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Lokalsport
„Weltmeister im Verdrängen“
Lokalsport: „Weltmeister im Verdrängen“
Ein Mann und sein Buch: Ralf Meutgens und „Doping im Radsport“. FOTO: NGZ
 „Doping im Radsport“ - das Thema lässt Ralf Meutgens nicht los: „Eigentlich beschäftige ich mich mit dieser Problematik seit Ende der achtziger Jahre.“ Da lebte der heute 47-Jährige in Neuss, war Radsportler - „meine Familie ist mit Willi Franssen verwandt, da lag das nahe“ - später Honorartrainer im Radsportverband NRW und in der Trainerausbildung tätig.

„Aber ich war immer sehr kritisch“, sagt Meutgens über sich selbst, „ich war in der Szene als der einzig soziale Trainer bekannt, aber auch als das schwarze Schaf.“ Diese Rolle hat er beibehalten, seit er 1994 den, wie es im Klappentext seines Buches heißt, „Seiteneinstieg in den Journalismus mit Schwerpunkten Sport, Medizin und Gesundheit“ wagte. Inzwischen schreibt er für die FAZ, verfasst Beiträge für Deutschlandfunk und Spiegel online. Mit Ralf Meutgens sprach NGZ-Sportredakteur Volker Koch.

Herr Meutgens, sind Sie mit Ihrem Buch auf einen fahrenden Popularitätszug aufgesprungen, der durch Jan Ullrich und ganz aktuell Ivan Basso weiter Schwung bekommen hat?

Ralf Meutgens Ich beschäftige mich mit dieser Thematik seit Ende der achtziger Jahre. Schon als Fahrer und später als Trainer hieß meine Devise: „Gesundheit trotz Leistungssport.“ Das hat schon damals zu Differenzen mit dem Bund Deutscher Radfahrer geführt, an denen sich übrigens nichts geändert hat, obwohl jetzt bereits der vierte BDR-Präsident in dieser Zeit im Amt ist. Natürlich ist Doping im Radsport im Moment ein populäres Thema, aber mein Buch geht nicht mit prominenten Enthüllungen auf den Markt.

Warum ausgerechnet Radsport?

Meutgens Weil es die Sportart ist, in der ich mich am besten auskenne. Radsport steht aber nur stellvertretend für große Teile des Leistungssports und der steht wiederum stellvertretend für große Teile der Gesellschaft. Professor Hollmann hat schon vor 40 Jahren gesagt, wer sich einen Sport ohne Doping vorstellen kann der kann sich auch eine Gesellschaft ohne Kriminalität vorstellen.

Geht der Radsport an dieser Problematik zugrunde?

Meutgens Radsport ist nach wie vor eine tolle Sportart. Er hat auch noch Chancen, aber ich glaube nicht, dass er das aus eigener Kraft schaffen kann. Nicht mal die Häufung von Todesfällen in den letzten Jahren hat richtig wachgerüttelt.Der Radsport ist doch Weltmeister im Verdrängen.

Was hilft denn dann?

Meutgens Nur eine Strukturänderung. Und die setzt eine Personaländerung voraus. Alte Köpfe müssen rollen, damit neue Kräfte ’rangelassen werden. Die Politik kann das unterstützen, indem sie nur noch Sportverbände mit öffentlichen Mitteln unterstützt, die nachweislich etwas zur Dopingprävention tun. Mit Kontrollen allein ist es nicht getan.

Ist Hilfe von den Sponsoren der großen Teams zu erwarten? Die sprechen doch jetzt vom sauberen Sport? Oder sind das nur Lippenbekenntnisse?

Meutgens Meiner Meinung nach ja. Festina hat doch nach dem mit ihrem Namen verbundenen Skandal mehr verkauft als vorher. Gerolsteiner hat sein Ziel, die Nummer eins im Mineralwassermarkt zu werden, erreicht. Warum sollte es denen jetzt plötzlich um Moral gehen? Das würde nur geschehen, wenn das Fernsehen nicht mehr über Radsport berichten oder keiner mehr Gerolsteiner trinken würde. Und beides wird nicht passieren.

Quelle: NGZ
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