ich meine neue Arbeitsstelle an." Sportlich bedeutet ihr allerdings der WM-Titel von 1981 in Buenos Aires mehr, "denn den erlebte ich im Gegensatz zu Olympia als Stammspielerin."

Hockey ist noch heute ein entscheidender Teil ihres Lebens. Aktiv am Schläger ist sie zwar längst nicht mehr, eine künstliche Hüfte und ein künstliches Knie sind der Preis für ihre kompromisslose Karriere im Leistungssport ("Bis 1980 wurde noch auf Naturrasen gespielt, und ich habe jedes Loch auf dem Platz getroffen."), doch ihre vielfältigen Aufgaben in der Geschäftsstelle des HTC SW Neuss halten sie nach wie vor auf Trab. Und dann gibt es da ja auch noch ihre vier Töchter Sarah, Julia, Laura und Annika. Sarah, die im Mai 23 Jahre alt wird, kommt im Juni nach vier Jahren zurück aus den USA, wo sie an der University of Maryland mit einem Hockey-Stipendium ihren Bachelor machte. Ihre sportliche Karriere wird sie nun in Europa fortsetzen, um in England oder den Niederlanden ein Masterstudium anzuhängen. Annika wandelt noch intensiver auf den Spuren ihrer Mutter. Wenn Bundestrainer Jamilon Mülders im Mai seine Mädels für Rio nominiert, hat die 20-Jährige gute Chancen, eines der begehrten Olympia-Tickets zu ergattern. "Sie ist Sportlerin durch und durch, will genau wie ich ihren Traum unbedingt verwirklichen."

Klappt's damit, kann sich die Akteurin des Düsseldorfer HC auf unvergessliche Erlebnisse freuen. Ihre Mutter erinnert sich an interessante Begegnungen mit Schwimm-Olympiasieger Michael Groß und Fußball-Weltmeister Berti Vogts, 1984 noch Assistent von Chefcoach Erich Ribbeck. "Wir haben nebeneinander beim Frühstück gesessen und wie zwei Nachbarn gequatscht."

Gebucht hat sie die Flüge nach Brasilien indes noch nicht. "Das mache ich erst, wenn Annika wirklich dabei ist. Aber dann werde ich wahrscheinlich aufgeregter sein als bei meiner eigenen Teilnahme."

Quelle: NGZ
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