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Rhein-Kreis Neuss
Tag des Handwerks lockt den Nachwuchs

Rhein-Kreis Neuss: Tag des Handwerks lockt den Nachwuchs
Das Handwerk wirbt um Nachwuchs: Bei einem Aktionstag konnten Besucher an mehr als 40 Stationen Handwerkstechniken ausprobieren. FOTO: Grubitzsch
Rhein-Kreis Neuss. Mehrere hundert Besucher nutzten die Gelegenheit, die Werkstätten der Handwerkskammer und Arbeitstechniken kennenzulernen.

Die Handwerkskammer Düsseldorf hat den sechsten "Tag des Handwerks" ausgerichtet. An mehr als 40 Stationen präsentierten sich am Samstag 32 Werkstätten und Betriebe mit Angeboten zum Anschauen und Mitmachen. Nach Angaben der Organisatoren besuchten mehrere hundert Interessierte die Veranstaltung. Besonders Jugendliche sollten von dem Programm angesprochen werden. "Alle hier vertretenen Branchen suchen intensiv nach jungen, begabten Menschen, die eine handwerkliche Ausbildung beginnen möchten", sagt Alexander Konrad, Sprecher der Handwerkskammer. Da immer mehr Schüler das Studium einer Ausbildung vorzögen, versuche die Handwerkskammer, besonders junge Gymnasialschüler anzusprechen. Diese waren zahlreich anwesend und wurden direkt zum Anpacken motiviert.

Sven (19) hat im vergangenen Jahr Abitur gemacht und zieht eine Ausbildung zum Tischler in Betracht. "Ich finde eine Lehre in dieser Branche besonders attraktiv, weil sie als Sprungbrett in den Architekturberuf dienen kann." Am Abend zuvor wurden beim traditionellen "HandSchlag" 217 neue Auszubildende in die Gemeinschaft des Handwerks aufgenommen. Kreishandwerksmeister Thomas Dopheide appellierte an die frischen Azubis, hartnäckig zu bleiben - bis zum Meisterbrief. "Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist Gold wert - wir brauchen sie alle."

Das müssen auch Maisam (17) und Ali Etemadi (18) gehört haben, die sich beim Tag des Handwerks umgeschaut haben. Sie sind aus Afghanistan geflohen und seit etwa einem Jahr in Düsseldorf. "Wir suchen nach einer Lehrstelle als Kfz-Mechaniker", sagt Maisam. In Afghanistan fingen sie eine Lehre an, die wollen sie jetzt weiterführen.

40 Schau- und Mitmach-Stationen hatte die Handwerkskammer aufgeboten. Die Besucher nutzten dies und übten sich zum Beispiel an funkenstiebenden Schweißnahten, zischender Sprühmaltechnik und hämmernder Steinbearbeitung. Nicht wenige Teilnehmer hatten Kleinteile aus Metall oder Verbundwerkstoffen ins brandneue Materialprüflabor der Kammer mitgebracht, um die Zusammensetzung und physikalischen Eigenschaften analysieren lassen.

Besonders belagert wurden die Lebenden Werkstätten von Steinmetz- und Steinbildhauermeister Jörg Hahn und ein vom Sanitätshaus Beuthel (Wuppertal) eingerichtetes "Orthopädie-Camp": Orthopädietechniker und Orthopädieschuhmacher führten live Anpassungsarbeiten durch, leiteten die Herstellung von einfachen Hilfsmitteln an und informierten über die Ausbildungsberufe dieses spannenden Gesundheitshandwerks, das nicht zuletzt gesuchte Praktiker für den Einsatz in der Entwicklungshilfe und in der Begleitung von Ärzten in Kriegs- und Krisengebieten hervorbringt. Auch das Bau- und das Dachdeckerhandwerk zeigte Handwerkstechniken - direkt daneben ein 3-D-Drucker, wie er heute bereits handwerkliche Fertigungsprozesse etwa in einem Zahntechniklabor oder in einer Goldschmiedewerkstatt unterstützt.

(lkl)
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