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Ngz-Sportlerin Des Monats Juli Felicitas Merker
Vize-Europameisterin hat noch große Ziele

Ngz-Sportlerin Des Monats Juli Felicitas Merker: Vize-Europameisterin hat noch große Ziele
Auf dem Weg zu ihrem bisher größten Erfolg: Felicitas Merker (r.) gewinnt bei der Gehörlosen-Europameisterschaft die Silbermedaille im Siebenkampf. FOTO: privat
Neuss. Felicitas Merker trainiert seit ihrem zwölften Lebensjahr. Die Bundesjugendspiele brachten die Gehörlosen-Sportlerin zur Leichtathletik. Von Hannah Nehrig

Eine grüne Ampel bedeutet für Felicitas Merker immer Vollgas. Denn statt mit einem Startschuss wird der Start bei Wettkämpfen der Gehörlosen über eine optische Ampel angezeigt. "Diese befindet sich vor einem auf der Startlinie, so dass man sie bequem aus der Startposition sehen kann," erzählt die Leichtathletin des TSV Bayer Dormagen und der DJK Rheinkraft Neuss. Bei den Wettkämpfen muss sie ihre Hörhilfen ablegen, doch die Umstellung macht ihr nichts aus - im Gegenteil: "Ich trainiere zwar meistens mit Hörhilfen, doch im Wettkampf kann ich mich ohne sie besser konzentrieren."

Der NGZ-Sportlerin des Monats Juli gelang bei den 9. Gehörlosen Europameisterschaften im polnischen Bydgoszcz ihr bisher größter Erfolg. Mit fünf neuen persönlichen Bestleistungen absolvierte die 23-jährige den Siebenkampf ihres Lebens und wurde Zweite. "Ich war gut drauf und wusste, was auf mich zu kommt. Allerdings habe ich erst zu Hause realisiert, dass ich wirklich Vizeeuropameisterin geworden bin. Die Auszeichnung als Sportlerin des Monats freut mich sehr und bestätigt meine gute Leistung," sagt Merker, die von DJK- und Bundestrainer Guido Kluth während der EM betreut wurde. "Schon die Stimmung bei der Vorbereitung im Trainingslager in Bad Blankenburg war super und auch während des Wettkampfs hat mich mein Team angefeuert und unterstützt."

Mit dem Endergebnis von 4152 Punkten knackte die Drittplatzierte der NGZ-Sportlerwahl des Jahres 2013 endlich die 4000er-Marke und fast wäre bei der letzten Disziplin, den 800 Metern, noch ein Deutscher Rekord drin gewesen. "Es war ein rundum gelungener Wettkampf und ich bin mehr als zufrieden," erzählt die Studentin der Deutschen Sporthochschule Köln. Nun genießt sie noch ein wenig die freie Zeit, bevor es bald wieder mit dem Training losgeht. "Ich trainiere fünf bis sechs Mal in der Woche. Meistens fahre ich dafür zum TSV nach Dormagen. Doch wenn es mit der Uni mal was stressiger ist, bekomme ich den Trainingsplan von meinen Heimtrainer zugeschickt, den ich dann in Köln abarbeite."

Im Oktober startet Felicitas, die von allen nur "Fee" genannt wird, in das sechste Semester im Studiengang Sport und Leistung. Im Sportstudium muss sie auch Prüfungen in verschiedenen anderen Sportarten absolvieren. "Handball liegt mir gar nicht. Zum einen wegen der Brutalität, aber auch, weil ich körperliche Kontakte nicht gewohnt bin, da Leichtathletik eine Individualsportart ist," erzählt sie lachend, "ab und zu gibt es auch mal Verständigungsprobleme wie zum Beispiel im Schwimmkurs. Im Wasser muss ich meine Hörhilfen ablegen, aber die Dozentin und meine Kommilitonen haben viel Rücksicht auf mich genommen und mir die Aufgabenstellung erklärt."

Spezialisiert hat sich die Neu-Kölnerin aber auch im Studium auf Leichtathletik. "Wir haben an der Hochschule die Möglichkeit, einen Trainerschein zu erwerben. Diesen möchte ich im Fach Leichtathletik machen, da ich gerne meine nationalen und internationalen Erfahrungen weitergeben möchte." Ein großes Ziel für die Studentin sind die Weltspiele der Gehörlosen, die Deaflympics 2017. Zwischenschritte auf dem Weg dahin sind die Hallen-EM im März und die Weltmeisterschaft, die Merker fest im Visier hat.

Info Den Trainingsgutschein der medicoreha Neuss, Preußenstraße, gewinnt Angelika Jagusch aus Neuss.

Quelle: NGZ
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