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Turbulente Tage für die Neusser Voltigierer

Lokalsport: Turbulente Tage für die Neusser Voltigierer
Souverän: Janika Derks gewann die Europameisterschafts-Qualifikation der Voltigierer in Krumke in der Einzelkonkurrenz. Auf einen Start im Pas de Deux muss sie allerdings verzichten. FOTO: Daniel Kaiser
Krumke.. Pauline Riedl und Johannes Kay im Pech, Janika Derks und Jessica Lichtenberg im Glück. Und die Gruppe fährt zum CHIO nach Aachen. Von Daniel Kaiser

Die vergangenen Tage werden mit Sicherheit als eine der ereignisreichsten Wochen in die Geschichte der Voltigierer vom RSV Neuss-Grimlinghausen eingehen. Als Außenseiter waren die Athleten vom Nixhof zur EM-Qualifikation ins sachsen-anhaltinische Krumke aufgebrochen. Am Ende mussten sich die Rheinländer nur hauchdünn dem Favoriten aus Köln-Dünnwald geschlagen geben. Derweil gewann Janika Derks wie schon im Vorjahr bei den Damen. Überschattet würden die Leistungen der Top-Athleten von den Ereignissen außerhalb des Zirkels: Geburt, Muskelriss und eine Disqualifikation sorgten für ein stetiges Wechselbad der Gefühle in den Reihen der Voltigierer.

Stark geturnt, die Europameisterschaften aber knapp verpasst: Für die Voltigiergruppe des RSV Neuss Grimlinghausen bleibt der Start beim CHIO in Aachen als starker Trost, schließlich gilt die Soers als ihr "Wohnzimmer". FOTO: Daniel Kaiser

Vom Krankenhausbett aus verfolgte Jessica Lichtenberg das Geschehen in der Altmark. Von Co-Bundestrainer Kai Vorberg wurde sie stets mit aktuellen Videos ihrer Schützlinge versorgt, kurz nachdem ihr zweites Kind das Licht der Welt erblickt hatte. "Es war wirklich ein Auf und Ab der Gefühle", beschreibt die 36-Jährige. Im Gesamt-Resümee überwiegt bei der Meistertrainerin allerdings ganz klar die Freude. Denn nach fünf anstrengenden Tagen in Krumke war in Bezug auf die Königsdisziplin des Mannschaftswettbewerbs vor allem eines festzuhalten: Neuss ist wieder auf Augenhöhe. Noch vor sechs Wochen beim Preis der Besten in Warendorf galten die Europameister von 2015 nach dem Ausfall von Leistungsträgerin Eva Adrian als abgeschlagen. In Krumke gelangen dem jungen Team, das von Trainerin Elisabeth Simon an der Longe von Delia FRH vorgestellt wurde, nun drei nahezu fehlerfreie Umläufe. Und obwohl sowohl in der Pflicht als auch in beiden Küren jeweils knapp die Konkurrenz aus Köln-Dünnwald gewann, die sich somit auch den Gesamtsieg (8,576 Punkte) sicherte, rangierten die vermeintlichen Außenseiter mit dem starken Endresultat von 8,51 gerade einmal 0,066 Zähler hinter den Favoriten. Der Preis-der-Besten Sieger aus Fredenbeck konnte da nicht mithalten. Die Hannoveraner landeten abgeschlagen auf Platz drei (8,111).

Gestern wurde von Bundestrainerin Ulla Ramge und ihres Sichtungsgremiums der Deutschen Reiterlichen Vereinigung offiziell für die Europameisterschaften in Ebreichsdorf (1. bis 6. August) nominiert. Das Ticket für das kontinentale Championat geht zwar an Köln-Dünnwald. Doch die Neusser erhielten nicht nur die Benennung als Reserve, sondern auch die Startgenehmigung für den CHIO Aachen vom 14. bis 16. Juli. Darüber freute sich auch Ramge. "Ich bin ehrlich gesagt sehr überrascht, welch riesigen Sprung die Neusser in den letzten Wochen machen konnten. Denn ich hatte tatsächlich schon etwas Sorge, dass sie in diesem Jahr nicht in Aachen dabei sein können", sagte die Nationaltrainerin.

