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Tigers fressen Gäste mit Haut und Haar

Lokalsport: Tigers fressen Gäste mit Haut und Haar
Nur Fliegen ist schöner: Dara Taylor war gegen Opladen jederzeit Dreh- und Angelpunkt im Spiel des Basketball-Zweitligisten TG Neuss Tigers. Nebenbei fand sie noch Zeit, 14 Zähler aufs persönliche Konto zu bringen. Nadia Marcus (9) schaut hilflos, Teamkollergin Ayla Faber (r.) begeistert zu. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. In einer beeindruckenden Demonstration der Stärke fertigt der Tabellenführer der 2. Basketball-Bundesliga Nord den ebenfalls als Play-off-Kandidaten gehandelten rheinischen Rivalen BBZ Opladen mit 93:52 ab. Kita Waller mit 39 Punkten. Von Dirk Sitterle

Ein altes Sprichwort sagt: Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Das freilich kommt für die Zweitliga-Basketballerinnen der TG Neuss überhaupt nicht in Frage. Denn trotz des in jeder Beziehung überragenden 93:52-Heimsieges (Halbzeit 45:29) im rheinischen Duell mit dem Play-off-Kandidaten BBZ Opladen ist Trainerin Janina Pils fest davon überzeugt, dass da sogar noch mehr geht: "Wir sind noch nicht am Limit." Doch auszusetzen gab es für den Coach der Tigers schon am Samstag nichts: "Ich glaube, ich war noch nie so zufrieden wie heute."

Und das durfte die 33-Jährige auch sein. Was ihre Mannschaft da aufs Parkett brachte, war einfach nur stark. Die pure Dominanz. Pils: "Es ist uns gelungen, unser Spiel zu hundert Prozent durchzudrücken." Im von Videostudien unterfütterten Wissen, dass die Gäste zwar größenmäßig überlegen, in Tempo und Athletik aber deutlich unterlegen sind, setzte der ungeschlagene Tabellenführer mit seiner Pressverteidigung schon an der gegnerischen Grundlinie an. "Und das hat gut geklappt, obwohl wir das gerade erst in unser Trainingsprogramm aufgenommen haben", stellte Janina Pils stolz fest. Der frühe Ausfall von Jill Stratton - Opladens kanadische Topscorerin vertrat sich den Knöchel und musste die Partie bereits in der siebten Spielminute beenden -, spielte ihr dabei natürlich in die Karten. Doch diese Schwächung mochte selbst BBZ-Trainerin Birgit Kunel nicht als Hauptgrund für das Debakel anführen. Bevor sie sich mit dem ein oder anderen Gläschen Wein an die Frustbewältigung begab, resümierte sie sachlich: "Meine Spielerinnen waren wie paralysiert, völlig geschockt auch angesichts ihrer eigenen Leistung. Es war ein rabenschwarzer Tag."

Schon im von den Tigers mit 30:16 gewonnenen ersten Viertel deutete sich an, was da noch kommen würde. Die überraschend überfordert wirkenden Gäste verloren die Bälle oftmals schon beim Einwurf unter dem eigenen Korb - und wenn sie es dann doch mal bis in die Hälfte der Tigers schafften, fanden sie unter großem Druck nicht ihre Nebenleute. Dass die Neusserinnen diese in der Liga bisher unbekannte Intensität mit einer hohen Foulbelastung bezahlten, nahm die Trainerin in Kauf. Obwohl zur Halbzeitpause in Dara Taylor, Anne Storck und Jana Heinrich schon drei Spielerinnen der ersten Fünf drei Fouls auf ihrem Konto hatten (nach dem fünften persönlichen Foul ist das Match zu Ende), dachte Janina Pils nicht eine Sekunde daran, ihr System zu ändern. "Genau darum haben wir ja einen so tief besetzten Kader."

Von der atemberaubenden Verteidigung profitierte vor allem Kita Waller: Die von einer schmerzhaften Schleimbeutelentzündung an der Schulter gehandikapte US-Amerikanerin spritzte immer wieder handlungsschnell in die unter größter Bedrängnis angebrachten Anspiele und kam dadurch zu einfachen Punkten. Alleine im famosen dritten Viertel (34:16) markierte das Energiebündel aus Georgia 19 Zähler. Dass sie nach 30:43 Minuten mit 39 Punkten (15/30 Würfe), zehn Rebounds und neun Ballgewinnen nur knapp ein äußerst seltenes Triple-Double (zweistellige Werte in drei statistisch erfassten Kategorien) verpasste, war im Spiel selbst ihrer Trainerin nicht aufgefallen: "Als ich auf den Scouting-Bogen geguckt habe, war ich echt geschockt."

Unfassbare 30 Ballgewinne standen schließlich für die Tigers zu Buche. Das an den Brettern mit 33:41 verlorene Rebound-Duell fiel darum nicht weiter ins Gewicht. Hätten die Gastgeberinnen ihr Defensiv-Fest bis zum Schluss durchgezogen, die magische 100-Punkte-Marke wäre mit Sicherheit gefallen. Vor allem Spielmacherin Dara Taylor hat bislang noch gar nicht alles gezeigt. Beängstigend.

Quelle: NGZ
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