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Tour de France - warum nicht im Rhein-Kreis?

Lokalsport: Tour de France - warum nicht im Rhein-Kreis?
Radsport-Begeisterung wird im Rhein-Kreis groß geschrieben - das war 2008 so, als die siebte Etappe der "Deutschland-Tour" auf dem Neusser Markt gestartet wurde (l.), das war 2004 nicht anders, als die Eneco-Tour vom Düsseldorfer Burgplatz durch Neuss, Dormagen und Rommerskirchen führte (Bilder rechts). Einen ähnlichen Streckenverlauf könnte die Tour de France 2017 nehmen. FOTO: -woi/berns
Rhein-Kreis. Deutschland-Tour und Eneco-Tour rollten schon durch Neuss, 2017 könnte es die Tour de France nach dem Start in Düsseldorf ihnen gleich tun. Von Volker Koch

Zu seinem sechzigsten Geburtstag Ende August bekam Stephan Hilgers ein Original-Banner von der Zielankunft der Tour de France 2005 in Karlsruhe geschenkt. Gut möglich, dass der Vorsitzende des Neusser Radfahrervereins das gute Stück am 2. Juli 2017 vor seinem Pflanzencenter an der Bonner Straße aufhängen wird.

Denn an diesem Sonntag könnte die 104. Auflage der Tour de France durch Grimlinghausen rollen. Voraussetzung eins: Düsseldorf, für dessen Bewerbung der Stadtrat am Donnerstag seine Zustimmung gab, bekommt tatsächlich den Zuschlag für den "Grand Départ". Voraussetzung zwei: Nach dem Prolog durch die Landeshauptstadt führt die zweite Etappe durch den Rhein-Kreis. Die Chancen dafür stehen so schlecht nicht. Für eine Streckenführung durch Neuss und den Kreis sprechen verschiedene Argumente.

1. Etappenplan Wenn der Tour-Tross in den vergangenen Jahren mit einem Prolog, meist einem Einzelzeitfahren, auf die Reise geschickt wurde, war am Ort des "Grand Départs" auch gleichzeitig Start der zweiten Etappe. Das war in diesem Jahr in Utrecht so (1. Etappe Utrecht - Utrecht, 2. Etappe Utrecht - Burgh-Haamstede), ebenso 2012 in Lüttich (1. Etappe Lüttich - Lüttich, 2. Etappe Lüttich - Seraing).

2. Geographie Soll es vom "Grand Départ" ohne große Umwege Richtung Frankreich gehen, müssen die Fahrer recht bald den Rhein überqueren. Ohne den Rhein-Kreis zu berühren, geht das stromaufwärts erst wieder in Köln. Und ob Düsseldorf viel Geld ausgibt, damit der rheinische Rivale sozusagen "für lau" ihm Fernsehpräsenz und andere mediale Aufmerksamkeit streitig macht, darf bezweifelt werden. Um von der Landeshauptstadt nach Neuss und - beispielsweise - durch die Eifel weiter Richtung Frankreich zu rollen, bieten sich zwei Strecken an. Zum einen über die Kardinal-Frings-Brücke, durchs Hammfeld und über den Alexianerplatz auf die B 9 bis nach Dormagen, von dort am Kloster Knechtsteden vorbei über Anstel nach Rommerskirchen - diesen Weg nahm 2004 die auf dem Düsseldorfer Burgplatz gestartete fünfte Etappe der Eneco-Tour (wobei aus touristischer Sicht ein Abstecher über den Rheindeich nach Zons ausgesprochen attraktiv wäre). Oder über die Theodor-Heuss-Brücke, durch Oberkassel und Heerdt nach Neuss, am Hafen entlang entweder Richtung B 9 oder an der Innenstadt vorbei (Gielen-, Schorlemer Straße) auf die Bergheimerstraße und weiter zur B 477.

3. Politik Die Städte und Gemeinden entlang der möglichen Tour-Strecke - Neuss, Dormagen, Rommerskirchen - haben SPD-Bürgermeister. Das könnte Unterstützung und Zusammenarbeit mit Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) erleichtern - zumal nach den heftigen Debatten im dortigen Stadtrat und den Nein-Stimmen von CDU und FDP.

4. Radsport-Historie Der Rhein-Kreis war schon zwei Mal mit Erfolg Durchgangsstation für große Rundstreckenrennen: 2004 lockte die fünfte Etappe der Eneco-Tour Tausende an die Strecke zwischen Frings-Brücke und Anstel. "In Straberg, der einzigen echten Ortsdurchfahrt, herrschte Kirmesstimmung", schrieb die NGZ in ihrer Ausgabe vom 28. August 2004. Vier Jahre später war Neuss Etappenort der - inzwischen nicht mehr ausgetragenen - Deutschland-Tour. Der Zielankunft auf der Augustinus-Straße mit dem Sieg des Finnen Jussi Veikkanen folgte tags darauf der "Grand Départ" der siebten Etappe auf dem Markt. Die mit großem Aufwand betriebene Zwei-Tages-Veranstaltung gehörte zum damaligen Konzept von Bürgermeister Herbert Napp, sich als Etappenort der Tour de France zu bewerben, eine Bewerbung, die Neuss mehrere Jahre aufrecht erhielt. Vielleicht findet Reiner Breuer ja noch irgendwo die Unterlagen seines Vorgängers. Im städtischen Presseamt heißt es jedenfalls: "Wir unterstützen die Bewerbung Düsseldorfs und würden uns freuen, wenn unsere Nachbarstadt den Zuschlag bekäme. In diesem Fall würden wir es begrüßen, wenn die Strecke der Tour de France durch Neuss führen würde."

Und dann gibt es ja noch die "Tour de Neuss", vom Neusser Radfahrerverein in ihrer 15. Auflage für den 27. Juli 2016, den Mittwoch nach Zielankunft der Tour de France, geplant. Erste Sponsoring-Zusagen liegen schon vor. Eine "deutsche" Tour de France würde dem sicher Auftrieb verleihen - erst recht, wenn sie durch Grimlinghausen führt.

Quelle: NGZ
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