| 00.00 Uhr

Lokalsport
Tennis in Zeiten des Klimawandels

Lokalsport: Tennis in Zeiten des Klimawandels
FOTO: Woitschützke Andreas
Neuss. Wer gestern an der Jahnstraße den Auftakt der Tennis-Bundesliga erleben wollte, musste vor allem eines mitbringen: Geduld. Regenpausen machten aus der Partie gegen Gladbach ein Marathonmatch, am Ende unterlag BW Neuss mit 0:6. Von Volker Koch

Als Reiner Breuer eintraf, war der TC Blau-Weiss gerade auf die Zielgerade der Verliererstraße eingebogen. Nach seinem "üblichen Sonntagsprogramm" mit Schützenfestbesuch und anderen Veranstaltungen war der Neusser Bürgermeister eher zufällig an der Jahnstraße vorbeigekommen - und wunderte sich, dass dort noch Tennis gespielt wurde.

Denn eigentlich hätte der Bundesliga-Auftakt zwischen dem Immer-Noch-Rekordmeister aus der Quirinusstadt und dem Meisterschaftsanwärter aus Mönchengladbach um 18 Uhr längst Geschichte sein sollen. Doch der Klimawandel macht auch vor der Tennis-Bundesliga nicht halt: Mehrere Zwangspausen nach zum Teil ergiebigen Regengüssen ließen die Partie zum Marathonmacht werden. Nach insgesamt zehn Stunden standen die Gastgeber ohne einen Punkt aus Einzel oder Doppel da, doch wie begossene Pudel fühlten sie sich keineswegs. "Ich bin eigentlich ganz happy, wie wir das heute über die Bühne gebracht haben", fasste Teamchef Marius Zay das erste Bundesliga-Spiel unter seiner Regie zusammen.

Kämpfernaturen wie Jeremy Jahn, Tom Schönenberg, Clinton Thomson, Kevind Deden und Max Dinslaken (oben v.r.) hat BW Neuss reichlich in seinem Team. Ob das zum Verbleib in der Tennis-Bundesliga ausreicht, muss sich zeigen. Zum Auftakt gab es eine 0:6-Schlappe. FOTO: -woi

Wohlwissend, dass das nach einer "Höchststrafe" wie dem gestrigen 0:6 ein wenig seltsam klingen könnte. "Mit einem Sieg haben wir heute ohnehin nicht gerechnet", rückte Zay die Relationen zurecht. Die sollen gegen die direkten Konkurrenten im Kampf um den Ligaverbleib geholt werden. Der Gladbacher HTC gehört eindeutig nicht dazu. Die Gäste steckten zum Auftakt ihrer dritten Bundesliga-Saison locker weg, dass die für die gestrige Partie fest eingeplanten Spitzenspieler Albert Ramos-Vinolas und Franko Skugor unabkömmlich waren: Der Spanier ist überraschend in Wimbledon noch im Rennen, der Kroate hatte sich am Samstagabend mit Gliederschmerzen ins Bett verabschiedet und sich am Morgen mit hohem Fieber krank gemeldet. "Unter diesen Umständen bin ich mit dem Auftakt natürlich zufrieden", sagte Teamchef Hendrik Schmidt, der den (mit BW Krefeld) ersten Spitzenreiter dennoch nicht als Titelanwärter sieht: "Wir wollen eine gute Saison spielen, das kann am Ende Platz eins, aber auch Platz fünf bedeuten."

Für Neuss, ausgestattet mit dem kleinsten Etat seiner 36-jährigen Bundesliga-Geschichte, wäre es schon ein Erfolg, am Ende zwei Mannschaften hinter sich zu lassen. Gespart wird an allen Enden und Ecken, nur nicht am Kampfgeist. Den zeigten Jeremy Jahn und Co. gestern gegen von der Papierform her deutlich überlegene Gegner auf jeden Fall, auch wenn es im Endeffekt nicht einmal zu einem Satzgewinn reichen sollte. Am nächsten dran war wohl Clinton Thomson bei seinem 6:7, 0:6 gegen den Spanier Adrian Menendez. "Die Regenpause hat mich aus dem Konzept gebracht", stellte der aus Solingen gekommene "Spielertrainer" hernacht fest - nach dem im Tiebreak knapp verlorenen ersten Satz "wollte ich das Ding mit Gewalt drehen und habe dabei überzogen."

FOTO: Woitschützke Andreas

Kevin Deden hingegen legte beim 0:6, 3:6 seinen Respekt gegenüber Marcel Gawron zu spät ab, Tom Schönenberg präsentierte sich beim 4:6, 4:6 gegen Andrea Arnaboldi auf Augenhöhe. Das tat Jeremy Jahn auch gegen den Ex-Neusser Daniel Gimeno-Traver: Der auf Position 159 der Weltrangliste geführte Spanier sah sich plötzlich mit 0:3 im Hintertreffen und hatte reichlich Mühe, um mit dem 7:5, 6:3-Sieg den vierten Einzelpunkt einzufahren.

Diese Ein- und Vorstellung seiner Schützlinge lässt Marius Zay trotz aller Finanzprobleme verhalten optimistisch in die nähere Zukunft blicken, die am Freitag das Gastspiel bei Titelverteidiger BW Halle beschert: "Wir werden unsere Punkte noch holen."

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Lokalsport: Tennis in Zeiten des Klimawandels


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.