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Tennis-Erfolg steht und fällt mit Sponsoren

Analyse: Tennis-Erfolg steht und fällt mit Sponsoren
Um mit Spielern wie Filippo Volandri verlässlich planen zu können, brauchen Tennis-Bundesligisten wie der TC Blau-Weiss Neuss schon zu Saisonbeginn einen gesicherten Etat von mindestens 150 000 Euro. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. In Aachen leistet sich Printenkönig Hermann Bühlbecker wieder ein Starensemble, das die Tennis-Bundesliga eindeutig beherrscht, in Krefeld hat verstärktes Engagement von Sponsoren aus einem ewigen Abstiegskandidaten einen Anwärter auf die Vizemeisterschafte gemacht. Von Volker Koch

Erfolg, so lautet eine dieser ewigwährenden Sportweisheiten, kann man nicht kaufen. Doch um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, ist ein schöner Batzen Geld nicht unbedingt schädlich. Schon gar nicht in der Tennis-Bundesliga.

Im Oberhaus des Deutschen Tennis-Bundes steht und fällt der Erfolg mit dem Engagement der Sponsoren, die in vielen Fällen eher Mäzene im klassischen Sinne sind. Das war schon so, als sich der vor einem Jahr verstorbene Ernst-Ludwig Hansmann in den achtziger und neunziger Jahren leisten konnte, die komplette deutsche Daviscup-Mannschaft in den Dienst des TC Blau-Weiss Neuss zu stellen. Die bis heute unerreichte Zahl von zehn Mannschaftsmeistertiteln sind beredter Beleg dafür.

Hansmanns "Nachfolger" in dieser Beziehung heißt Hermann Bühlbecker. Der "Printenkönig", einst auch zu den Neusser Sponsoren zählend, hat aus dem eher beschaulichen TK Kurhaus Aachen, dem er sogar den Firmennamen Lambertz als offiziellen Namenszusatz verpasste, die erste Adresse im deutschen Mannschaftstennis gemacht. Die Folge: Aachen dominiert die Liga eindeutig, wurde zwischen 2008 und 2013 fünf Mal Meister. Dass es im Vorjahr "nur" zu Rang zwei hinter Blau-Weiss Halle - auch hier sorgt in Gerry Weber ein Mäzen für die finanzielle Grundausstattung - reichte, darf als Betriebsunfall angesehen werden. "Die sind in diesem Jahr nicht zu schlagen", sagt der Neusser Team-Manager Dietmar Skaliks, dessen Ensemble am Sonntag (ab 11 Uhr) im Aachener Kurpark gastiert. Die bisherigen Ergebnisse des Spitzenreiters geben ihm recht.

Wie wichtig ein gutes finanzielles Polster ist, zeigt aktuell das Beispiel des HTC Blau-Weiss Krefeld. Besser mit Sponsoren ausgestattet als zuvor, hat sich der notorische Abstiegskandidat, der sich auch im Vorjahr erst durch ein 3:3 im letzten Saisonspiel gegen Neuss die weitere Ligazugehörigkeit sicherte, zu einem ernsthaften Anwärter auf die Vizemeisterschaft gemausert. "Selbst als ich noch gespielt habe, konnten wir nie 6:0 gewinnen, und jetzt gleich zweimal in Folge", stellte Vorsitzender Hajo Ploenes nach dem 6:0-Sieg am Sonntag über den Gladbacher HTC fest, dem eine Woche zuvor ein 6:0 in Mannheim vorausgegangen war, "dass der Klassenverbleib schon jetzt feststeht, ist mehr als wir erwarten konnten."

Freilich hat die Abhängigkeit von Mäzenen oder alleinigen Sponsoren auch ihre Schattenseiten. Der Erfurter TK Rot-Weiß zog nach dem plötzlichen Tod seines Hauptsponsors Olaf Waldhoff sein Team zurück - beileibe keine Erstauflage in der Geschichte der Tennis-Bundesliga, wo mancher Stern ebenso rasch verglühte wie er aufgegangen war.

Auch die Neusser Bundesliga-Zukunft stand nach Hansmanns Tod auf der Kippe. Es war nicht allein sein Geld, das er als "graue Eminenz" immer noch zuschoss, nachdem er längst keine offiziellen Ämter mehr bekleidete, das in der Kalkulation fehlte. Vielmehr hatten viele Sponsoren aus dem mittleren Segment ihr Engagement an seine Person geknüpft.

"Ohne Tomasz Pietrzak gäbe es Blau-Weiss nicht mehr als Bundesligisten", sagt Skaliks deshalb mit Blick auf den Neusser Unternehmer ("Ercon"), dessen Schriftzug jetzt im dritten Jahr die blau-weisse Trikotbrust ziert. Doch Pietrzak, dessen Unternehmen im Auftrag verschiedener Mobilfunkanbieter Sendemasten im gesamten Bundesgebiet baut und unterhält, sieht sich nicht als Retter der Bundesliga, auch wenn er mehr als ein Drittel des Etats bestreitet: "Mir geht es um den gesamten Verein, vor allem um den Nachwuchs", sagt Tomasz Pietrzak, der über seinen Tennis-spielenden Sohn an die Jahnstraße gekommen ist. Erfreut registriert er, "dass bei uns jetzt fast 100 Kinder trainieren - als ich hier anfing, waren es glaube ich fünf." Die Bundesliga sei da nur "ein Nebenprodukt", wenngleich kein ganz unwichtiges: "Sie macht den Klub bekannt und interessant." Wenn das nur mehr Sponsoren in der Quirinusstadt so sehen würden.

Quelle: NGZ
 
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