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Lokalsport
Team Neuss holt Gold trotz einiger Patzer

Aachen. Der RSV Grimlinghausen belegt in der finalen Kür gestern Nachmittag nur Rang zwei und verteidigt trotzdem seinen Europameistertitel. Von Daniel Kaiser

Die Mission Titelverteidigung ist geglückt: Die Voltigierer vom RSV Neuss-Grimlinghausen - Julia Dammer, Janika Derks, Leonie Falkenberg, Johannes Kay, Mona Pavetic und Pauline Riedl - haben bei den Europameisterschaften in Aachen die Goldmedaille gewonnen. In der gestrigen finalen Kür mussten sich die Top-Favoriten mit ihrer Hannoveraner-Fuchsstute Delia FRH zwar mit 8,863 Punkten knapp der französischen Equipe geschlagen geben (8,877). Im Gesamtranking sicherte sich die Mannschaft von Trainerin und Longenführerin Jessica Lichtenberg aber souverän das edelste aller Edelmetalle. Mit 8,597 Punkten nach drei Umläufen distanzierten sie deutlich die Mannschaften aus der Schweiz (8,104) sowie Frankreich (8,062) und Österreich (7,847).

Das Bundestrainergespann, die Physiotherapeuten, die Pferdepfleger und die Fans - alle fieberten mit, als die Mannschaft vom Nixhof gestern zum letzten der drei Umläufe in den hübsch aufbereiteten Zirkel im mit 6 500 Zuschauern voll besetzten Deutsche-Bank-Stadion einlief. Begleitet von zahlreichen Kamerateams lastete der Druck eindeutig auf den Schultern der amtierenden Welt- und Europameister. Zum Schrecken der Fanscharen unterliefen den Neussern in ihrer vierminütigen Choreografie, die sie noch am Freitag nahezu in Perfektion gezeigt hatten, gleich mehrere Patzer. Zunächst konnte Janika Derks einen gestreckten Salto nicht sicher landen und verzeichnete die erste Bodenberührung. Wenig später musste auch Pauline Riedl bei einem Abgang in den Sand greifen, was erneuten Abzug vom sechsköpfigen Richterkollegium mit sich brachte.

Im dritten Dreierblock der Kür rutschte Leonie Falkenberg dann bei einem einbeinigen Stehen auf der Schulter von Janika Derks unglücklich ab und musste das Pferd unfreiwillig verlassen. Die Truppe reagierte jedoch höchst professionell - turnte weiter, als ob nichts gewesen wäre. Ein Highlight des Schlussteils - ein geworfener und wieder aufgefangener Vorwärts-Salto von Mona Pavetic - konnte Kay gerade noch sichern. Obwohl der Rest der Darbietung , in der die Neusser die Landung auf der Erde interpretieren, sehr emotional und auf den Punkt geturnt war, sah man den Teammitgliedern die Enttäuschung beim Auslauf deutlich an. "Ich habe nach jedem kleinen Fehler mitgerechnet, ob es noch reichen kann. Ich war mir am Ende nicht mehr sicher", sagte Bundestrainerin Ulla Ramge. Während der Ergebnisbekanntgabe standen die Neusser dann in der Kiss-and Cry-Area - die Zuschauer heiterten die deutsche Mannschaft mit anhaltenden Jubelrufen auf. Die deutschen Fans hatten sich im Vorfeld über die sozialen Netzwerke auf einen "Dresscode" geeinigt. Der lautete: schwarz (Nordtribüne), rot (West) gold (Süd). Die Noten offenbarten schließlich Rang eins. Doch da die Schweizer aufgrund der Auslosung der Startreihenfolge erst nach den Deutschen antraten, musste die Mannschaft noch zittern - ehe sie in Jubel ausbrach.

Ob angesichts der Patzer der Druck am Ende zu groß war, wurde Lichtenberg bei der Pressekonferenz gefragt. "Nein, wir fühlten uns eher beflügelt von der Atmosphäre. Man muss aber auch sagen, dass das Niveau im Voltigiersport in den letzten Jahren enorm gestiegen ist. Die Elemente werden immer schwerer. Da passieren leider auch mal Fehler." Gewünscht hatte sich die 34-Jährige ein Traumfinale. "Der Tag war aber leider nicht so großartig."

Für Bundestrainerin Ulla Ramge lag ein "unglaubliches Knistern in der Luft". Und damit mussten alle Mannschaften umgehen. Und zum Glück der Neusser kamen auch die stärksten Konkurrenz-Teams mit der unglaublich brenzligen Situation nicht zurecht. Allen drei Equipes, die auf den Medaillenrängen in das Kürfinale gegangen waren, unterliefen Fehler, Stürze und Wackler. Besonders hart traf es die Österreicher vom Verein Wildegg, die nach zahlreichen Stürzen lediglich 7,669 Zähler kassierten und vom Bronzerang auf Platz vier rutschten. Auch Lütisburg, der bis dato stärkste Gegner, hatte mehrere Totalausfälle und ging mit einer enttäuschenden Wertung von 7,964 aus dem Showdown. Nur knapp konnten die Eidgenossen die Silbermedaille halten.

Sieger des Tages waren eindeutig die Franzosen, die mit ihrer "Ice World-Kür" nicht nur den Sieg des Kürumlaufs, sondern auch wie schon bei den Weltreiterspielen in Caen Bronze eroberten. Sieger des Turniers waren aber die Neusser, die damit die dritte Championats-Goldmedaille in Folge holten.

Quelle: NGZ
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