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Lokalsport
„Super-bombastisch“

Der RSV Grimlinghausen hat seinem Ruf als deutsche Voltigier-Hochburg mit zwei Titel bei der Deutschen Meisterschaft in Vechta alle Ehre gemacht. Neben der Gruppe sorgte Antje Hill für den zweiten Neusser Triumph. Grund genug für die mitgereisten Fans, das RSV-Motto "Make some Neuss" wörtlich zu nehmen. Von Mareike Roszinsky

Acht Weltmeister-, acht Europameisterschaftstitel, 21 Deutsche Meistertitel und 28 Rheinische Meisterschaftstriumphe - dass diese unglaubliche Erfolgsbilanz zu einem kleinen Neusser (Rand-)Sportverein gehört, mag manch einer kaum glauben. Doch der RSV Neuss-Grimlinghausen ist eine Voltigier-Hochburg: Seine Athleten sammeln seit nunmehr 50 Jahren internationale und nationale Titel. Da sind DM-Titel Nummer 20 und 21 vom Wochenende aber nur scheinbar nichts Besonderes mehr. "Von wegen", meinen Trainerin Jessica Schmitz und Landestrainerin Agnes Werhahn.

"Diese Titel sind der versöhnliche Schlussstrich unter einer durchwachsenen Saison, die uns viel Geduld und Nerven gekostet hat." Die gesamte Saison war nach dem langen Ausfall des Toppferdes Cepin nur auf dieses eine Ziel ausgerichtet worden - den DM-Titel aus 2006 zu verteidigen. Trainerin Jessica Schmitz hat dabei augenscheinlich alles richtig gemacht: Ihre Mannschaft und Erfolgspferd Cepin waren auf die Sekunde genau fit genug - und boten im ausverkauften Auktionszentrum eine überragende Leistung.

Schon nach der Pflicht, lag das Team von Trainerin und Longenführerin Jessica Schmitz klar auf Goldkurs. Mit 0,5 Punkten Vorsprung setzten sich die Aktiven vom Neusser Nixhof an die Spitze, vor dem VRV Pegasus Mühlacker (Baden-Württemberg) und der JRG Köln. "0,5 Punkte - das sind im Voltigiersport schon Welten", kommentierte Landestrainerin Agnes Werhahn die berühmte Pflicht-Stärke der Neusserinnen. "Super-bombastisch", fand sie die Vorstellung. Gleich zehn Mal zogen die drei Richter für perfekte Übungen die Höchstnote Zehn. "Das war eine Spitzenleistung", jubelte die Trainerin, "einfach unglaublich". Sie hatte mit dieser Leistung aber auch gerechnet: "Ich wusste: Wenn wir gewinnen, dann mit dem Vorsprung aus der Pflicht." Diese Rechnung ging voll auf. Antje Hill, Louisa Berger, Marc-Phillip Götting, Elisabeth Simon, Verena Rudo, Simone Wiegele, Pauline Riedl, Leonie Bender und Sina Dammer ließen auch in Kurzpflicht und Kür am Samstagabend nichts anbrennen. Mit 8,482 Punkten steuerte der RSV weiter auf Goldkurs.

Dabei konnte sich das RSV-Team sogar einen dicken Fehler in der Kür leisten. Im Finale am Sonntag klappte die Kür dann besser: lediglich zwei kleine Patzer. So wurde das Team in der Kür zwar nur Dritter, doch es reichte für den Titelgewinn. "Die Mannschaft ist in der Kür auf einem Stand, den sie sonst zu Saisonbeginn hat", analysierte Agnes Werhahn. "Deshalb ist die Kür noch nicht perfekt." Vor allem weil "Sorgenkind" Cepin nach seiner langen Erkrankung noch schwächelte. "Sobald ihm die Kraft ausgeht, wackelt er - und dann wackeln meine Mädels obendrauf zwangsweise mit", erklärte die Trainerin, die dennoch rundum zufrieden war. Für die Mannschaft und Cepin ist die Saison jetzt zu Ende.

Die zweite Goldmedaille für den RSV sicherte sich etwas überraschend Antje Hill. Der 20-Jährigen gelang es zum ersten Mal, dem Druck Stand zu halten. Schon in der Pflicht zeigte Hill (Pferd: Airbus/ Longe: Irena Lenkheit), dass sie den Titel will. Mit 8,463 Zählern ging sie souverän. Auf dem Bronzerang setzte sich die Grevenbroicherin Simone Wiegele (21) fest, die unter einem schweren Infekt litt und deshalb nicht ihre beste Leistung zeigen konnte. "Sonst wäre es wahrscheinlich zu einem Duell der Kreisvertreterinnen gekommen", mutmaßte Schmitz. In der Technik lieferte Hill dann laut Landestrainerin Agnes Werhahn eine grandiose Leistung ab: Mit 8,793 Punkten blieb sie weiter auf Goldkurs - und das mit großem Vorsprung. Wiegele krallte sich auf dem Bronzerang regelrecht fest (8,207). Im Kür-Finale hielten dann die Nerven: Das zweite Gold für Antje Hill nach einer tollen Kür, Bronze für Simone Wiegele.

Tränen flossen spätestens beim Sieg vom Marc-Phillip Götting in der Herrenkonkurrenz. Das Herz des Oldenburger schlägt für Neuss. Schon 2006 verstärkte er das RSV-Team in der Pflicht, trug so zum WM-Sieg bei. Auch bei der DJM sprang er in der Pflicht für Neuss auf Cepin. Er schloss mit dem Sieg eine eigentlich verkorkste Saison ab. Götting schlug für rund einen Monat vor der DJM bereits seine Zelte auf dem Nixhof und bei der Familie Hill auf, um zu trainieren. "Er gehört zu unserem Team", so seine Trainingsgefährtinnen, "also haben wir jetzt zweieinhalb Goldmedaillen."

Quelle: NGZ
 
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