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Steffi Buss zum zweiten Mal Deutsche Berglauf-Meisterin
Unterwegs die Blümchen gezählt

Vor zwei Jahren in Lauf holte sich Stefanie Buss vom ASC Rosellen schon einmal den Deutschen Meistertitel im Berglauf. Doch auf das, was sie am Sonntagmorgen in Berchtesgaden erwartete, war die 28-Jährige nicht vorbereitet. Zunächst waren da die schmerzhaften Seitenstiche direkt am Anfang der fast zehn Kilometer langen Strecke. Dazu kam die geradezu mörderische Hitze. Steffi Buss litt. "Mir ging es gar nicht gut." Stefanie Buss holte sich in Berchtesgaden zum zweiten Mal den Deutschen Meistertitel im Berglauf. -->

Ihre Hauptkonkurrentin Ellen Schöner von der LG Regensburg schien recht früh auf Nimmerwiedersehen enteilt, dafür rückten die Verfolger bedrohlich nah. Die Düsseldorferin dachte sogar an Aufgabe. Schluss mit der elenden Plackerei. Ein verführerischer Gedanke. Doch nicht für Steffi Buss. "Ich konnte mich doch nicht einfach an den Rand setzen und heulen." Sie riss sich zusammen und als ihr zur Hälfte ein netter Streckenposten herrlich kühles Wasser ins Gesicht spritzte, kehrte die längst verloren geglaubte Energie zurück.

Es lief wieder. Doch als Ellen Schöner am Horizont auftauchte, kam die Angst. Würden die Kräfte reichen? "Mein Herz raste, die Nervosität war fast schlimmer als die Anstrengung." Sie traute sich nicht mehr nach oben zu gucken, richtete den Blick statt dessen stur auf den Boden und zählte die Blümchen ..... Ihrer Rivalin ging es offenbar auch nicht besser, denn ihr Vorsprung, der zwischenzeitlich mal auf fast zwei Minuten angewachsen war, schrumpfte Schritt für Schritt. Steffi Buss schloss auf und zog vorbei.

Doch die Unruhe wollte partout nicht weichen. "Als in der Nähe des Ziels plötzlich wieder Zuschauer auftauchten, hat mich das noch nervöser gemacht. Ich hatte Angst, dass die mich doch noch kriegt." Auch die Beine wollten nicht mehr. "Ich war so kaputt." Fünfzig Meter vor Schluss ging dann eigentlich gar nichts mehr. "Ich hatte mir schon ausgerechnet, den Rest der Strecke zu gehen." Es reichte. Nach 1:01,44 Stunde harter Arbeit blieb für emotionale Ausbrüche jedoch kein Raum.

"Bei meinem ersten Sieg vor zwei Jahren habe ich im Ziel noch geheult. Jetzt kam die Freude viel später, als ich Freunden, Bekannten, Teamkollegen, Trainern und den Presseleuten davon erzählte." Hinterher, verrät sie lachend, "habe ich mich gar nicht mehr getraut wieder 'runterzugehen. Da habe ich erst registriert, wie steil das eigentlich war." Stellt sich die Frage, wie man am flachen Niederrhein für einen Berglauf mit stolzen 1200 Höhenmetern und einer durchschnittlichen Steigung von zwölf Prozent eigentlich trainiert. Ganz einfach. "Ich laufe ganz normal im Wald."

Ausgeklügelte Trainingspläne kennt die freiberuflich tätige Fremdsprachentrainerin für Erwachsene ebenfalls nicht. "Ich hab's nicht so mit Zahlen und Zeiten." Mit Autos im Übrigen auch nicht, zu ihren Terminen fährt sie entweder mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. So auch zur Europameisterschaft am 6. Juli in Trento/Italien. Darauf freut sie sich, "denn da stehe ich nicht so unter Druck, weil ich weiß, dass ich nicht vorne landen muss." Dirk Sitterle

Quelle: NGZ
 
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