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Unter Wert geschlagen

Lokalsport: Unter Wert geschlagen
Aller Kampf war vergebens: Jeremy Jahn verspielte noch seine Führung. FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)
Neuss. Sieben Stunden lang lieferte Tennis-Bundesligist BW Neuss Favorit GW Mannheim einen großen Kampf, unterlag am Ende aber doch mit 1:5. Von Volker Koch

Um kurz vor 17 Uhr gestern Nachmittag trommelte Gerald Marzenell seine nicht im Einsatz befindlichen Spieler zur Lagebesprechung auf der Klubhausterrasse an der Jahnstraße zusammen. Der Teamchef des TK Grün-Weiss Mannheim sah zu diesem Zeitpunkt die Felle des Meisterschaftsanwärters davon schwimmen: "Das gibt ein 2:2 nach den Einzeln, und dann kommen wir hier nicht über ein 3:3 hinaus."

Am Ende, nach mehr als siebenstündigem Kampf auf den staubigen und eigentlich nicht Bundesliga-tauglichen Aschenplätzen des TC Blau-Weiss Neuss nahmen die Mannheimer dann doch einen scheinbar standesgemäßen 5:1-Sieg mit an den heimischen Neckarplatt, wo sie am morgigen dritten Spieltag Blau-Weiss Krefeld erwarten.

Die Neusser hingegen können den spielfreien Sonntag nutzen, um nach der zweiten zahlenmäßig deutlichen, dennoch vermeidbaren Niederlage ihre Wunden zu lecken und Bestandsaufnahme zu betreiben, wie es im Kampf um den Ligaverbleib weitergehen soll. Denn Komplimente, egal ob vom Gegner (Marzenell: "Ihr habt Euch mit dieser Mannschaft super verkauft") oder von den spärlich erschienenen eigenen Zuschauern, helfen nicht viel weiter, wenn die Punkte fehlen. Und die Tatsache, dass die Blau-Weissen aufgrund des besseren Satzverhältnisses gegenüber Aufsteiger 1. FC Nürnberg (verlor 0:6 beim Rochusclub in Düsseldorf) den letzten Tabellenplatz verlassen haben, dürfte auch nur ein schwacher Trost sein.

Zur tragischen Figur wurde ausgerechnet der Mann, der am Sonntag beim 1:5 in Mönchengladbach mit einem Zweisatzsieg über Oleksandr Nedovyesov über sich hinausgewachsen war: Anderthalb Sätze lang knüpfte Jeremy Jahn nahtlos an diese starke Vorstellung an und beherrschte den auch mal kurzzeitig in Neuss unter Vertrag gestandenen Tobias Kamke eindeutig. 6:3, 5:2 stand es zu seinen Gunsten - und weil auf dem Center-Court Antonio Veic gerade dabei war, den auf der Weltrangliste 190 Plätze besser postierten Benjamin Becker mit 7:5, 6:2 regelrecht niederzukämpfen, beraumte Marzenell flugs eine Krisensitzung an.

Doch wie so oft im Tennis geriet auch gestern die Parte vollkommen ins Kippen. Der bis dahin vor Selbstvertrauen strotzende Jahn machte Fehler um Fehler, ließ Kamke ausgleichen und verlor den Tiebreak des zweiten Satzes zu drei. Und trotz einer 3:1-Führung gab er schließlich auch den Champions-Tiebreak mit 5:10 ab. Und statt 2:2 hieß es 1:3 nach den Einzeln - aus Neusser Sicht ein unaufholbarer Rückstand.

"Wir belohnen uns einfach nicht", stellte da ein sichtlich frustrierter Team-Manager Dietmar Skaliks fest. Da konnte er noch nicht ahnen, dass das Drama namens Champions-Tiebreak, das mit einer ganz starken Vorstellung von Bundesliga-Debütant Tom Schönenberg begonnen hatte, der den 670 Weltranglistenplätze besser gestellten Tschechen Jiri Vesely beim 7:6, 3:6, 9:11 mehr als nur an den Rand einer Niederlage brachte, in den Doppeln seine Fortsetzung finden würde.

Beide Neusser Paarungen - Antonio Veic und Marc Meigel, der sein Einzel gegen Björn Phau nach starkem ersten Satz mit 6:7, 0:6 verlor, sowie Tom Schönenberg und Jeremy Jahn - waren von der Papierform her gegen Becker/Vesely und Fischer/Phau eigentlich chancenlos. Doch beide machten es extrem spannend, gönnten den wenigen verbliebenen der offiziell 600 Zuschauer die Champions-Tiebreaks Nummer drei und vier - und die tragischen Helden der Einzel mussten sich am Ende mit 14:16 (!) beugen. "Wenn das so weitergeht, steigen wir ab", haderte Dietmar Skaliks heftig mit dem Tennisglück.

Quelle: NGZ
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