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Lokalsport
Wenn nur das Miteinander zählt

Lokalsport: Wenn nur das Miteinander zählt
Ein starkes Team: Trainer Thomas Gindra (links unten) und Moderator André Scheidt (rechts unten) mit den Läufern der Gemeinnützigen Werkstätten Neuss (GWN) beim 31. Sommernachslauf 2013. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Auch beim 33. Neusser Sommernachtslauf der Turngemeinde Neuss spielt der Inklusionsgedanke eine wichtige Rolle. Von Stephan Glasmacher

Wenn heute ab 16 Uhr wahrscheinlich mehr als 4000 Sportler durch die Neusser Innenstadt laufen und von jubelnden Zuschauern am Streckenrand angefeuert werden, gehen beim Lauf um den "Friedhelm-Hamacher-Preis" Athleten mit und ohne Behinderung an den Start. Denn der 33. Neusser Sommernachtslauf bietet ab 20.45 Uhr neben den Wettbewerben für Schüler, Staffeln und Jedermann auch den fünf Kilometer langen Inklusionslauf für Teilnehmer mit und ohne geistige Behinderung an. Bis gestern Abend waren mehr als 40 Läufer der Gemeinnützigen Werkstätten Neuss (GWN) und der Lebenshilfe Neuss gemeldet.

"Die Resonanz in diesem Jahr ist groß", sagt GWN-Sportlehrer Thomas Gindra. Beim Inklusionslauf werden die Läufer mit geistiger Behinderung von Sportlern ohne Handicap begleitet. Sie kontrollieren das Tempo. "Manche Athleten müssen sogar von ihnen gebremst werden, damit sie nicht zu schnell loslaufen", verrät Gindra und verweist damit auf die hohe Motivation und den großen Ehrgeiz seiner Schützlinge. Was ihn besonders freut: Unter den Begleitläufern befänden sich sowohl Athleten, die erst durch den Inklusionslauf zum Sommernachtslauf gekommen seien, als auch prominente Teilnehmer wie der Neusser Sozial- und Sportdezernent Stefan Hahn. Auch die Führungsetage der GWN sei durch Cornelia Broch, die Pädagogische Leiterin, vertreten. "Die meisten Begleitläufer der vergangenen Jahre machen in diesem Jahr wieder mit", sagt Gindra, der als Vorstandsmitglied der TG Neuss die Siegerehrungen moderieren wird. "In den letzten Jahren hat es ihnen viel Spaß gemacht, das Feedback war positiv."

So betrachtet er es als Erfolg, dass der damalige Behindertenlauf vor zwei Jahren zu einem Inklusionslauf und somit für alle Teilnehmer geöffnet wurde - sowohl für die Athleten mit geistiger Behinderung als auch für die Begleitläufer. "Sportler mit einem Handicap, die vorher nicht am Behindertenlauf teilgenommen haben, machen nun mit", stellt Gindra erfreut fest. Er spüre schon jetzt die Vorfreude seiner Athleten auf den Sommernachtslauf. "Für sie ist es ein ganz tolles Gefühl, wenn sie beim Laufen von hunderten Zuschauern angefeuert und bejubelt werden."

Morgen Abend zollt die TG indes nicht nur mit dem Inklusionslauf dem integrativen Gedanken Tribut, sondern auch mit der abschließenden Staffel: Mindestens zwei Teams werden von je zwei Läufern ohne und mit geistiger Behinderung gebildet.

Für die Läufer, die sich in den vergangenen Wochen individuell auf den Sommernachtslauf vorbereitet haben, sind die Ergebnisse dabei zumeist nebensächlich. "Das Dabeisein und die gemeinsame Freude sind am wichtigsten", unterstreicht Gindra den Grundgedanken der Inklusion.

Der GWN-Sportlehrer glaubt, dass die Einführung des Inklusionslaufes ein Schritt in die richtige Richtung sei. "Damit hat man ein Zeichen gesetzt und mehr Sportler mit geistiger Behinderung zur Teilnahme bewegt", ist er sich sicher. Gindra hofft darüber hinaus, dass in diesem Bereich irgendwann keine Unterschiede mehr gemacht werden. Insofern misst er dem Inklusionslauf eine große Bedeutung bei. "Hier spielt die Behinderung keine Rolle, sondern nur das Miteinander." Ein Gedanke, der Friedhelm Hamacher bestimmt gefallen hätte, denn der 2008 verstorbene ehemalige Vorsitzende des Neusser Radfahrervereins hatte ein Herz aus Gold.

Quelle: NGZ
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