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Rio fest Im Blick (2) Hamza Touba
Power in den Fäusten - Grips im Kopf

Rio fest Im Blick (2) Hamza Touba: Power in den Fäusten - Grips im Kopf
Hamza Touba im Trikot der Deutschen Nationalmannschaft. Der Fliegengewichtler belegte bei den Europaspielen in Baku den starken dritten Platz. FOTO: Privat
Neuss. Der für die SG Kaarst boxende Neusser träumt von der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016. Parallel dazu treibt der 23-Jährige jedoch als Auszubildender zum Industriekaufmann bei Mercedes-Benz seine duale Karriere konsequent voran. Von Dirk Sitterle

Neuss Hamza Touba (23) - 1,70 Meter groß, 52 Kilogramm schwer, Spitzname: die Fliege - kennt nur eine Richtung: nach vorne. Dass für den am Olympiastützpunkt Rhein-Neckar in Heidelberg trainierenden und für die SG Kaarst startenden Neusser die Box-Weltmeisterschaften der Elite in Doha/Katar schon vor dem Viertelfinale beendet waren, kratzt nicht an seinem Selbstbewusstsein. "Beim olympischen Boxen kennt die Konkurrenz nun mal keinen Spaß", weiß er: "Alle sind hungrig auf die Olympiatickets und die Titel. Für mich und mein Team heißt es jetzt einfach, uns weiter zu fokussieren auf die Olympia-Qualifikationsturniere, die Anfang des Jahres starten."

Während intensiver Trainingslager in Hamburg und Hennef hatte sich Touba den Feinschliff für seinen WM-Auftritt geholt. Das Turnier der Gewichtsklasse bis 52 Kilogramm begann für ihn mit einem souveränen 3:0-Erfolg über den Kirgisen Azat Usenaliev, immerhin Dritter der Asienspiele und Landesmeister. "Ein richtig schwerer Einstieg", bestätigt Touba, "der Kirgise war stets gefährlich und variabel. Da musst du die Konzentration über die komplette Kampfzeit halten." Im Achtelfinale wartete der Aserbaidschaner Elvin Mamishzada. Ein alter Bekannter. Im Halbfinale der Europaspiele in Baku (12. bis 28. Juni) hatte Touba gegen den Lokalmatador höchst umstritten nach Punkten verloren. Mamishzada holte später Gold, dem Neusser blieb nur Bronze. "Aber man sieht sich immer zweimal im Leben", hatte Touba vor dem Wiedersehen orakelt. Die "Rache" missglückte indes. Zwar drehte Touba in der letzten Runde mächtig auf, vermochte die 0:3-Schlappe jedoch nicht mehr abzuwenden. Der Verlierer trug es mit Fassung: "Es war wie bei den EU-Games ein enger Kampf, leider hat's mit der Revanche nicht geklappt."

Doch in ein Loch fiel der fünfmalige Deutsche Meister danach nicht. "Der Boxsport ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens, allerdings nicht der einzige", erklärt er. "Für mich ist es enorm wichtig, neben dem Leistungssport auch meine berufliche Karriere erfolgreich weiterzuführen. Dies kann ich allen nur empfehlen." Auch er weiß allerdings - einfach ist das nicht: "Denn leider gibt es noch nicht so viele Unternehmen, die das unterstützen. Aber es sind Fortschritte zu erkennen." In der Mercedes-Benz Niederlassung Mannheim-Heidelberg-Landau absolviert Touba seit September 2013 eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Eine duale Karriere, die genau getaktet ist: Der lange Tag beginnt bereits um 8 Uhr mit dem Frühtraining am Bundesstützpunkt in Heidelberg. Von 10 bis 16 Uhr geht er in den Mercedes-Niederlassungen in Heidelberg oder Mannheim seiner Ausbildung nach, aktualisiert Listen mit Kundendaten oder erstellt Reparatur-Rechnungen. Ab 17 Uhr ist er dann wieder Boxer, steht weitere zwei Stunden in der Halle. "Erst wenn ich das überstanden habe, ist endlich Feierabend und ich kann nach einem Zehnstundentag nach Hause zu meiner Frau Pinar." Die 27-Jährige ist ebenfalls Boxerin, fünffache Deutsche Meisterin der Elite und seit der Heirat in diesem Jahr wie ihr Mann Mitglied der hochkarätigen Trainingsgruppe am Olympiastützpunkt in Heidelberg.

An fünf Tagen in der Woche zieht Touba dieses Programm gnadenlos durch. Doch damit nicht genug: Selbst samstags stehen zwei Trainingseinheiten auf dem Plan. "Erst am Sonntag kann ich mich den ganzen Tag erholen, um in der folgenden Woche wieder voll durchzustarten." Dabei weiß er das Engagement seines Ausbildungsbetriebes durchaus zu schätzen: "Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn als Kaderathlet stehen für mich immer wieder Wettkämpfe und Trainingslager an. Dieser Aspekt der dualen Karriere war mir jedoch sehr wichtig, denn die Chance auf Olympia hat man nicht zu jeder Zeit in seinem Leben." Weitere Infos unter: blog.daimler.de.

Quelle: NGZ
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