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Lokalsport
Sarah Voss springt mutig ins Abenteuer

Dormagen. Das Establishment muss sich im Kampf um die Olympia-Tickets auf harte Konkurrenz ein-stellen. Die "jungen Wilden" um Kim Bui turnten in Bern eine ganz starke EM. Von Dirk Sitterle

Obgleich der DTB-Riege im Team-Finale der kontinentalen Titelkämpfe in der Schweiz Patzer an Schwebebalken und Sprung eine bessere Platzierung als Rang sieben verwehrten, die deutsche Cheftrainerin Ulla Koch war "froh, dass wir so entschieden haben, diese Europameisterschaften mit den jungen Turnerinnen zu bestreiten." Die Stuttgarterin Kim Bui, die fünf Jahre nach EM-Bronze in Berlin am Stufenbarren auf den vierten Platz kam, stellte sogar selbstbewusst fest: "Diese EM war ein ganz wichtiger Schritt auf dem Weg nach Rio."

Auch Sarah Voss startete furios. Die 16-Jährige aus Rheinfeld absolvierte bei ihrem ersten großen Einsatz für das Nationalteam als beste deutsche Turnerin die Qualifikation. Am Schluss meisterte sie die immense Verantwortung mit Bravour, überzeugte sowohl auf dem Balken (13,633 Punkte) als auch im Sprung, zeigte erstmals im Wettkampf eine Höchstschwierigkeit: Ihr Yurchenko mit Doppelschraube brachte dem deutschen Team geradezu sensationelle 14,433 Punkte ein. Die PerspektivTeam-Athletin am Olympia-Stützpunkt Rheinland, die in der Bundesliga für das TZ DSHS Köln antritt, qualifizierte sich gemeinsam mit Kim Bui (MTV Stuttgart), Lina Philipp (VfL Eintracht Hannover), Maike Enderle (TSV Weingarten) und Amelie Föllinger (TSG Haßloch) schließlich als Fünfte für das Finale. Dort fehlte den Turn-Eleven des DTB ohne die drei "Top-Stars" Pauline Schäfer, Elisabeth Seitz und Sophie Scheder, die sich gezielt auf Rio vorbereiten, vor mehr als 4000 Zuschauern in einigen Momenten die Abgeklärtheit. Die von Kim Bui (27) angeführte Youngster-Riege mit drei 15-Jährigen leistete sich gleich zum Auftakt zwei Fehler am Schwebebalken. "Von da an habe ich aufgehört zu rechnen", bekannte die Cheftrainerin: "Da wurde es ganz schwer." Auch Sarah Voss, Schülerin am Norbert-Gymnasium Knechtsteden, musste direkt nach dem Angang absteigen, stürzte am Sprungtisch bei der Landung des Yurchenko und büßte damit viele Punkte ein. Sie nahm das Missgeschick indes erstaunlich gelassen: "Ich habe den Sprung erst zwei Mal im Wettkampf gemacht. In der Qualifikation hat es geklappt, jetzt leider nicht." Genauso sah das Ulla Koch. "Wo sollen wir solche Übungen probieren, wenn nicht hier", kommentierte sie die Auftakt-Patzer von Maike Enderle und Sarah Voss. Das deutsche Team erreichte mit 163,829 Punkten rund einen Zähler weniger als in der Qualifikation und wurde Siebter. Die bisher beste EM-Platzierung gelang 2014 mit Rang vier in Sofia.

Der Kampf um die Tickets für Rio bleibt damit spannend. Erst bei den Deutschen Meisterschaften am 24./25. Juni und beim letzten Qualifikationswettkampf in Frankfurt am 9. Juli werden die Plätze im deutschen Team endgültig vergeben.

Quelle: NGZ
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