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Sportgeschichten (78)
Rolf Kever macht noch nicht Schluss

Sportgeschichten (78): Rolf Kever macht noch nicht Schluss
Mit der "Badewanne" in England: Zur Fußball-Weltmeisterschaft 1966 hatte Rolf Kever (links neben der Fahne) seinen Ford Taunus 17M mit den Nationalflaggen aller Endrunden-Teilnehmer bemalen lassen. FOTO: Privat/Repro A. Woitschützke
Neuss. Der ewige Schiedsrichter und eingefleischte Fan des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln feiert heute seinen 80. Geburtstag. Von Dirk Sitterle

Neuss 80 Jahre! Wirklich? Irgendwie ist die Sache selbst dem Geburtstagskind nicht ganz geheuer. "Ich bin schon ein alter Sack!", stellt Rolf Kever fest. Ganz leise nur, vielleicht merkt's ja keiner. Jetzt aber mal ehrlich. Ist der Mann tatsächlich erst 80? Wenn ja, wie zum Teufel ist es ihm dann gelungen, in die acht Jahrzehnte seit dem 12. November 1935 mindestens drei Leben hineinzupacken?

Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Pelé, Uwe Seeler, Berti Vogts, Gerd Müller - er hat sie alle getroffen. Seit der Premiere am 14. März 1956, als Deutschland den Niederländern in Düsseldorf mit 1:2 unterlag, hat er 269 Länderspiele live im Stadion gesehen. Sein bislang letztes Match war der Auftritt Irlands im Rahmen der EM-Qualifikation am 14. Oktober 2014 in Gelsenkirchen (1:1). Nur dabeizusein reichte ihm freilich nie, er war stets mittendrin. Vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren wurde bei Welt- und Europameisterschaften das heute hermetisch abgeriegelte Mannschaftsquartier der deutschen Kicker quasi zu seinem Wohnzimmer. Franz Beckenbauer schenkte ihm 1976 sein Trikot mit der berühmten Nummer 5. In seiner Wohnung hortet er Schätze, für die Fußballfans einen Mord begehen würden. "Jedes Länderspiel war ein Highlight für sich", schwärmt er.

Tragen den 1. FC Köln tief im Herzen: Monika (69) und Rolf Kever (80). FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)

Vor allem dann, wenn seine Jungs vom 1. FC Köln auf dem Platz standen. Weltmeister Wolfgang Overath, Hannes Löhr, Heinz Flohe ... absolute Titanen. Und dazu noch schwer in Ordnung. Bodo Illgner schenkte ihm sogar seine bei der WM 1990 getragene Torwartkluft. Bei einem Länderspiel in Wien stellte Rolf Kever dafür kurzerhand seinen geliebten Ford Taunus 17M für eine Spitztour der so unternehmungslustigen Kicker aus der Domstadt zur Verfügung. "Echte Fründe ..." Apropos Ford Taunus: Die "Badewanne" war in der Anfangszeit immer dabei. Erst nach mehr als zehn Jahren und gut 200.000 Kilometern hatte ihr stolzer Besitzer das Gefühl, "dass ich einen neuen Wagen haben müsste." Dem FC, dessen Mitglied er seit 47 Jahren ist, blieb er dagegen bis heute treu. Genau wie dem VfR 06 Neuss, dem er seit dem 1. April 1952 angehört.

Und dann ist da ja auch noch die Schiedsrichterei. Seit er am 13. Oktober 1957 sein erstes Spiel leitete, hat er die Pfeife nie mehr weggelegt. Über die Jahre sind so 1805 Partien zusammengekommen. Nach einem üblen Sturz im heimischen Treppenhaus hatte er in einem schwachen Moment, geplagt von starken Rückenschmerzen, zwar sogar mal ans Aufhören gedacht, doch mittlerweile steht für ihn fest, dass es weitergehen soll. "Ich hoffe wirklich, ich komme noch mal zum Pfeifen. Aber ich habe jetzt keine innere Unruhe. Wenn die Gesundheit nicht mitspielt, habe ich auch keine Probleme damit aufzuhören. Ich habe nämlich nicht vor, auf dem Fußballplatz zu sterben."

Kaum ertragen könnte er es außerdem, "wenn ich mich lächerlich machen würde." Das ist allerdings nicht zu befürchten. Denn obwohl nur knapp 1,60 Meter groß, begegnen ihm die meisten Fußballer mit allergrößtem Respekt. "Einige fragen schon, was will der Krott-arsch denn hier? Aber ich greife dann hart durch. Wenn ich beleidigt werde, habe ich gar keine Berührungsängste mit der Roten Karte."

Die bleibt jedoch vorerst im heimischen Schrank. Seinen Geburtstag verbringt Rolf Kever im wunderschönen Dresden - gemeinsam mit dem zwölf Jahre alten Yorkshire Terrier Babsi und seiner Frau Monika, mit der er seit 1971 verheiratet ist. Die kennen echte FC-Fans noch als die "schwarze Monika", aber das ist eine andere (Lebens-)Geschichte.

Quelle: NGZ
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