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Janina Pils
"Wir müssen noch professioneller werden"

Neuss. Die 33 Jahre alte Trainerin hat ihren Vertrag beim Basketball-Zweitligisten TG Neuss Tigers verlängert und geht damit in ihre fünfte Saison.

Frau Pils, das bittere Aus im Play-off-Halbfinale in Wolfenbüttel liegt jetzt anderthalb Monate zurück. Tut's immer noch weh?

Janina Pils Natürlich habe ich, hat das Team diesen Moment, als plötzlich alles vorbei war, nicht vergessen. Ganz ehrlich, das war ein bisschen wie sterben. So haben wir das wirklich empfunden.

FOTO: WoRo

Unabhängig davon blicken Sie mit ihrer Mannschaft auf ein fantastisches Jahr zurück. Hat Sie nicht der Gedanke gereizt, sich nach vier famosen Zweitliga-Jahren mit der Vizemeisterschaft aus Neuss zu verabschieden?

Pils Nein. So lange ich hier noch etwas bewegen kann, gibt es für mich keinen Grund aufzuhören. Ich bin selber stark daran interessiert, das fortzuführen, was ich mit aufgebaut habe. Außerdem bin ich gerne in Neuss. Das Umfeld ist toll.

Aber Ihr Lehramtsstudium in den Fächern Sport und Biologie an der Universität in Bochum neigt sich dem Ende zu. Dazu die ständige Pendelei zwischen Ihrem Wohnort Oberhausen und Neuss. Sie haben mal gesagt, dass Sie alles nur zu 100 Prozent oder gar nicht machen wollen. Wird das nicht allmählich zu stressig?

Pils Ganz klar, gegen Ende der Saison wirst du schon ein wenig müde. Das Gute war aber, dass wir sehr viel gewonnen haben. Das macht alles leichter.

Aber ihre herausragende Arbeit in Neuss hat sich sicherlich bei der (zahlungskräftigeren) Konkurrenz herumgesprochen. Gab es Angebote?

Pils Ich bin so gar nicht auf Geld gepolt. Das ist nicht mein Hauptjob. Ich gucke nicht, ob ich woanders 100 oder 200 Euro mehr bekomme. Mir sind andere Dinge wichtig.

Was denn zum Beispiel?

Pils Ich habe unserem Geschäftsführer Klaus Ehren eine Liste mit 20 Punkten vorgelegt, die ich gerne erfüllt sähe. Aber da steht jetzt nicht: Ich brauche drei Amerikanerinnen oder ich möchte 500 Euro mehr bekommen. Mir geht es vor allem darum, unsere Strukturen insgesamt professioneller zu machen.

Was heißt das konkret?

Pils Wir haben zum Beispiel die Kooperation mit dem Neusser Fitness-Studio "CORe" ausgeweitet. Bislang konnten dort nur Kita Waller und Karly Roser trainieren, jetzt ist die Mitgliedschaft auf fast die ganze Mannschaft ausgeweitet worden. Unter Kita Waller soll auch die Betreuung der Schul-AG's intensiviert werden. Wir wollen bei unseren Heimspielen die "Street-Cheers", das Cheerleading-Team der Turngemeinde Neuss, noch stärker einbinden. Die sind nämlich richtig gut. Das sind jetzt alles keine Riesensachen, helfen uns aber in unserer Entwicklung.

Aber der Erfolg steht und fällt mit dem Personal. Kita Waller hat ihren Vertrag schon verlängert. Wie ist der aktuelle Stand?

Pils Grundsätzlich möchte ich betonen, dass die erfolgreiche Mannschaft weiter Bestand haben wird. Ein dickes Fragezeichen steht nur hinter Mara Höfer, die beruflich so stark eingespannt ist, dass sie vielleicht sogar wieder ganz aufhört.

Also?

Pils Neben Kita bleiben Franzi Worthmann und Jana Heinrich auf jeden Fall bei uns.

Sicherlich gute Nachrichten, wobei Worthmann in der vergangenen Saison berufsbedingt weit unter ihren Möglichkeiten geblieben ist.

Pils Das stimmt. Aber sie hat inzwischen ihren Job gewechselt und ist von Köln nach Düsseldorf gezogen. Sie steht dem Team jetzt komplett zur Verfügung. Im Nachhinein muss ich ihr für das vergangene Jahr ein großes Lob aussprechen: Es ist vorgekommen, dass sie nur für ein Spiel aus der Türkei nach Berlin geflogen ist und dann direkt wieder zurück. Sie hat sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt - selbst wenn sie mal nur fünf Minuten gespielt hat. Ihre Einstellung ist herausragend. Und das hat sie nur aus einem Grund getan: Aus Liebe zum Sport!

Jana Heinrich ist nach wie vor das Gesicht der Tigers, obwohl auch hinter ihr eine schwächere Saison liegt ..

Pils ... das sehe ich komplett anders. Sie hatte noch nie eine so gute Wurfquote wie in der letzten Saison. Dazu ist sie sehr intelligent. Der Hauptgrund, warum sie vielleicht nicht so auffällig gespielt hat, ist der, dass wir als Mannschaft extrem stark waren. Vor allem unsere erste Fünf war herausragend. Da fällt es eben schwerer, zu glänzen. Dass wir kaum auszurechnen waren, war unsere ganz große Stärke. Das soll so bleiben.

DIRK SITTERLE FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: NGZ
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