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SC Kapellen sagt der Oberliga leise ade

Lokalsport: SC Kapellen sagt der Oberliga leise ade
Das war's dann erstmal für den SC Kapellen in der Oberliga: Kapitän David Dygacz und Sven Raddatz (v.l.), zwei Spieler, auf die der Verein auch in der Landesliga baut, nach dem Schlusspfiff im Erftstadion. FOTO: Dieter Staniek
Kapellen. Nach 13 Jahren in deutschlands fünfthöchster Spielklasse sind die Erft-Kicker zurück in der Landesliga, die bis 2004 für mehr als ein Vierteljahrhundert ihr Zuhause gewesen war. Zum Abschluss gab's gegen Schonnebeck eine 0:1-Niederlage. Von Dirk Sitterle

Sicher, mit einem Schlag hätte sich gestern für den SC Kapellen noch alles zum Guten wenden können, doch weil damit ernsthaft niemand mehr im schwarz-gelben Lager gerechnet hatte, gab es nach der 0:1-Niederlage (Halbzeit 0:0) gegen Schonnebeck zum Abschied aus der Oberliga Niederrhein keine Tränen. Zumindest keine sichtbaren. Jupp Breuer litt still. Der Ehrenvorsitzende, der aus dem Dorfverein an der Erft in jahrzehntelanger Arbeit eine Topadresse gemacht hatte, ist wegen einer schweren Erkrankung kaum mehr in der Lage, seine Gefühle auszudrücken. "Doch der Abstieg trifft ihn sehr", bestätigte seine Frau Almut Breuer, die dem SCK als Schatzmeisterin weiter zu Diensten ist. Wie sie den einstigen Macher nach Spielschluss im Rollstuhl von der Anlage fuhr, dürfte zu den bewegendsten, aber auch traurigsten Momenten in der mittlerweile 106-jährigen Geschichte des SC Kapellen gezählt haben ...

Gestern also, genau um 16.49 Uhr, verabschiedeten sich die Fußballer von der Erft aus deutschlands fünfthöchster Spielklasse, die sie 2004 als Meister der Landesliga betreten hatten. Dass im Saisonfinale auch ein Sieg nicht zum Klassenverbleib gereicht hätte, weil sich Cronenberg mit 4:3 gegen SW Essen durchsetzte, tröstete Wolfgang Brück, der auf der Trainerbank ohne seinen noch mal im Tor benötigten Kollegen Oliver Seibert auskommen musste, nicht wirklich. "Schade, ich hätte mich gerne mit dem Klassenerhalt verabschiedet", sagt er und stellte mit Blick auf seinen neuen, ebenfalls in der Landesliga spielenden "Arbeitgeber" 1. FC Mönchengladbach fast entsetzt fest: "Das nächste Mal sehen wir uns als Gegner wieder."

Gegen den Oberliga-Vizemeister gab Seibert den 113 Zuschauern, die trotz Kapellener Schützenfest zur Abschiedsvorstellung ins Erftstadion gekommen waren, mit seiner Aufstellung schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf die nächste Saison: "Bis auf Said Harouz könnte diese Mannschaft 1:1 in der Landesliga auflaufen", führte er aus und verband diese Aussage mit einem Seitenhieb auf die vermeintlichen Leitwölfe, die diesem Anspruch viel zu selten gerecht geworden waren. "In Robert Wilschrey, David Dygacz und vor allem Marcel Koch standen heute endlich mal Führungsspieler auf dem Platz." Gegen Schonnebeck scheiterten die Hausherren wie so häufig in den vergangenen Wochen und Monaten vor allem an der fehlenden Durchschlagskraft in der Offensive. Chancen, den Cronenberger SC, der gegen Essen sogar mit 0:1 ins Hintertreffen geriet, im Fernduell um den Klassenverbleib mit eigenen Toren unter Druck zu setzen, gab es genug, nur es fand sich niemand, der diese mit Nachdruck verfolgte. Goalgetter wie George Madatsidis, Keisuke Ota oder Benny Schütz, die alle noch in der vergangenen Saison für den SCK tätig waren, hätte in der 31. Minute mit der Hereingabe von Dimitrios Balis sicher mehr anfangen können als der bewegliche, aber wenig torgefährliche Harouz. Zudem fühlten sich die Gastgeber vom schwachen Schiedsrichter Alexander Busse um einen Elfmeter gebracht, als Marcel Koch im Strafraum zu Boden ging (36.).

Und natürlich musste der SCK wieder früh wechseln: Robert Wilschrey machte bereits in der 35. Minute angeschlagen Platz für den jungen Kai Schröter, der gemeinsam mit Mark Schiffer und Marco Czempik für die Rückbesinnung des SCK auf eigene Talente stehen soll. "Die Zeiten, in denen in Kapellen nach Namen und Vita aufgestellt wird, sind vorbei, denn genau das hat den Verein dahin gebracht, wo er jetzt steht", sagte Seibert. Zur Pause ging auch Harouz, dessen Verbleib an der Weimarstraße ebenso noch offen ist wie der von Lennart Ingmann und Marcel Lüft. Schmerzlich sind die Abgänge von Andrej Hildenberg (SC-West) und Kani Taher, doch dem Coach ist um die Zukunft nicht bange: "Wir werden eine Mannschaft haben, die dem SC Kapellen und dem Rhein-Kreis würdig ist!"

Quelle: NGZ
 
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