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Schomber fährt zur WM und hat Rio fest im Blick

Lokalsport: Schomber fährt zur WM und hat Rio fest im Blick
Hat große Ziele ins Visier genommen: Nils Schomber startet mit dem Bahnvierer bei den Weltmeisterschaften in London. FOTO: Roth-Foto
Grevenbroich. Der 21-Jährige hat es in die Mannschaft für die Weltmeisterschaften der Bahnradsportler in London geschafft. Sein Olympia-Traum lebt weiter. Von Dirk Sitterle

"Montag", sagt Nils Schomber, "war einer der krassesten Tage in meiner noch jungen Karriere." Da nämlich nominierte Bundestrainer Sven Meyer in Frankfurt/Oder die Mannschaft für die Bahnrad-WM in London. Zum Abschluss der seit Monaten mit größter Spannung erwarteten Einzelgespräche war klar: Der noch 21 Jahre alte Grevenbroicher steht gemeinsam mit Kersten Thiele (23), Theo Reinhardt (25), Domenic Weinstein (21) und Leif Lampater (33/alle rad-net Rose Team) im Vierer für die Mannschaftsverfolgung über 4000 Meter.

Für die Nominierten das (vorläufige) Happy End nach extrem fordernden Wochen, "in denen jedes Training wie ein Wettkampf war", erinnert sich Schomber. Hinter ihm und seinen Kollegen liege jedoch auch eine höchst intensive Zeit, in der aus Trainingsgenossen Freunde geworden seien. "Wir sind schon eine Mannschaft, die viel von der Kameradschaft gelebt hat. Andere Mannschaften treffen sich erst an der Linie - und fahren." Darum fühlt er mit den langjährigen Weggefährten Leon Rohde (20), Henning Bommel (32) und Maximilian Beyer (22), die am Montag so kurz vor dem Ziel die Koffer packen mussten. "Wir alle haben auf dieses Ziel seit Jahren hingearbeitet. Ist doch klar, dass da am Montag auch Tränen geflossen sind."

Schließlich ist den Fahrern bewusst, dass die WM-Teilnehmer auch ganz nah dran sind an den Tickets für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro (5. bis 21. August). Zwar betont BDR-Sportdirektor Patrick Moster, "es ist kein geschlossener Kreis, alle Fahrer haben noch eine Rio-Chance", aber auch der ehemalige Tour-de-France-Gewinner Sir Bradley Wiggins, der wie Ex-Weltmeister Mark Cavendish für Großbritannien an den Titelkämpfen vom 2. bis 6. März in Londons Lee Valley VeloPark teilnimmt, hat von seinem Technischen Direktor Shane Sutton klare Signale bekommen: "Die ausgewählte Mannschaft ist schon sehr nahe am Olympia-Team." - "Nominiert wird aber erst am 31. Mai", mahnt Schomber, "bis dahin kann noch viel passieren. Wenn bei der WM jetzt einer völlig zu Fuß geht, könnte sich schon noch was ändern."

Der ganz große Druck ist freilich erst mal weg. Im Hinblick auf London für Schomber ein klarer Vorteil. Vor der EM im Oktober im schweizerischen Grenchen, als der Bahnrad-Vierer in der Besetzung Nils Schomber, Leon Rohde, Kersten Thiele und Domenic Weinstein als Fünfter die erhoffte Medaille verpasst hatte, waren die deutschen Asse noch bis kurz vor der Abreise extrem belastende Ausscheidungsrennen gefahren. Dieser (auch mentale) Stress fällt nun weg. Aber: Der Bundestrainer fordert von seinen Jungs eine Zeit unter dem von ihnen vor fast genau einem Jahr aufgestellten Deutschen Rekord von 3:57,166 Minuten. "Bisher haben wir das noch nicht hingekriegt, auch wenn wir eigentlich alle gut drauf sind", sagt Schomber, der in London einen Platz unter den Top 5 anvisiert. Thiele geht an die Sache sogar noch ein bisschen optimistischer heran: "Bronze ist ein ambitioniertes Ziel, aber wir können das schaffen." Auf seinem Höhepunkt sieht Meyer den neuen Vierer ohnehin noch lange nicht. Er bezeichnet Rio nur als Zwischenstation für Tokio 2020. Dann soll der Leistungszenit erreicht sein.

Das Velodrome, bereits 2012 Austragungsort der olympischen Wettbewerbe im Bahnradsport, kennt Schomber noch nicht. Als dort 2015 der Weltcup ausgetragen wurde, laborierte er an einer Knieverletzung. "Aber die Bahn ist ähnlich wie die in Frankfurt/Oder", weiß er. Nach vier Trainingseinheiten und einem kurzen Zwischenstopp in Berlin geht es für das deutsche Team am 25. Februar per Flieger an die Themse. Ins heimische Elsen kehrt er vorher nicht mehr zurück. Dort feiert er am 15. März Geburtstag - seinen 22. Vielleicht ja mit einer Medaille ...

Quelle: NGZ
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