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Lokalsport
So machen Galopprennen (wieder) Spaß

Lokalsport: So machen Galopprennen (wieder) Spaß
Großer Sport vor großer Kulisse: Der Kampf um die Championwürde, hier im fünften Rennen von Alexander Pietsch auf Vabinsaru (oberes Bild, 2. v.r.) gewonnen, lockte gut 5000 Zuschauer auf die Neusser Galopprennbahn. FOTO: K. J. Tuchel
Neuss. Guter Besuch und viel Spannung - nur die Rahmenbedingungen passten nicht zum letzten Neusser Galopprenntag des Jahres 2015. Von Volker Koch

Okay, es kann nicht immer so viel Spannung, Dramatik und Emotionen geben wie im Endkampf um den Titel des deutschen Jockey-Champions (siehe gesonderten Bericht). Sicher, es herrschen Ende Dezember nicht ständig so vergleichsweise milde Temperaturen und ein regenfreier Himmel wie am Dienstagabend. Und klar, die Sport-Termine "zwischen den Tagen" locken stets mehr Besucher an als im Schnitt zu vergleichbaren Ereignissen kommen.

FOTO: 151229NE05028

Trotzdem: Dieser letzte Renntag des Jahres auf der Neusser Galopprennbahn weckte nicht nur Erinnerungen an vergangene "bessere" Tage, als am Hessentor mehr als bloß "Nützlichkeitssport" geboten wurde, er machte auch eindeutig Lust auf mehr. 5000 Besucher, ein Umsatz jenseits der 100.000 Euro (exakt 106.573), davon immerhin fast 30.000 Euro an den Wettschaltern direkt vor Ort umgesetzt (exakt 29.731, das entspricht 24 Prozent des Gesamtumsatzes) - das sind Zahlen, die viele der Neusser Bahn gar nicht mehr zugetraut hatten.

Denn der Rennsport im Allgemeinen und der am Hessentor im ganz Besonderen leiden seit Jahren an - man verzeihe das Wortspiel - galoppierender Schwindsucht, auch Auszehrung genannt. Die neben der nach dem neuen Jockeychampion meistgestellte Frage im Publikum lautete folgerichtig: "Wie lange wird es hier noch Rennen geben?" Noch lange, glaubt man Jan Antony Vogel. Schließlich hat sich der Jurist für weitere fünf Jahre zum Vorsitzenden des Neusser Reiter- und Rennvereins wählen lassen. Und das, obwohl er nach seiner Berufung zum Chefmanager des Galopper-Dachverbandes liebend gerne einen Nachfolger in diesem (Ehren-)Amt gesehen hätte. "Wir stehen vor großen Herausforderungen, das kann ich doch nicht einfach jemand anderem hinterlassen", begründet Vogel seine erneute Kandidatur. Er denkt dabei an die im Bau befindliche Flüchtlingsunterkunft an der Stresemannallee, da, wo einst Derbysieger in den Stallungen standen, und deren Auswirkungen auf den Trainings- und Rennbetrieb.

Impressionen eines Renntages: Bürgermeister Reiner Breuer ehrt Stephen Hellyn, Andrasch Starke siegt auf Beagle Boy und feiert den geteilten Titel mit Alexander Pietsch, und selbst im Führring war es voll (von oben l. im Uhrzeigersinn). FOTO: 151229NE08016

Er denkt aber auch daran, "dass wir diese Bahn in der Stadt und der Bevölkerung wieder neu positionieren, besser verankern und vermarkten müssen." Was angesichts der Rahmenbedingungen mit dem völlig daneben gegangenen Bau des "Hauses am Rennbahnpark" - neue Besucher stehen stets kopfschüttelnd vor dem 8,5 Millionen Euro teuren, aber völlig sinnfreien Bauwerk - und einer, gelinde gesagt, vollkommen unzulänglichen Gastronomie - Wartezeit für Bockwurst oder Bier in der Wetthalle mindestens 20 Minuten, Bier- oder Würstchenstand im Außengelände Fehlanzeige - kein einfaches Unterfangen werden dürfte.

Hoffnung macht dem Rennverein der Erstbesuch von Reiner Breuer in seiner neuen Funktion als Neusser Bürgermeister. "Er hat sich schon als Landtagsabgeordneter für die Interessen des Galoppsports eingesetzt, als es um die Erträge aus dem Spiel 77 ging", sagt Vogel, der sich für Anfang Januar zum Gespräch im Rathaus angesagt hat. Wobei er sich keinen übertriebenen Hoffnungen hingibt: "Die Stadt hat ja auch für den anderen Sport in Neuss nicht so viel Geld." Doch er erhofft sich zumindest ein "Bekenntnis zum Standort, das würde uns die weitere Arbeit ein wenig erleichtern."

Die 5000 Besucher von Dienstagabend sind ein Pfund, mit dem er wuchern kann, denn gar so viele Veranstaltungen mit solchem Zuspruch gibt es in Neuss nicht. Wobei auch Jan Antony Vogel klar ist: Wenn es am 12. Januar am Hessentor "Auf ein Neuss" heißt, herrscht dort wieder trister Alltag mit vielleicht 1000 Schau- und Wettlustigen. Schließlich steht nicht alle Tage ein Duell der Champions auf dem Programm.

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Quelle: NGZ
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