| 00.00 Uhr

Lokalsport
TVK stellt irgendwann den Widerstand ein

Lokalsport: TVK stellt irgendwann den Widerstand ein
So frei wie hier gegen Dennis Aust, Max Weis und Bennet Johnen (v.r.) kam Max Zimmermann selten zum Wurf vor NHV-Keeper Vladimir Bozic. Dass der Korschenbroicher Linksaußen nach der Pause zwei Mal an dem Kroaten scheiterte, erstickte die Aufholjagd des TVK im Keim und führte letztlich zum klaren Gästesieg. FOTO: M. Jäger
Korschenbroich. Neusser HV dominiert das Lokalderby von Beginn an und übernimmt nach dem 36:26-Sieg die Tabellenspitze der 3. Handball-Liga West. Von Volker Koch

Ronny Rogawska hat in seinem Handballerleben als Bundesliga-Profi und Trainer eine Menge erlebt. Deshalb wusste der Däne nach 36 Minuten, dass das Lokalderby der 3. Handball-Liga West gelaufen war aus Sicht des von ihm trainierten TV Korschenbroich. Am Ende gelang ihm nicht einmal Schadensbegrenzung - mit 36:26 (Halbzeit 19:14) dominierte der Neusser HV vor offiziell 487 Zuschauern eindeutig in der Waldsporthalle und hat nach dem zweiten Spieltag erst einmal jene Position eingenommen, die ihm viele Experten auch am Ende dieser Saison zutrauen: die Tabellenführung.

Dabei schien nach der Halbzeitpause das Momentum auf Seiten der Gastgeber zurückgekehrt: Mit zwei Trickwürfen hatte Mathias Deppisch den kroatischen Torhüterhünen Vladimir Bozic zwischen den Neusser Pfosten verunsichert und den TVK mit 16:19 wieder in Schlagdistanz gebracht. Genau das sind jene Aktionen, aus denen die Korschenbroicher sonst ihre Moral und Spielfreude ziehen und davon befeuert ihre unnachahmlichen Aufholjagden starten.

Doch an den abgeklärten - die Startformation hatte ein Durchschnittsalter von 29,3 Jahren - und körperlich eindeutig überlegenen Gästen prallten die Bemühungen ab wie an einem Bollwerk. Zwei Angriffe später, beide von Max Zimmermann kläglich gegen Bozic vergeben, war die Messe gelesen: In elf Minuten gelang den Hausherren nur ein Treffer - und als Michel Mantsch endlich wieder traf, waren die Neusser bereits auf 27:18 (45.) enteilt.

"Frustrierend", empfand Mathias Deppisch diese Situation, "du läufst immer wieder an, kommst aber nicht näher." Und sein Trainer befand mit Blick auf die zwei vergebenen Großchancen seines vor der Saison auch von den Neussern umworbenen Linksaußens: "Das sind die Momente, in denen so ein Spiel kippt."

Ceven Klatt wollte dem nur teilweise beipflichten: "Gehen die 'rein, bleibt es vielleicht länger eng. Aber gewonnen hätten wir auch so", stellte der NHV-Trainer, am letzten Neusser Sieg über den TVK (30:22 am 11. November 2014 ebenfalls in der Waldsporthalle) noch als Spieler beteiligt, unwidersprochen fest. Denn die Gäste hatten personaltechnisch wesentlich mehr in die Waagschale zu werfen als der TVK, bei dem Markus Neukirchen wegen seiner Schienbeinverletzung fehlte und Henrik Schiffmann zwar auf dem Spielbericht stand, sich das Trikot aber nur zum Aufwärmen übergestreift hatte.

Mit den beiden "Langen" im Aufgebot hätten die Korschenbroicher möglicherweise länger Paroli bieten können, wären vielleicht auch mal zu "einfachen" statt den jeweils mühsam herausgearbeiteten Torerfolgen gekommen. So aber "war am Ende die Breite unseres Kaders ausschlaggebend", konstatierte Klatt. Bestes Beispiel: Als Rogawska versuchte, den im ersten Durchgang überragenden NHV-Regisseur Daniel Pankofer - der 35-Jähriger erzielte 8/2 seiner insgesamt 11/3 Treffer vor der Pause - mit einer Manndeckung durch Mathias Deppisch aus dem Spiel zu nehmen, schickte sein Kollege einfach Christopher Klasmann aufs Parkett. Der 25-Jährige war in den voraufgegangenen Spielzeiten stets die Neusser Angriffswaffe Nummer eins gewesen - am Samstag spielte er die Rolle eines Edeljokers. "Dass ich einen Spieler wie Christopher Klasmann so lange auf der Bank sitzen lassen kann, sagt einiges", stellte Klatt fest. Andere, die bei (fast) jedem anderen Drittligisten einen Stammplatz sicher hätten (inklusive Torhüter Mikkel Moldrup), wurden von Klatt nach und nach eingewechselt - fast wie bei einem Freundschaftsspiel.

Und diesen Charakter hatte das in der vergangenen Saison in beiden Auflagen bis zum letzten Blutstropfen umkämpfte Lokalderby am Ende tatsächlich. Denn irgendwann stellte der TV Korschenbroich seinen Widerstand vollständig ein, ließ die Neusser beinahe ungehindert zu ihren Torwürfen gegen einen nach guter erster Halbzeit erschreckend abbauenden Max Jäger kommen. Dass der aus der Reserve als zweiter Keeper hoch geholte Max Vitz in der Schlussphase zwei Bälle hielt, zeigt, dass die Gäste auch nicht mehr mit letzter Konsequenz zu Werke gingen.

Was aber reichte, um die Partie weiterhin eindeutig zu beherrschen. "Wir hatten doch hinten überhaupt keinen Zugriff mehr", kritisierte Rogawska und bemängelte vor allem das "Eins-gegen-eins-Verhalten" seiner Deckungsspieler. 71 Gegentore in den ersten beiden Saisonspielen bereiten ihm Sorgen, "da müssen wir dringend etwas ändern". Beim Neusser HV liegen die Probleme anderswo: "Das wichtigste," sagte Geschäftsführer Thomas Koblenzer, "ist jetzt, alle auf dem Boden zu halten."

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Lokalsport: TVK stellt irgendwann den Widerstand ein


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.