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Lokalsport
Sportstadt nur auf dem Papier

Aufgefallen: Die Ablehnung der Ringerhalle ist nur eines von vielen Beispielen: Wie Dormagen seinen einstigen Ruf als "Sportstadt" ruiniert und dabei aufs Spiel setzt, künftig als "NRW-Leistungssportzentrum" anerkannt zu werden. Von Volker Koch

Früher, als noch Millionen aus dem Topf eines großen Chemiewerks am südlichen Stadtrand flossen, schmückte sich Dormagen gerne mit dem Attribut einer "Sportstadt". Da wurden Wettbewerbe veranstaltet, um die Sportlichkeit seiner Bewohner zu beweisen (Challenge Day), da reiste der damalige Bürgermeister mit den Handballern zu Europapokalspielen quer durch den Kontinent, da gaben sich Leichtathletik-Stars zu Abendsportfesten die Klinke in die Hand.

Übrig geblieben ist davon nur wenig. Wo einstmals Großveranstaltungen im halben oder ganzen Dutzend auf dem Jahreskalender standen, haben nur zwei überlebt: der Junioren-Weltcup der Säbelfechter und der Grand-Prix der Bundesrepublik Deutschland im Frauenringen. Einen Citylauf gibt es nicht mehr, ebenso wenig wie ein Stabhochsprungmeeting oder ein Radrennen. Und gute Leichtathleten sieht man am Höhenberg höchstens noch im Training. Selbst Ausrichter mittlerer Sportereignisse wie des Zonser Staffelmarathons, der am Sonntag zum 21. und letzten Mal auf dem Programm steht, haben resigniert.

Der TSV Bayer, mit 4500 Mitgliedern mit Abstand größter Sportverein im Stadtgebiet (und drittgrößter im Rhein-Kreis), hat sich zum Breitensportverein entwickelt. Verlassen am Saisonende die Bundesliga-Handballer das Vereinskonstrukt, um künftig als "Dormagener Handball-Club Rheinland" aufzulaufen, wird nur noch in einer Abteilung Spitzensport betrieben – im Säbelfechten. (Nachwuchs-)Leistungssport gibt es noch bei Schwimmern und Leichtathleten – der Rest bewegt sich auf mehr oder minder gehobenem Hobbyniveau.

Bis hin zum Fußball. Der schickte einst zwei Verbandsligisten (TSV, SG Zons) ins Punkterennen – so wie es momentan aussieht, dürften vier Bezirksligisten (TSV, FC Delhoven, TuS Hackenbroich, VdS Nievenheim) in der kommenden Spielzeit das höchste der Gefühle sein.

Da passt die Entscheidung des Hauptausschusses, der sich am Freitag trotz zugesagter Landeszuschüsse in Höhe von 80 Prozent der Baukosten gegen die Errichtung einer Ringerhalle in Nievenheim aussprach (siehe nebenstehenden Artikel), ins Bild. Auch als es um den Erhalt des Handball-Bundesligastandortes ging, übte sich die Stadt in vornehmer Zurückhaltung – die Rettung ist allein auf private Initiative von Sponsoren und Investoren zurück zu führen. Und dass sich der Dormagener Säbel-Weltmeister Nicolas Limbach ein paar Sorgen weniger um seine materielle Absicherung bis zu den Olympischen Spielen 2012 und seine berufliche Zukunft danach machen muss, hat er den "Partnern des Sports" zu verdanken – aus Neuss.

Das alles würde höchstens zu einem Imageschaden führen, gäbe es nicht das Konzept "Leistungssport 2020", mit dem Landessportbund, Innenministerium, Sportstiftung NRW und die Olympiastützpunkte den Sport in Nordrhein-Westfalen neu aufstellen wollen. Es sieht die Einrichtung von 15 bis 20 NRW-Leistungssportzentren vor, "an denen der Leistungssport mit besonders herausgehobener Qualität entwickelt werden kann." Bis jetzt durfte sich Dormagen Hoffnung auf einen solchen Status machen – seit Freitag sieht das anders aus.

Quelle: NGZ
 
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