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Niederrheinischer Pflegekongress
Pflege-Preis für das Team von Til Schweiger

Neuss. Demenz und Glamour - wie passt das zusammen? Ganz einfach: Til Schweiger und Dieter Hallervorden haben mit dem Film "Honig im Kopf" das Problem "Demenz" bis jetzt rund sieben Millionen Kinobesuchern auf anrührende Weise vor Augen geführt. Kein Wunder, dass der "FOKUS:pflege-Preis" im Rahmen des 7. Niederrheinischen Pflegekongresses am Donnerstagabend in der Stadthalle vor 900 Teilnehmern an das Team um Til Schweiger vergeben wurde.

Die 1.500 Euro werden jungen Menschen aus schwierigen Verhältnissen zugute kommen. Zwar war Til Schweiger nicht persönlich erschienen, aber er grüßte und bedankte sich per Video-Botschaft. Den Preis nahm Hilly Martinek entgegen, die das Drehbuch zu "Honig im Kopf" geschrieben hatte. Sie beteiligte sich an der anschließenden Podiumsdiskussion ebenso wie die Gesundheitsministerin Barbara Steffens, Bettina Michel, die Tochter von Rudi Assauer, der Autor Erich Schützendorf sowie Wolfgang Pasch von der Fliedner-Hochschule Düsseldorf.

Moderator Sascha Rehag erfuhr von Hilly Martinek, dass ihr inzwischen verstorbener Vater schon sehr früh an Demenz erkrankt war. "Vater war bis zum Schluss zu Hause. Ich glaube, dass das nicht unbedingt gut war für ihn und meine Mutter", sagte sie. Es sei immer wieder aggressiv geworden. Bettina Michel vertrat eine andere Auffassung: Sie pflegt ihren Vater, den früheren Fußball-Manager Rudi Assauer, zu Hause: "Wir leben in einer schönen Wohngemeinschaft zusammen", erklärte sie.

Die Ministerin sprach sich dafür aus, an Demenz Erkrankte so lange wie möglich in ihrem vertrauten Umfeld zu betreuen. Allerdings: "Dort, wo die Angehörigen die Betreuung nicht mehr tragen können, muss es andere Formen geben." Pflegende Angehörige bräuchten mehr Unterstützung in ihrem Quartier, "um nicht so schnell auszubrennen". Wolfgang Pasch beklagte, dass die Krankenhäuser nicht auf so viele demente Patienten eingerichtet seien, sprach von einer "enormen Arbeitsverdichtung".

Seine Forderung: "Krankenhäuser müssen sehr viel mehr Individualität zulassen." Barbara Steffens sprach sich dafür aus, neu über das Selbstbestimmungsrecht der Dementen nachzudenken, mehr zuzulassen: So sei es in Ordnung, wenn die Erkrankten mit den Fingern essen. Erich Schützendorf warb als Hauptredner für einen unaufgeregten Umgang mit an Demenz Erkrankten. Demente seien "nur vergesslich, nicht bekloppt".

Rudolf Barnholt

Quelle: NGZ
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