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Rio zwischen Freude und Frust

Lokalsport: Rio zwischen Freude und Frust
Freude und Frust lagen an diesem Wochenende bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro aus Sicht des Rhein-Kreises dicht beisammen: Während Nils Schomber (2.v.l.) im Bahnvierer zusammen mit Domenic Weinstein, Kersten Thiele und Theo Reinhardt mit deutschem Rekord auf Rang fünf fuhr, enttäuschten die anderen beiden einheimischen Starter: Karsten Dilla (l.) scheiterte in der Stabhochsprung-Qualifikation an 5,45 Meter und schied ebenso aus wie Boxer Hamza Touba (rechtes Bild rechts), der im Auftaktkampf dem Franzosen Elie Konka mit 0:3 unterlag. FOTO: Reuters/dpa/AP
Rhein-Kreis. Nils Schomber fährt mit dem Bahnvierer in deutscher Rekordzeit auf Rang fünf, Hamza Touba und Karsten Dilla scheiden früh aus. Von Volker Koch

Jetzt ruhen in Rio die Medaillenhoffnungen des Rhein-Kreises allein auf den schmalen Schultern von Nina Hemmer - die Ringerin des AC Ückerath ist am Mittwoch ab 10.32 Uhr Ortszeit in der Klasse bis 58 Kilogramm gefordert.

Doch während am Wochenende Hamza Touba und Karsten Dilla bei ihren Olympia-Debüts enttäuschten, setzte Nils Schomber im olympischen Velodrom ein Ausrufezeichen: Mit dem deutschen Bahnvierer fuhr der 22 Jahre alte Grevenbroicher auf Rang fünf - und stellte im Zwischenlauf einen neuen deutschen Rekord auf. Zusammen mit Theo Reinhardt (Berlin), Kersten Thiele (Erfurt) und Domenic Weinstein (Unterbaldingen) verbesserte er die bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr aufgestellte Rekordmarke um zwei Zehntelsekunden auf 3:56,903 Minuten.

"Das war geplant, aber nicht absehbar. Es war einfach ein perfekter Lauf, es hat alles geklappt", jubelte Schomber nach dem Zwischenlauf, der dem Vierer das Finale um Platz fünf bescherte. In dem setzten sich die Deutschen in 3:59,485 Minuten deutlich gegen Italien (4:02,360) durch. Zu einer Medaille reichte es noch nicht, die holten sich die Briten um Sir Bradley Wiggins in Weltrekodzeit von 3:50,265 Minuten vor Australien (3:51,008) und Dänemark, das sich im kleinen Finale in 3:53,789 Minuten gegen Neuseeland (3:56,753) durchsetzte.

"Eine Medaille wäre vermessen gewesen. Wir sind froh, dass wir uns wieder für die Spiele qualifiziert haben", sagte Bundestrainer Sven Meyer, nachdem das einstige Aushängeschild des Bund Deutscher Radfahrer mehr als ein Jahrzehnt der Weltelite hinterher gefahren war und sich für die Spiele in Peking 2008 und London 2012 nicht einmal hatte qualifizieren können. Doch mit dem derzeitigen Abstand will sich Meyer nicht begnügen: "Auf lange Sicht wollen wir da auch irgendwann hin", sagt er mit Blick auf die Medaillengewinner. "Wir wollen 2020 wieder dort sein, wo wir 2000 mal waren", formuliert es Sportdirektor Patrick Moster noch ein wenig anspruchsvoller - da holte der Vierer um Robert Bartko, in Sydney Gold in Weltrekordzeit. Rio sei deshalb nur eine "Durchgangsstation zu größeren Sachen" gewesen, sagt Meyer und hält einen Podestplatz in Tokio für durchaus machbar: "Die Jungs sind alle so heiß, weiter zu machen und 2020 nach einer Medaille zu greifen. Ich habe keine Bedenken, dass die Truppe auseinanderfällt." Vom Alter her könnte das passen, denn nur Henning Bommel ist älter als 25 Jahre. Doch der Berliner fehlte in Rio ohnehin bei den entscheidenden Läufen - der 32-Jährige musste wegen einer Magenverstimmung passen.

Verstimmt waren auch die anderen Athleten aus dem Rhein-Kreis, die am Wochenende in Rio 'ran mussten. Für Hamza Touba war das olympische Boxturnier bereits nach dem ersten Kampf beendet, der Fliegengewichtler der SG Kaarst unterlag dem Franzosen Elie Konka glatt mit 0:3 (28:29, 27:30, 27:30) und vergrößerte damit das Debakel des Deutschen Boxsportverbandes, von dessen sechs Aktiven fünf in der ersten Runde die Segel streichen mussten. "Das war nicht überzeugend. Zu wenig aggressiv, zu wenig geschlagen", kritisierte Generalsekretär Michael Müller Toubas Auftritt.

Mit wenig Ruhm bekleckerte sich auch Karsten Dilla: Der Grimlinghausener im Trikot des TSV Bayer Leverkusen meisterte in der Stabhochsprung-Qualifikation nur 5,40 Meter und schied ebenso aus wie Vereinskollege Tobias Scherbarth und Ex-Weltmeister Raphael Holzdeppe (Zweibrücken), die beide an 5,60 Metern scheiterten und dafür sorgten, dass heute ein Stabhochsprung-Finale erstmals seit 1992 ohne deutsche Beteiligung abläuft.

Quelle: NGZ
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