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Lokalsport
So geht Inklusion: Wenn der Torschütze den Torhüter tröstet

Weckhoven. Beim integrativen Fußballturnier des BV Weckhoven waren 28 Mannschaften aus fünf Ländern zu Gast. Die Abteilung wächst stetig. Von Christos Pasvantis

Brücken bilden, Barrieren abbauen, Selbstverständlichkeit herstellen - der BV Weckhoven zielt mit seiner Inklusionsabteilung darauf ab, Behinderte und Nicht-Behinderte zusammenzuführen. Und das mit Erfolg: Das Inklusions-Fußballturnier, das der BVW am Samstag veranstaltete, war das größte seiner Art in ganz Deutschland. 28 Vereine aus fünf Ländern waren auf der Bezirkssportanlage zu Gast.

"Die Sache wird immer größer. Das ist unglaublich und freut uns riesig. Damit konnten wir ja niemals rechnen, als wir das Turnier vor drei Jahren ins Leben gerufen haben", sagt der BV-Vorsitzende Holger Trappen, der über 250 Sportler auf seiner Anlage begrüßen durfte. Gespielt wurde dabei in Teams aus jeweils fünf Behinderten und zwei Nicht-Behinderten, am Start waren Mannschaften wie der AFC Bournemouth (England), Werder Bremen, Hansa Rostock, der FC Basel (Schweiz) oder der SKNV St. Pölten aus Österreich. "Das Bewusstsein für Inklusionssport wächst langsam, auch im Ausland", sagt Trappen.

Gemeinsam hätten er und die anderen Abteilungsverantwortlichen ein ehrgeiziges Ziel: "Das Miteinander sollte selbstverständlich werden. Wir sind dabei, ein internationales Netzwerk aufzubauen." Trainer Markus Bausch, dem vor drei Jahren die Idee zu einem Turnier kam, freut sich vor allem, dass er den Kindern Abwechslung in der Freizeit verschaffen kann: "Es ist ja nicht nur das Turnier hier, sondern wir sind europaweit unterwegs, waren zum Beispiel vor kurzem noch in Basel. Die Kinder sollen Erlebnisse haben, etwas von der Welt sehen und vor allem Spaß haben."

Im Fall von Marc-André Simons, der in der Weckhovener Mannschaft spielt, scheint das jedenfalls zu funktionieren: "Alle haben hier Spaß und freuen sich. Das ist eine super Veranstaltung." Lediglich spielerisch gäbe es bei seinem BV noch Verbesserungsbedarf: "Wir könnten uns noch mehr anstrengen und bessere Pässe spielen."

Die Abteilung des BV, die momentan die einzige ihrer Art im gesamten Rhein-Kreis ist, entwickle sich laut Bausch stetig weiter: "2013 haben wir mit nur sechs Kindern angefangen, inzwischen haben wir 65 Mitglieder. Es werden jede Woche mehr Kinder, da kommt fast bei jedem Training ein unbekanntes Gesicht dazu." Mit seinen Kickern trainiert Bausch jeden Freitag und Samstag, dazu will der BV sein Angebot auch auf Sportarten wie Leichtathletik, Basketball oder Handball ausweiten.

Nach dem Turnier sahen sich alle Beteiligten übrigens noch gemeinsam den deutschen Viertelfinal-Erfolg gegen Italien an. Für Holger Trappen der gelungene Abschluss einer tollen Veranstaltung: "Man merkt, wie hier neue Freundschaften entstehen." Besonders gerührt habe ihn am Mittag eine Szene, als einem Torwart nach einem Gegentor die Tränen gekommen seien: "Daraufhin hat ihn der Torschütze getröstet und beide haben gelacht. Für solche Bilder hat sich der Aufwand schon gelohnt, da geht mir das Herz auf."

Quelle: NGZ
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