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Parkabtei in Leuven
Kloster in Flandern - Ort der Quirinus-Verehrung

Die Parkabtei in Leuven
Die Parkabtei in Leuven FOTO: Peter Fischer/Stadt Neuss
Neuss. Zugang verboten": Der Kreuzgang der Norbertinerabtei Abtei van Park ist noch eine Baustelle. Doch wer mit Stefan van Lani unterwegs ist, dem Geschäftsführer dieser Anlage, wird überrascht. Von Christoph Kleinau

In einem der bunten Glasfenster ist der Name "Quirinus" zu lesen - ein deutlicher Hinweis auf den Neusser Stadtpatron, der auch in diesem Kloster am grünen Stadtrand von Leuven seit Jahrhunderten Verehrung genießt. In der Klosterkirche, in der Pater Jozef van Osta als Prior der Abtei noch acht Prämonstratensermönche um sich scharen kann, steht natürlich eine Figur des Heiligen. Die Quirinus-Verehrung - sie ist ein positives Bindeglied in der Geschichte beider Städte, deren Schattenseite der 25. August 1914 markiert, als auch Soldaten des "Zweiten mobilen Landsturm-Infanterie-Bataillons Neuss" die flandrische Stadt Leuven in Schutt und Asche legten.

Dabei ging auch das Glockenspiel (Carillon) in der St.-Petri-Kirche unter, das jetzt als Friedensglockenspiel mit Beteiligung beider Städte wiedererstehen soll. Bürgermeister Reiner Breuer, der im Namen des Neusser Stadtrates die Stiftung einer der 40 Glocken für dieses Carillon zusagen konnte, hatte bei seinem (inzwischen zweiten) Besuch in Leuven darauf bestanden, erst die Parkabtei zu besichtigen, wo das Carillon seinen angestammten Platz wieder einnehmen soll. 1730 war es dort mit dem Bau des Kirchturmes entstanden, der die letzte entscheidende Bauphase darstellt. Eine Ansichtszeichnung des Klosterkomplexes aus dieser Zeit ist daher für Katrien Deckers, die als Architektin die Sanierung der Abtei leitet, sozusagen die Blaupause bei ihrer Arbeit.

Die Parkabtei gilt als eine der am besten erhaltenen Klosteranlagen Westeuropas. 1192 war es der Herzog von Brabant, der den Anstoß zur Klostergründung gab. Seitdem war es fast ununterbrochen in Ordensbesitz, betont van Lani. Die Sanierung der Anlage, die 2011 in eine Stiftung überführt wurde, wird im Wesentlichen von der Stadt und der Regierung Flanderns betrieben und ist nach Deckers Darstellung zu einem Drittel abgeschlossen. 2017 will sie sich der Klostermauer zuwenden, die Abtei und Wirtschaftshof umschließt. Fertig wird das Projekt frühestens 2025 sein.

Das Glockenspiel soll schon 2018 erklingen, am 100. Jahrestag des Kriegsendes. Es war durch ein Tauschgeschäft zwischen dem Orden und der Stadt in den Kirchturm St. Petri gekommen. Der Orden konnte die Glocken des minderwertigeren Glockenspiels dort zu Geld machen, erklärt Luc Rombouts der Delegation um den Neusser Bürgermeister. Dafür erhielt die Stadt im Tausch das schöne Carillon der Abtei. Nun soll es im Stil des 18. Jahrhunderts und mit originalgetreuem Spieltisch wiedererstehen - als derzeit einziges Friedensprojekt, das 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg ein Zeichen für grenzüberschreitende Versöhnung zwischen den Kriegsparteien setzen soll. Die Unesco, Gesellschaft für Kultur und Wissenschaft der Vereinten Nationen, unterstützt das Vorhaben.

Der Quirinus-Kult hat die Schötzejeselle schon vor Jahren zu einem Besuch in Leuven ermuntert. Seit mit der Aufarbeitung der Beteiligung von Neusser Soldaten an den Kriegsgräueln von 1914 begonnen wurde und sich daraus eine Zusammenarbeit der Kultureinrichtungen entwickelte, kamen noch andere Gruppen dazu. Die VHS oder das Forum Archiv und Geschichte organisierten schon - jeweils ausgebuchte - Ausflüge in die Stadt, die in zwei Autostunden zu erreichen ist. Abtei und Glockenspiel könnten künftig ein Muss bei solchen Besuchen werden.

Mehr zum Glockenspiel und der Frage, wie Neusser das Projekt auch mit einer Spende unterstützen können, im Internet unter www.friedensglockenLeuvenNeuss.eu

Quelle: NGZ
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