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Rhein-Kreis Neuss
Stipendiatin hat nur Einser auf dem Zeugnis

Rhein-Kreis Neuss. Svetlana Chernyshova kam als Elfjährige nach Neuss. Nach dem Abi studierte sie mit Unterstützung vom Kreis - und das sehr erfolgreich. Von Christian Kandzorra

Als Migrant in einem fremden Land Abitur zu machen, zu studieren und anschließend auch noch zu promovieren - das ist schwierig, aber nicht unmöglich. Die 25-jährige Svetlana Chernyshova aus Neuss zeigt, dass es geht. Sie war im Jahr 2009 die erste Bürgerin, die vom Rhein-Kreis Neuss das sogenannte Migranten-Stipendium erhielt und mit dieser Unterstützung ins Studium startete.

Jetzt hat sie ihren Masterstudiengang in Kultur- und Medienwissenschaften mit durchgehend sehr guten Noten abgeschlossen - und zwar in der Regelstudienzeit von fünf Jahren. Obwohl sie gerade einmal drei Worte in Deutsch aussprechen konnte, als sie im Alter von elf Jahren mit ihrer Familie von Russland nach Neuss kam. "Ich konnte ,ja', ,nein' und das Wort ,Tasche' sagen", erinnert sich Svetlana Chernyshova. Doch das sollte nicht lange so bleiben. Schnell zeigte sie sich ehrgeizig: "Ohne die Landessprache zu beherrschen, kommt man schließlich nicht weiter. Das habe ich sehr früh erkannt."

Schon kurz nach ihrer Ankunft belegte sie einen - wie sie sagt - "wirklich intensiven" Intensiv-Kursus in Deutsch und wurde prompt am Quirinus-Gymnasium aufgenommen. Dort machte sie 2009 ihr Abitur mit einem Notendurchschnitt von 1,2. Oder anders gesagt: als drittbeste Abiturientin an dieser Schule überhaupt.

Im gleichen Jahr startete der Rhein-Kreis Neuss mit der Vergabe von Stipendien für erfolgreiche und sozial engagierte Abiturienten und Fachabiturienten, die mit ihren Familien nach Deutschland eingewandert und seit mindestens drei Jahren im Rhein-Kreis zu Hause sind. Svetlana Chernyshova sei die erste, die das Stipendium erhalten habe, sagt Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. Derzeit werden zehn Stipendiaten unterstützt.

Schon in der Oberstufe hatte Svetlana Chernyshova, die anderen Migranten unter anderem beim Deutschlernen hilft, ein Studium angestrebt. "Das Stipendium hat mir später große Sicherheit gegeben", erzählt die 25-Jährige, die in den vergangenen Jahren immer wieder auch Kinder und Jugendliche an anderen Schulen dazu motiviert hat, zu studieren. "Ich musste nicht nebenbei arbeiten gehen, um mein Studium finanzieren zu können", sagt sie. Denn: Ab dem ersten Semester werden Stipendiaten mit 300 Euro für Bachelor- und Masterstudiengänge gefördert.

Ihr Masterstudium in Kultur- und Medienwissenschaften hat Svetlana Chernyshova jedenfalls sehr erfolgreich abgeschlossen. Die schlechteste Note auf ihrem Zeugnis: eine 1,3. Doch das dürfte ihren Notendurchschnitt nicht mehr stark nach unten gezogen haben.

Der Erfolg der Stipendiatin macht nicht nur sie selbst, sondern auch Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, Schuldezernent Tillmann Lonnes und Projektleiterin Eva Schmitt-Roth mächtig stolz. "Ich kann andere dazu ermutigen, sich anzustrengen und sich mit einem Studium gut für die Zukunft aufzustellen", sagt Chernyshova, die sich in ihrer Freizeit übrigens sehr gerne mit kulturellen Themen auseinandersetzt.

So engagiert sie sich unter anderem im Düsseldorfer Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation (Zakk), wo sie mit anderen jungen Menschen an Kunstausstellungen und Theater-Aufführungen tüftelt. Jetzt will sie in Kultur- und Medienwissenschaften promovieren.

Quelle: NGZ
 
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