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Serie Adventskerzen (12)
Das Teelicht hat seinen Ursprung in Ostfriesland

Neuss. Etwa ein Drittel der gesamten Kerzenproduktion der EU verbrauchen die Deutschen. Besonders beliebt sind Teelichter. Anders als normale Kerzen werden sie aus Paraffin hergestellt.

Heutzutage werden Teelichter meist zu dekorativen Zwecken eingesetzt: in verzierten Gläsern oder Papiertüten, in Weihnachtspyramiden oder Windlichtern. In Kirchen werden sie auch als Opferkerzen genutzt. Dabei haben sie ursprünglich einen ganz anderen Sinn erfüllt: Sie dienten zum Warmhalten einer Teekanne auf einem Stövchen. So wie es in Ostfriesland nach wie vor Brauch ist.

Seit etwa drei Jahren gibt es wieder einen Trend zum Ostfriesentee - auch im Rheinland. Diese Erfahrung macht zumindest, Andrea Schmidt, Inhaberin von "TeeGschwendner" in Neuss. In ihrem Teegeschäft an der Niederstraße stellt sie fest: "Offenbar wollen viele, die Ostfriesland kennen, das Tee-Feeling auch nach Hause holen." Daher gibt es bei ihr nicht nur die typische Teemischung, sondern auch das Zubehör vom friesisch-blauen Service bis hin zum Sahnelöffel.

Für die klassische Ostfriesentee-Zeremonie benötigt man: zarte, kleine Tassen, Sahnekännchen mit dem "Rohmlepel" - ein spezieller Sahnelöffel, der beim Einfüllen eine Sahnewolke im Tee ermöglicht - einen Kluntjepott mit großen, weißen Kandisbrocken und einer Kluntjezange, zudem ein Stövchen und darin zum Warmhalten das Teelicht. Zum Nachbereiten der klassischen ostfriesischen Tee-Zeremonie eine kurze Anleitung: Während der Tee zieht, ein großes Stück Kandis in die Tasse legen. Wenn dieser ordentlich knackt, sobald eingeschenkt wird, ist der Tee heiß genug. Die Tasse nur halb vollgießen, damit noch eine Spitze des Kluntjes herausragt. Mit dem Sahnelöffel wird behutsam am Rand der Tasse entlang Sahne hineingegeben. Ganz wichtig: Auf keinen Fall umrühren! Der echte Genuss erschließt sich durch die drei Geschmacksfacetten: sanft, bitter und im Abgang zuckersüß. Dreimal ist Ostfriesenrecht - soll heißen: Drei Tassen Tee sind üblich. Erst dann kommt der bislang unberührte Teelöffel auf der Untertasse zum Einsatz. Wortlos wird er nach dem dritten Ostfriesentee in die Tasse gelegt. Dies genügt als Zeichen, dass keine weitere Tasse gewünscht wird.

Denn überflüssige Worte sind vielen Ostfriesen ein Graus. Als gebürtige Ostfriesin weiß die Autorin, wovon sie schreibt. Bärbel Broer

Quelle: NGZ
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