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Reitsport
Pferde sind ihnen lieb – und teuer

Reitsport: Pferde sind ihnen lieb – und teuer
Europameister im Voltigieren: der RSV Neuss-Grimlinghausen. FOTO: D. Kaiser
Reitsport. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat seit Jahren mit rückläufigen Mitgliederzahlen zu kämpfen. Lutz Bartsch, Vorsitzender des Kreispferdesportverbandes Neuss, hat diesen Trend im Rhein-Kreis noch nicht ausgemacht – trotz steigender Preise für Heu und Stroh Von Volker Koch

Wenn Lutz Bartsch zum "Winterfest" bittet, ist das Zeughaus in Neuss fast zu klein. Mehr als 800 Reiterinnen und Reiter drängeln sich in jedem Jahr im Saal und auf der Empore zur Ehrung und später im Foyer zu Tanz und Gesprächen, von denen sich die meisten um edle Vierbeiner drehen.

Kein Wunder: Der Rhein-Kreis Neuss ist Pferdeland. Allein in den 46 Mitgliedsvereinen des Kreispferdesportverbandes (KPSV), dessen Vorsitzender Bartsch seit elf Jahren ist, treiben mehr als 4000 Reiterinnen und Reiter Sport. Die Zahl der nicht-organisierten Freizeitreiter und Pferdeenthusiasten schätzt der Grevenbroicher Rechtsanwalt auf "mindestens genau so viele."

Damit ist der Rhein-Kreis zwar nur der siebtgrößte Kreisverband im Pferdesportverband Rheinland – Spitzenreiter sind Wesel (7190), Bonn/Rhein-Sieg (6247) und Kleve (6045, Zahlen aus 2010). Doch er "ist einer der erfolgreichsten, wenn nicht der erfolgreichste Kreisverband überhaupt", sagt Friedrich Witte, der Präsident des rheinischen Pferdesportverbandes, der es auf rund 67 000 Mitglieder bringt.

Zusammen mit Westfalen, wo rund 110 000 Reiter aktiv sind, bildet Nordrhein-Westfalen damit das Pferdeland Nummer eins in Deutschland vor Niedersachsen (140 000) – nicht von ungefähr führen beide das Ross im Landeswappen. Was Witte am Rhein-Kreis besonders beeindruckt, sind "die vielen jungen Leute, die hier Pferdesport betreiben, das sorgt für eine gewisse Nachhaltigkeit." Allerdings sind die Jahre des rasanten Wachstums im Pferdesport vorbei: Mit einem Mitgliederrückgang von 1,5 Prozent liegt das Rheinland allerdings voll im Bundestrend, der seit 2006 rückläufige Zahlen schreibt. So verlor die Deutsche Reiterliche Vereinigung in diesem Zeitraum mehr als 15 000 ihrer rund 730 000 Mitglieder.

Ein Trend, den Lutz Bartsch (noch) nicht bestätigen kann: "Eine generelle Tendenz zu weniger Mitgliedern in unseren Vereinen kann ich nicht feststellen. Im Gegenteil, in Vereinen, in denen die Vereinsvorstände aktiv sind und in denen turniere und Lehrgänge veranstaltet werden, ist sogar zu beobachten, dass Mitglieder gewonnen werden können."

Der Mitgliederschwund ist dabei nicht nur eine Folge der demographischen Entwicklung, sondern auch der gestiegenen Kosten vor allem für Heu und Stroh, mit denen die 50 Pferdebetriebe, die dem Kreispferdesportverband Neuss angehören, zu kämpfen haben. "Die Pferde fressen uns buchstäblich die Haare vom Kopf", bringt Marlies Klüter, Zweite Vorsitzende des Reitsportvereins im SC Grimlinghausen, die Lage auf den Punkt.

So sind in 2011 die Preise für Heu um 64 Prozent , die für Stroh um 54 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. "Für eine Tonne Stroh müssen zwischen 95 und 140 Euro gezahlt werden, abhängig von der Ballengröße", sagt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW. Eine Tonne Heu kostet zwischen 165 und 285 Euro.

Doch die Pferde sind ihren zweibeinigen Genossen weiterhin lieb und teuer: Rund 2,6 Milliarden Euro, hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) ausgerechnet, geben Reiter, Fahrer, Voltigierer und Züchter jährlich für laufende Kosten in Pferdesport- und haltung aus. Schließlich werden bundesweit jährlich rund 1,6 Millionen Tonnen Futtergetreide und 1,8 Millionen Tonnen Heu und Stroh gebraucht, um die rund eine Million Pferde und Ponys in Deutschland – mehr als 5000 davon stehen in den Ställen des Rhein-Kreises Neuss – zu füttern.

Quelle: NGZ
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