Auch von Chefrichterin und Ex-Bundestrainerin Helma Schwarzmann gab es Lob: "Neuss hat hier ganz klar die sauberste Darbietung gezeigt." Dass es im Endergebnis nicht gereicht hat, um die mit Bundeskader-Athleten gespickte Mannschaft aus Köln zu schlagen, sorgt im Neusser Lager nicht für Enttäuschung. "Den CHIO muss man sich auch erst einmal verdienen. Für mich hat das Wochenende gezeigt, dass wir wieder auf Augenhöhe sind und ich bin sicher, dass diese extrem junge Mannschaft einen langen Atem für die nächsten Jahre hat", sagte Lichtenberg.

Für die verletzte Eva Adrian war im Übrigen Pauline Riedl eingesprungen, die sich seit dem vergangenen Jahr eigentlich voll und ganz auf das Einzelvoltigieren spezialisiert hatte. Sie wird nun froh sein, dass sie in der Soers mit der Mannschaft auflaufen darf. Denn in der Damenkonkurrenz konnte die 23-Jährige die CHIO-Fahrkarte nicht lösen. Grund: Pferd Auxerre hatte sich im ersten Durchgang, bei dem der strömende Regen lautstark auf das Hallendach prasselte, erschrocken und war rückwärts aus dem Zirkel hinausgelaufen. Das Reglement sieht in diesem Fall eine sofortige Disqualifikation vor, die Riedl nun den Traum vom Championat zunichte machte.

Ihre Kollegin Janika Derks hingegen konnte - ebenfalls mit Auxerre - die gesamte nationale Konkurrenz auf Abstand halten und siegte mit starken 8,318 Punkten - vor Vize-Weltmeisterin Kristina Boe aus Hamburg und Sarah Kay aus Münster. Besonders bitter für Riedl: Bereits im Vorjahr hatte sich die Maschinenbau-Studentin verletzungsbedingt nicht für die WM in Le Mans qualifizieren können. "Das ist besonders bitter für Pauli, sie ist in der Form ihres Lebens. Man arbeitet eben mit einem Fluchttier zusammen, so etwas kann leider passieren", sagte Lichtenberg.

Nur für Johannes Kay war das Wochenende in Krumke noch bitterer. Der Physiotherapeut war ohnehin mit einigen Verletzungssorgen nach Sachsen-Anhalt gereist. "Ein Start war von vornherein sehr unrealistisch", berichtete der 22-Jährige. Am ersten Tag passierte ihm dann während der Verfassungsprüfung der Pferde ein Unglück. Als ihm ein Vierbeiner beinahe auf den Fuß trat, zog er das ohnehin angeschlagene linke Bein ruckartig zurück - und zog sich einen partiellen Abriss des Quadrizeps am Oberschenkel zu. Es folgte eine Not-OP im Krankenhaus in Stendal, aus dem er erst heute entlassen wird.

Damit wird das Pas-de-Deux Kay und Derks, das im Vorjahr in Le Mans den Vize-Weltmeistertitel erturnt hatte, bei der EM in Ebreichsdorf ebenfalls nicht antreten können. In Neuss sind diesbezüglich alle Zeichen bereits auf 2018 ausgerichtet. In sechs Wochen wird Kay wieder mit leichtem Aufbautraining beginnen, möchte sich dann für die Weltreiterspiele in Tryon in North Carolina fit machen. Und auch für die Gruppe und die Einzel-Athleten ist dieses Großereignis sicherlich eine gute Motivation, die auch die Tiefs aus Krumke ein wenig erträglicher macht.

Quelle: NGZ
 
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