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Olaf Kawald
"Wichtige Etappe auf dem Weg nach Rio"

Olaf Kawald: "Wichtige Etappe auf dem Weg nach Rio"
Disziplintrainer Säbel im Deutschen Fechterbund: Olaf Kawald. FOTO: Archiv
Neuss. Montreux ist eher für Musik berühmt, 1971 nahmen hier Deep Purple "Smoke on the water" auf. Am Freitag beginnen hier die Fecht-Europameisterschaften, bei denen der TSV Bayer Dormagen im Herrensäbel auf eine oder mehrere Medaillen hofft. Von Volker Koch

Dormagen Dort, wo am 4. Dezember 1971 während eines Konzerts von Frank Zappa das Casino abbrannte, was Deep Purple zu ihrem Welthit "Smoke on the water" inspirierte, wollen die Säbelfechter des TSV Bayer Dormagen nach Edelmetall greifen: Am Freitag beginnen im Montreux Music and Convention Center im schweizerischen Montreux die Fecht-Europameisterschaften.

Zwei Athletinnen und fünf Aktive des TSV Bayer Dormagen haben sich qualifiziert, die größten Hoffnungen ruhen auf Einzel- (Entscheidung am Montag) und Mannschafts-Wettbewerb (Entscheidung am Donnerstag), in den die Dormagener als aktueller Mannschafts-Weltmeister und Bronzemedaillengewinner des Vorjahres gehen. Die NGZ sprach über die Aussichten und den Stellenwert der Europameisterschaften im vorolympischen Jahr mit Olaf Kawald. Der Dormagener ist Disziplintrainer Säbel beim Deutschen Fechterbund und Fechtkoordinator beim TSV Bayer Dormagen.

Herr Kawald, beim Stichwort Montreux denkt man vor allem an Musik - "Smoke on the water" und das berühmte Jazzfestival - aber sicher nicht ans Fechten. Wie kommen die Europameisterschaften dorthin?

Olaf Kawald Vielleicht hat das damit zu tun, dass wir Fechter auch Künstler sind. Nein, im Ernst, ich weiß nicht, nach welchen Kriterien der Europäische Fechterbund die Ausrichter von Europameisterschaften aussucht. Ich denke, die Auswahl ist auch nicht so groß, die werden froh sein, wenn sich überhaupt einer findet.

Wäre das unter diesen Umständen nicht etwas für den TSV Bayer Dormagen?

Kawald Für uns ist das eine Nummer zu groß. Europa- und Weltmeisterschaften sind meist ein Verlustgeschäft, das lässt sich finanziell nur durch Zuschüsse von Kommunen, Ländern oder Bund kompensieren - und diese Möglichkeiten sehe ich hier nicht. Es ist kein Zufall, dass die Weltmeisterschaft 2017 wieder in Leipzig stattfindet, das scheint mir die einzige deutsche Stadt zu sein, die so etwas stemmen kann, weil man dort offenbar stark auf die Karte Sport setzt.

Kommen wir auch zum Sport. Wie sind die Aussichten und Erwartungen Ihrer Fechter für Montreux? Die "Generalprobe" am vergangenen Wochenende mit Platz zwei für Matyas Szabo beim Grand Prix in Moskau kann man ja wohl als gelungen bezeichnen.

Kawald Aus jeden Fall. Platz zwei bei einem solchen Turnier ist eine Hausnummer. Um so mehr, als Matyas nach seinem Kreuzbandanriss ja noch gar nicht so lange wieder im Training ist. In Richtung Olympiaqualifikation hat er damit gewisse Ansprüche angemeldet.

Nicht die einzige gute Platzierung für einen Dormagener Säbelfechter in dieser Weltcup-Saison. Was auffällt, ist allerdings, dass immer ein anderer auf dem Podestplatz steht.

Kawald Das ist richtig. Das hat aber weniger damit zu tun, dass unseren Fechtern die Konstanz fehlt. Sondern damit, dass die Weltspitze größer geworden ist. Da ist es inzwischen ganz leicht möglich, dass ein Top-Fechter schon in der Runde der besten 64 ausscheidet. Nehmen Sie das Beispiel Moskau: Da hat Benedikt Wagner nur mit 14:15 gegen Aldo Montano verloren, den Olympiasieger von Athen 2004 und Weltmeister von 2011. An sich eine Riesenleistung, doch das reichte eben nur zu Platz 59.

Insgesamt sind sie aber mit dem bisherigen Saisonverlauf nicht unzufrieden?

Kawald Ganz und gar nicht. Nicolas Limbach und Max Hartung sind im Moment auf Platz elf und zwölf in der Rangliste für die Olympiaqualifikation, das ist zu diesem Zeitpunkt schon gut. Und über Matyas Szabo haben wir ja schon gesprochen.

Nur Benedikt Wagner scheint da etwas abzufallen.

Kawald Das täuscht. Ihm fehlt im Moment nur das große Ergebnis, aber mit ihm ist immer zu rechnen.

Die Europameisterschaften stehen sonst immer im Schatten der WM. Ist das im vorolympischen Jahr anders?

Kawald Ein bisschen schon, denn die EM zählt auch für die Olympia-Qualifikation. Und weil da die Koreaner und Amerikaner fehlen, kann man ganz gut Punkte sammeln, vor allem, wenn man direkte Konkurrenten eliminiert. Bei einer EM wird aber nach einem anderen System gefochten als sonst: Es gibt keine Setzliste, das heißt, auch die Top-Fechter müssen erst einmal in die Gruppenausscheidungen - und da hat es schon manche Überraschungen gegeben.

Wegen der Olympia-Qualifikation liegt der Fokus diesmal eindeutig auf dem Einzelwettbewerb.

Kawald Ganz klar. Aber das heißt, dass wir den Teamwettbewerb nicht ernst nehmen würden. Ganz im Gegenteil: Wir brauchen die mannschaftliche Geschlossenheit, damit sich möglichst zwei unserer Fechter für die Olympischen Spiele qualifizieren.

Trotzdem tritt Nicolas Limbach nur im Einzel an.

Kawald Das hat allein studientechnische Gründe. Er muss nach dem Einzelwettbewerb am Montag so schnell wie möglich zurück in sein Auslandssemester in den USA. Es war schon schwierig genug, überhaupt eine Freistellung zu bekommen - die amerikanischen Unis sind da ziemlich rigoros.

Quelle: NGZ
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