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Tour de France geht, die Tour de Neuss bleibt

Lokalsport: Tour de France geht, die Tour de Neuss bleibt
Radsport wird groß geschrieben im nächsten Jahr: Am 2. Juli rollt die zweite Etappe der Tour de France durch Neuss, am 26. Juli versammeln sich die Fahrer zur Tour de Neuss an der Startlinie auf der Kaiser-Friedrich-Straße (Bild). FOTO: -woi/Berns
Neuss. Dreieinhalb Wochen nach der zweiten Tour-Etappe soll es am 26. Juli 2017 noch einmal hochklassigen Radsport in Neuss geben. Von Volker Koch

Neuss besitzt im kommenden Jahr ein Alleinstellungsmerkmal: Neben Düsseldorf ist es die einzige deutsche Stadt, auf deren Straßen gleich zwei Mal Fahrer der Tour de France unterwegs sein werden. Denn dreieinhalb Wochen, nachdem die zweite Etappe der Frankreich-Rundfahrt von Düsseldorf kommend Meerbusch, Neuss, Kaarst und Korschenbroich passiert, steht die 16. Auflage der Tour de Neuss auf dem Programm.

Und die soll, wie immer am Mittwoch nach der Zielankunft auf den Champs-Elyséés, trotz der zeitnahen Konkurrenz des weltgrößten Radsportereignisses am 26. Juli 2017 in gewohnter Manier stattfinden. "Die Vorbereitungen laufen", versicherte Stephan Hilgers, Vorsitzender des ausrichtenden Neusser Radfahrervereins (NRV), am Mittwoch anlässlich eines "Dankeschön-Abends" für Sponsoren, Vereinsmitglieder und Helfer im Drusus1.

Freuen sich auf die Tour de Neuss: Hans-Peter Krämer, Stephan Hilgers, Andreas Kappes und der langjährige Schirmherr, Alt-Bürgermeister Herbert Napp (v.l.). FOTO: Berns Lothar

Die ersten Zusagen von Sponsoren liegen vor. Allerdings registriert Barthel Winands, für Marketing zuständiger 2. Vorsitzender des NRV, bei einigen Partnern noch Zurückhaltung: "Die warten erst mal ab, über welche Strecke die Tour de France führt." Das Geheimnis soll beim "Tour-Gipfel" am Montag in Düsseldorf gelüftet werden (die NGZ berichtete).

Eine "Kannibalisierung" durch die beiden Großereignisse fürchtet Matthias Welpmann nicht. "Ich denke eher, dass die Tour de Neuss von der Radsportbegeisterung profitieren wird, die wir hoffentlich mit der Durchfahrt der Tour de France und den damit verbundenen Aktionen rund ums Fahrradfahren wecken werden," sagt der Sportdezernent der Stadt Neuss. Die Stadt selbst werde, vorbehaltlich der Zustimmung der Politik, die Tour de Neuss "mindestens in dem Maße unterstützen wie in den vergangenen Jahren." Der Grund dafür liegt für ihn auf der Hand: "Die Tour de France wird ein einmaliges Ereignis, die Tour de Neuss bleibt." Welpmann schließt auch eine erneute Bewerbung von Neuss als Etappenort der Deutschland-Tour nicht aus, sollte diese wieder in den Radsport-Kalender aufgenommen werden.

Auch David Zülow, Geschäftsführer der Initiative "Neuss on Tour", die mit ihrer Vorfinanzierung die Bewerbung als Durchfahrtsort der Tour de France überhaupt erst ermöglichte, setzt auf Kooperation statt Konkurrenz: "Ohne die seit anderthalb Jahrzehnten erfolgreiche Tour de Neuss wäre doch in Neuss niemand auf die Idee gekommen, sich für die Tour de France zu bewerben." Gleichwohl macht er kein Hehl daraus, dass die Initiative die eigenen Kosten so niedrig wie möglich halten will und deshalb auf potenzielle Sponsoren zugeht. "So richtig loslegen können wir aber erst, wenn wir die genaue Strecke kennen - was hoffentlich am Montag der Fall sein wird."

Natürlich sei die Tour de France für sein Unternehmen interessant, sagt Hans-Peter Krämer. Genauso interessant sei aber auch die Tour de Neuss, stellt der Leiter des Möbelhauses Knuffmann fest, das in diesem Jahr erstmals als Sponsor des Radrennens aufgetreten war. "Die Atmosphäre an der Strecke war beeindruckend," das sei die einhellige Ansicht aller anwesenden Firmenvertreter gewesen. Ihn persönlich habe noch etwas besonders beeindruckt: "Als ich nach der Siegerehrung Richtung Innenstadt, feierten die Menschen vor ihren Haustüren überall kleine Nachbarschaftspartys. Das zeigt, dass so ein Ereignis weit über den Sport hinausgehe."

Trotzdem, macht Stephan Hilgers klar, soll der Sport weiterhin im Vordergrund stehen bei der Tour de Neuss. "Wir sind bemüht, zumindest den Standard der vergangenen Jahre zu halten", sagt er mit Blick auf die sieben Tour de France-Fahrer, die 2016 in Neuss am Start waren. Das ist auch das Bemühen von Andreas Kappes. Doch der ehemalige Rad-Profi, seit über einem Jahrzehnt Sportlicher Leiter der Tour de Neuss, sagt auch: "Das ist alles eine Frage des Etats." Das umso mehr, als die Umstrukturierungen bei den deutschen Rennställen dieses Unterfangen nicht einfacher machen. "Natürlich wäre es toll, einen Tony Martin" - der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister siegte 2010 auf der Kaiser-Friedrich-Straße - "oder einen Peter Sagan am Start zu haben", sagt Kappes, "aber bei unserem bisherigen Budget ständen die dann ziemlich alleine an der Startlinie - und das macht doch keinen Sinn."

Auch er setzt darauf, dass die Tour de France im kommenden Jahr einen Hype in Sachen Radsport auslöst. Kappes weiß, wovon er spricht. Als Fahrer war er zwischen 1988 und 1992 fünf Mal bei der Frankreich-Rundfahrt dabei, 1991 belegte er Platz fünf in der Punktwertung der besten Sprinter. "Klar ist die Tour de France das Größte, was es im Radsport gibt", sagt der 50-Jährige. Doch für die Fans hat er mit Blick auf das kommende Jahr einen wichtigen Hinweis: "Bei der Tour de France siehst du die Fahrer vielleicht eine Minute, bei der Tour de Neuss anderthalb Stunden."

Quelle: NGZ
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