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Wenn Handballspiele zur Strapaze werden

Lokalsport: Wenn Handballspiele zur Strapaze werden
In der 2. Handball-Bundesliga wird mit harten Bandagen gekämpft, das bekommt hier Johnny Eisenkrätzer zu spüren. Heute wird das kaum anders sein. FOTO: HJZ
Dormagen. Zweitligist Bayer Dormagen ist heute schon extrem gefordert, ehe das Spiel beim EHV Aue beginnt: Auf dem Plan stehen 530 Bus-Kilometer. Von Volker Koch

Es war der 11. November 2011, ein Freitag, als Bernd und Reiner Methe auf der Bundesstraße 463 bei Empfingen tödlich verunglückten. Die Zwillinge waren auf dem Weg zum Bundesligaspiel zwischen HBW Balingen-Weilstetten und SC Magdeburg, das das erfahrene Schiedsrichtergespann an diesem Abend leiten sollte.

Die Bestürzung und das Entsetzen in Handball-Deutschland waren groß. Und weil viele nicht zu Unrecht das (tödliche) Unfallrisiko mit den Freitags stets chaotischen Verkehrsverhältnissen auf deutschen Straßen in Verbindung brachten, wollte die Handball-Bundesliga (HBL) künftig keine Meisterschaftsspiele an einem Freitagabend mehr genehmigen.

Das ist viereinhalb Jahre her. Heute Abend, an einem Freitag, müssen 16 der 21 Zweitligisten zu einem Meisterschaftsspiel auflaufen. Pflichtgemäß, weil die HBL den 36. Spieltag auf einen Freitagabend gelegt hat. Der Grund: Am Samstag und Sonntag wird in Hamburg das Final-Four-Turnier um den DHB-Pokal ausgetragen. Warum deshalb nicht gleichzeitig im 500 Kilometer entfernten Aue, in Coburg (480 Kilometer) oder Erlangen (590 Kilometer) Handball-Zweitligaspiele ausgetragen werden dürfen, wird das Geheimnis der HBL bleiben. So machen sich also heute Dutzende von Zweitliga-Handballern über Stau-geplagte Autobahnen auf den Weg quer durch die Republik: von Springe nach Bietigheim (470 Kilometer), von Nordhorn nach Erlangen (530 Kilometer), von Wilhelmshaven nach Coburg (550 Kilometer), von Henstedt nach Neuhausen (730 Kilometer) - wobei die nächtliche Rückfahrt in den Entfernungsangaben nicht einmal berücksichtigt ist.

Oder von Dormagen in die Erzgebirgshalle in Lößnitz, wo um 19 Uhr das Gastspiel des TSV Bayer beim EHV Aue angepfiffen wird. Das sind 530 Kilometer. Abfahrt ist um 9.30 Uhr. "Ich hoffe, dass wir rechtzeitig zum Warmmachen da sind und zwischendurch noch genügend Zeit haben, ein paar Pausen einzulegen", sagt Interimstrainer Tobias Plaz. Sicher ist er sich nicht: "Keine Ahnung, was an einem Freitag auf den Autobahnen in diese Richtung los ist. Und wie das Wetter wird - vielleicht schneit es ja unterwegs." Über die Terminansetzung schüttelt er zwar den Kopf. Doch deswegen Frust zu schieben, ist seine Sache nicht. Im Gegenteil, er versucht, aus der Lage noch ein paar zusätzliche Prozent an Motivation im Abstiegskampf herauszukitzeln: "Wir haben doch keine Lust, insgesamt 20 Stunden unterwegs zu sein, um uns dann kampflos zu ergeben."

Wobei die Motivation nicht das Problem des Tabellenvorletzten ist, seit Tobias Plaz und Erik Wudtke das Kommando auf der Bank übernommen haben. "Uns ist es ja auch gelungen, uns nach dem schwachen Auftritt in Neuhausen zwei Tage später gegen Minden erheblich zu steigern", sagt Plaz rückblickend auf das gleichfalls strapaziöse vergangene Wochenende mit dem inzwischen von der Mehrzahl der Trainer kritisierten Doppelspieltag, "vielleicht schaffen wir es ja, in Aue noch ein Quäntchen draufzupacken." Das wird nötig sein, denn der EHV ist in der Erzgebirgshalle eine Macht: Gerade mal fünf Punkte gab er dort ab, kassierte Niederlagen nur gegen die Spitzenteams aus Erlangen (25:29) und Friesenheim (24:26).

Übrigens: Die Schiedsrichter Manuel Borchardt und Lukas Grude (beide 22) haben es heute nicht ganz so weit. Von Altlandsberg und Hennickendorf nach Lößnitz sind es schlappe 300 Kilometer.

Quelle: NGZ
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