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Von der 18-Loch-Bahn ins Zoo-Stadion

Lokalsport: Von der 18-Loch-Bahn ins Zoo-Stadion
Im Pokalspiel des Wuppertaler SV gegen SW Essen gerieten Sebastian Michalsky und WSV-Trainer Stefan Vollmerhausen aneinander. Kurz vor Weihnachten versöhnten sich die beiden Streithähne im Stadion am Zoo. Als Bahnengolfer war Vollmerhausen (mit Brille) viel entspannter. FOTO: Jochen Classen (2), Klaus Göntzsche
Wuppertal. Am Sonntag empfängt Fußball-Oberligist SC Kapellen im Erftstadion Tabellenführer Wuppertaler SV. Der ehemalige Bundesligist ist genau wie sein impulsiver Trainer Stefan Vollmerhausen immer für eine interessante Geschichte gut. Von Klaus Göntzsche

Zum Match gegen den SC Kapellen am Sonntag im Erftstadion (15 Uhr) bringt der Wuppertaler SV, souveräner Spitzenreiter der Fußball-Oberliga Niederrhein, voraussichtlich nicht nur mehr als 1500 Zuschauer, sondern auch Stefan Vollmerhausen mit. Auch der Trainer des UEFA-Cup-Teilnehmers von 1973 hat eine ungewöhnliche sportliche Vita aufzuweisen.

Bei Stefan Vollmerhausen begann es nicht wie bei vielen anderen Protagonisten der kickenden Zunft nur auf einem Ascheplatz, sondern auf einer Minigolf-Bahn. Es war ein besonderes Stück im Leben des temperamentvollen Trainers, der erst kürzlich eine Fünf-Spiele-Sperre auf der Tribüne abbrummte, weil er im Pokalspiel am Uhlenkrug gegen Schwarz-Weiß Essen dem gegnerischen Kapitän Sebastian Michalsky körperlich allzu nah kam. Die Essener warfen dem WSV-Coach sogar vor, ihren Spieler gewürgt zu haben. Bei der öffentlichen Versöhnung im Stadion am Zoo sagte Vollmerhausen: "Ich habe einen Fehler gemacht. Mir war es wichtig, Sebastian in einem persönlichen Gespräch mitzuteilen, dass mir der Vorfall sehr leid tut. Im Nachgang hat er sich als sehr fairer Sportsmann erwiesen und ist nicht auf den Zug des Medienrummels aufgesprungen." Für den in Neuss geborenen und fußballerisch bei der DJK Gnadental und dem TSV Norf aufgewachsenen Michalsky freilich keine große Sache: "Als Fußballer sind Dinge, die auf dem Platz passieren, danach für mich vergessen."

Die Sportanlage, auf der Stefan Vollmerhausen seine ersten Erfolge feierte, existiert seit dem Jahre 2001 nicht mehr. Es waren die 18 Bahnen der heimeligen Anlage des Wuppertaler Bahnengolf-Vereins (WBV) an der Hatzfelder Straße in Barmen. Der damals 20-Jährige zählte zu den zuverlässigen Stützen der Sechser-Mannschaft, die 1993 in Lünen gegen den SuS Witten den Aufstieg in die 3. Liga schaffte: in sechs Runden mit einem Schnitt von 26,3 Schlägen auf den 18 Bahnen. Seine Bestleistung hat er auch nach über 20 Jahren nicht vergessen: "Auf unserer Heimanlage habe ich mehrmals 21 Schläge auf den 18 Bahnen geschafft." Der Bahnrekord stand sogar bei 19 Schlägen: 17 Asse und einmal zwei Versuche bis zum Einlochen.

Für Stefan Vollmerhausen (43) war es eine besondere Zeit seines Lebens, keine einfache Phase mit Problemen im Elternhaus. Heute sagt er: "Deshalb waren die Zeiten in den Sportvereinen für mein Leben prägend. Ich habe dort sehr viel Halt und Zuneigung erfahren. Ganz besonders aber beim Bahnengolf. Eckehard Hoffmann als Vorsitzender und Vaterfigur hat sich wunderbar um mich gekümmert, nicht nur auf der Anlage. Außerdem war und ist dieser Sport wichtig für das Konzentrationsvermögen, denn nur bei ständig voller Konzentration war man auch gut. Bei mir kam hinzu, dass ich von allen Jugendlichen die meiste Zeit auf der Anlage verbracht habe und jede Bahn in- und auswendig kannte." Der Weg dahin führte häufig auf dem Rücksitz eines Suzuki-Choppers des Kumpels Andreas Grzeski mit dem Schläger auf dem Rücken und oft auch über die Autobahnen zu den Turnieren.

Vollmerhausen: "Die Turniere fanden meist weit entfernt von Wuppertal statt und diese Touren fand ich immer besonders gut. Zumal in den Mannschaften ein angenehmes Miteinander von Jung und Alt herrschte." Zu einigen seiner Mitspieler hat der WSV-Trainer bis heute Kontakte. Seine hoffnungsvolle Bahnengolf-Laufbahn ging nach vier erfolgreichen Jahren mit fast 40 Turnieren trotzdem zu Ende: "Ich habe parallel schon damals bei Schwarz-Weiß Wuppertal Fußball gespielt. Irgendwann ging das zeitlich nicht mehr übereinander."

Nach dem Aufstieg mit der Bahnengolf-Truppe ist nun die Rückkehr des WSV in die Regionalliga angepeilt. Es wäre für Vollmerhausen ein weiterer Erfolg seiner Fußball-Trainerkarriere. Immerhin hielt er die A-Jugend des WSV einige Jahre in der Bundesliga. Trotz der Konkurrenz mächtiger und finanzstarker Bundesligavereine. In der 355.000-Einwohner-Stadt Wuppertal wäre man schon froh, wenn es im nächsten Jahr nicht mehr die 5. Liga wäre.

Quelle: NGZ
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