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Spurt in den Mai

Radsport: Spurt in den Mai
Weltmeister Lukas Liß ist der große Star beim "Spurt in den Mai" morgen Abend im Büttgener Sportforum. FOTO: H. A. Roth
Büttgen. Das Starterfeld ist erlesen. "Das hat die Qualität eines Sechstage-Rennens", sagt Andreas Beikirch mit Blick auf die sechs Zweier-Mannschaften, die morgen Abend im Sportforum an der Büttgener Olympiastraße beim "Spurt in den Mai" Jagd auf den Sieg im Großen Preis der Sparkasse Neuss machen. Von Volker Koch

Der 45-Jährige kennt sich aus, schließlich hat er zwei Jahrzehnte lang einen Großteil seines Lebensunterhalts auf den Holzbahnen des Sechstage-Zirkus bestritten und dabei Siege bei den Klassikern in Bremen, Dortmund und Stuttgart herausgefahren. Die beiden letzteren Veranstalter haben längst die Segel gestrichen. "Der Bahnradsport in Deutschland ist vom Aussterben bedroht", sagt Beikirch. Als Sportlicher Leiter der beiden Büttgener Radrenntage - am 1. Mai steht wieder das seit 1963 in ununterbrochener Reihenfolge ausgetragene Straßenrennen auf dem Programm - stemmt er sich gemeinsam mit Gesamtleiter Friedhelm Kirchhartz diesem Negativtrend entgegen.

"Wir machen weiter, so lange es geht. Das hängt in erster Linie von den Sponsoren ab", sagt Kirchhartz, hauptberuflich Vorstandsvorsitzender der NEW. Er sieht sich der Tradition verpflichtet, schließlich wird der "Spurt in den Mai" bereits seit 1980 ausgetragen. Die Siegerliste zieren große Namen des (Bahn-) Radsports, von Manfred Donike über Uwe Messerschmidt, Andreas Kappes, Danilo Hondo und Robert Bartko bis hin zu den Schweizer Sechstagekönigen Alexander Aeschbach und Franco Marvulli, die vor acht Jahren gemeinsam gewannen. Das Problem: "Die Namen der besten Bahnfahrer sind meist nur Insidern bekannt", weiß Beikirch, der selbst 15 mal das Rennen auf seiner Heimatbahn gewann - erstmals 1989 an der Seite von Uwe Messerschmidt, zuletzt vor sieben Jahren gemeinsam mit Lars Teutenberg, dessen Name auch morgen, seinen inzwischen 43 Lebensjahren zum Trotz, die Starterliste ziert.

Weil das so ist, waren in den vergangenen Jahren die Tribünenränge im Sportforum eher spärlich gefüllt. Trotz starker Besetzung strotzen Beikirch und Kirchhartz nicht gerade vor Optimismus, dass das morgen anders sein könnte. Abhilfe könnte höchstens der Start eines von der Tour de France bekannten Straßenfahrers schaffen - als Erik Zabel und Rolf Aldag bei der "Six-Day-Night" an gleicher Stelle in die Pedale traten, war die Hütte voll. "Aber die Zeiten sind vorbei, auch bei uns wurden die Sponsoren immer weniger", sagt deren einstiger Veranstalter, Olympiasieger Udo Hempel.

Beim "Spurt in den Mai" kommt als erschwerender Faktor der Traditionstermin hinzu. Die meisten Straßenfahrer sind am 1. Mai bei Eschborn-Frankfurt, immer noch unter dem alten Namen "Rund um den Henninger Turm" besser bekannt, engagiert. "Außerdem kannst du jetzt praktisch zwölf Monate im Jahr Straßenrennen fahren", sagt Andreas Beikirch und verweist auf Rennen in Australien, Dubai oder Südafrika, "da geht von den Straßenfahrern keiner mehr auf die Bahn, noch nicht einmal zum Training." Doch statt zu jammern haben die Büttgener ganze Arbeit geleistet, was die Fahrerverpflichtungen angeht: In Gestalt von Lukas Liß steht erstmals ein aktueller Weltmeister an der Startlinie - der 22-Jahre alte Bergkamener sicherte sich vor wenigen Wochen den Titel im Scratch.

Er bildet gemeinsam mit Lokalmatador Nils Schomber ein Team, das sich harter Konkurrenz erwehren muss. Allen voran der von Marcel Kalz, der im Vorjahr zusammen mit Nils Schomber gewann, und Leif Lampater, dem Siegerteam des Berliner Sechstagerennens. Und der des unverwüstlichen Lars Teutenberg, der auch schon fünf Mal den "Spurt in den Mai" gewann, der mit dem Österreicher Andreas Müller (in Büttgen Sieger 2011 und 2012) ein Team bildet. "Einen Favoriten gibt es nicht", sagt Andreas Beikirch.

Info Mehr zu den beiden Radsporttagen in Büttgen auf zwei Sonderseiten in der morgigen Ausgabe

Quelle: NGZ
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