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Lokalsport
Über den Sport Distanzen abbauen

Lokalsport: Über den Sport Distanzen abbauen
Gelungenes Beispiel für Integration: Habtom Tedros, hier bei seinem Sieg beim Korschenbroicher City-Lauf 2016, kam vor zwei Jahren aus Eritrea nach Neuss und ist mittlerweile fester bestandteil der heimischen Laufszene. FOTO: -woi
Rhein-Kreis. Eine verstärkte Kooperation zwischen dem Sportbund Rhein-Kreis Neuss, der Politik und Sportvereinen zielt darauf ab, die Einbindung von Flüchtlingen zu vereinfachen. Das Projekt "Integration durch Sport" soll dies ermöglichen. Von Lucas Bayer

Der TuS Germania Hackenbroich und der Bujin Gym in Rommerskirchen machen momentan beispielhaft vor, was Integration durch Sport bedeutet. Beide Vereine kümmern sich schon seit geraumer Zeit um die Eingliederung von Migranten. Beim TuS Hackenbroich begann ein verstärktes Engagement bereits Anfang 2016. Unter anderem mit einer Werbeoffensive über Flyer in verschiedenen Sprachen sowie Besuchen in Flüchtlingsunterkünften warb insbesondere der Vorsitzende André Heryschek für den Verein.

Diese Arbeit lässt sich mittlerweile als sehr erfolgreich beschreiben. Ungefähr 40 Flüchtlinge sind Mitglieder im Verein und das vor allem in der Fußball-Abteilung. Der TuS meldete daher auch eine dritte Herrenmannschaft an, die in der Kreisliga C an den Start geht. Auch wenn die meisten Spiele bislang verloren gegangen sind, so macht Heryschek deutlich: "Geschossene Tore sind richtig tolle Erfolgserlebnis für die Flüchtlinge, auch wenn wir am Ende 3:8 verlieren."

Der international erfolgreiche Kampfsportverein Bujin Gym engagiert sich seit Jahren für soziale Projekte. Seit Anfang 2016 trainieren viele Geflüchtete kostenlos in dem Verein, die sich den Mitgliedsbeitrag sonst nicht leisten könnten. "Wir machen diese Arbeit sehr gerne", sagt Detlef Türnau, Cheftrainer des Bujin Gym. Trotzdem wünscht er sich von den Dachverbänden im Kreis und im Land mehr Unterstützung, besonders im finanziellen und bürokratischen Bereich. Der Sportbund Rhein-Kreis Neuss (KSB) möchte dies nun verstärkt mit Hilfe des Programms "Integration durch Sport" ermöglichen, das unter anderem vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gefördert wird. Bei einer Auftaktveranstaltung wurde dieses Projekt Vertretern von Sportvereinen und integrativen Organisationen genauer vorgestellt.

"Über Sport lassen sich so Differenzen überbrücken, daher ist eine verstärkte Integration von Migranten in Vereine so wichtig", stellt Kreisdirektor Dirk Brügge fest. Bislang ist erst ein kleiner Teil der Migranten in Sportvereinen angemeldet. "Das liegt besonders daran, dass Integrationsarbeit eigentlich nicht das Organisationsziel der Vereine ist", macht Prof. Christa Kleindienst-Cachay von der Universität Bielefeld deutlich. Außerdem sei ein Großteil der Migranten, die Sport treiben, ausschließlich bei Fußballvereinen oder in kommerziellen Fitnessstudios aktiv. "Bei Basketball- oder Handballvereinen sind bislang kaum Migranten anzutreffen", berichtet Kleindienst-Cachay.

Sie untersucht schon seit vielen Jahren die Integrationspotenziale von Sportvereinen. Dabei ist sie immer wieder zu dem Ergebnis gekommen: "Das Mitmachen von Migranten beim Sport hat nur positive Wirkungen: Die sprachlichen Kompetenzen werden verbessert, soziale Distanz wird abgebaut und Freundschaften entstehen. Viele Vereine unterstützen die Migranten beispielsweise auch bei Behördengängen." Das erleichtere das Ankommen für Migranten ungemein.

Gerade die Vereine müssten in der heutigen Zeit verstärkt Migranten akquirieren, so Kleindienst-Cachay: "Die Vereine haben momentan Probleme, Mitglieder zu halten oder neue Trainer zu finden. Daher ist eine interkulturelle Öffnung extrem wichtig." Bei dem Projekt "Integration durch Sport" sollen die Vereine genau dabei deutlicher unterstützt werden. "Es soll beispielsweise mehr Beratungen für die Sportvereine geben, um auch den Dialog zwischen Zuwanderern und Deutschen zu vereinfachen", erklärt Hermann-Josef Baaken, der Vorsitzende des KSB.

Zusätzlich soll es noch weitere finanzielle Zuschüsse geben und der Austausch zwischen den Dachorganisationen und Vereinen deutlich verbessert werden. Dabei wird auch das Kommunale Integrationszentrum des Rhein-Kreises eine größere Rolle spielen und mit Rat und Tat den Vereinen zur Seite stehen.

Beim TuS Hackenbroich schmiedet man derweil noch größere Pläne. "Wir möchten gerne ein Multifunktionsgebäude errichten, in dem es verschiedene Sprach- und Integrationsangebote geben wird", so Heryschek. Damit dies umgesetzt werden kann, braucht der Verein natürlich noch viele Spender und Förderer. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg.

Quelle: NGZ
 
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